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Brockhaus' Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bordelumer Rotte - Bordüre
Bordelumer Rotte, eine 1737 von den Kan-
didaten Borsenius und David Bahr in Bordelnm
bei Flensburg gestiftete Sekte, die 1739 gewaltsam
unterdrückt wurde. Sie schaffte Kirche, Predigtamt
und Sakramente ab und führte Güter- und Weiber-
gemeinschaft ein.
Bordentown (spr. -taun), Ort im County Bur-
lington des nordamerik. Staates Neujersey, am
De'laware, 10 km unterhalb Trenton, hat (1890)
4232 E. und Fabriken von Eisenbahnwagen, Kesseln
u. s. w. In B. steht noch das Haus, in dem Joseph
Bonaparte, Bruder Napoleons I., wohnte.
Border Burghs, s. Hawick Vurghs.
Bordereau (frz., spr. -d'roh), d. i. Verzeichnis,
im Französischen eine kurze Rechnung, die man im
Deutschen gewöhnlich Note nennt. So ist der Gcld-
bordereau (d0rä6r6a.u äs c3.i836) eine Note, in der
die im Laufe des betreffenden Tags zu leistenden oder
geleisteten Zahlungen einzeln verzeichnet sind, ein
sog. Sortenzettel, der Diskontobordereau (dor-
ä6l65w ä'6800inpt6) ein methodisches und genaues
Verzeichnis der zur Diskontierung eingereichten
Wechsel oder sonstigen Wertpapiere. Ferner be-
zeichnet B. im Französischen den Eckluhzettel (s. d.)
des Maklers (doräor^u ä6 courtier), sowie die
Verladungsnote bei Gütertransporten (doi-äsrsHu
äs ckai-F6N6iit). Bei der Generalrückversicherung
bezeichnet man als B. die schriftlichen Anzeigen des
Versicherers von den von diesem übernommenen,
unter die Rückversicherung fallenden Versicherungen
und die sich hierauf beziehenden Einzelheiten.
Voräer 3tats8 (engl., spr. stehts, "Grenz-
staaten") hießen in den Vereinigten Staaten von
Amerika diejenigen der sklavenhaltenden Staaten,
welche an die nichtsklavenhaltenden grenzten. Durch
verschiedene Verträge und Gesetze war die Südgrenze
von Pennsylvanien und der Öhio als Scheidelinie
zwischen Freiheit und Sklaverei festgesetzt', die L. 3.
waren demnach Delaware, Maryland, Virginien,
stentucky und Missouri. Beim Ausbruch des Bür-
gerkrieges 1861 standen alle diese Staaten außer
Virginien auf Seite der Nordstaaten.
Bordesholm, Kirchdorf im Landkreis Kiel der
preuß. Provinz Schleswig-Holstein, in anmutiger
Lage am Bordesholmer See und an der Linie
Altona-Neumünster-Kiel der Preuß. Staatsbahnen
(Bahnhof 2 km entfernt), hat (1890) 551 evang. E.,
Post, Telegraph, Landratsamt des Landkreises Kiel,
Amtsgericht (Landgericht Kiel) und eine 1332 er-
baute Kirche, in der bis 1666 der berühmte Brügge-
mansche Altar stand (jetzt im Dom zu Schles-
wig), mit den Grabmälern König Friedrichs I.
von Dänemark und dessen Gemahlin Anna, ferner
Christian Friedrichs, Herzogs von Holstein-Gottorp,
des Stammvaters des rufs. Kaiserhauses, Herzogs
Georg Ludwig, Stifters des großhcrzoglich oldon-
burg. Hauses. Sehenswert ist die über 600 I. alte
Linde cnn Kirchhofe, deren ^tamm 4,6 m Umfang hat.
Bordiamant, s. Vor.
Bordierung, s. Bordüre.
Bordighera, Stadt und Winterkurort im Be-
zirk ^?an Remo der ital. Provinz Porto Maurizio, im
westl. Teile der Riviera di Ponente, auf einem
Vorgebirge am Ligurischen Meere, 11 km von der
franz. Grenze und an der Linie Genua-Savona-Ven-
timiglia des Mittelmeernetzes, hat (1881) 2556 E.,
schöne Villen und zahlreiche Hotels. V. ist wegen
seines Klimas, der malerischen Lage und der präch-
tigen Palmenhaine, besonders in der Oberstadt, be-
Brockhaus' Konversations-Lexikon.. 14. Aufl. III.
rühmt. Die Datteln werden selten reif, aber die
schönen Wedel werden zur Osterzeit in Menge nach
Rom verhandelt. B. hat vortreffliches Trinkwasser,
Schnee etwa alle 4 Jahre, Regentage 45, wolkige
und regnerische 100 und im Winter eine Mittel-
temperatur von 11 bis 12° 0. Der untere Teil der
Stadt litt 23. Febr. 1887 sckwer durch das über
einen großen Teil des westl. Oberitalien verbreitete
Erdbeben.
Bordings nennt man in einigen deutschen Ost-
seeplätzen, wie z. B. Danzig, die Leichter- oder Achter-
schiffe, welche für die Entladung und Beladung der
Seeschiffe benutzt werden; Bordingsfracht, die
Vergütung für ihre Dienstleistung, die Leichterfracht.
Bordkante (im Straßenbau), s. Bordschwelle.
Bordö, Insel, s. Vorö.
Bordone, Paris, venet. Maler, geb. um 1500 zu
Treviso, gest. 19. Jan. 1571 zu Venedig, bildete sich
unter Tizian. Seine vorzüglichste Eigenschaft besteht
in einem zartrosigen Kolorit, daher besonders seine
weiblichen Bildnisse von sinnlicher Anmut, wenn-
gleich nicht von geistigem Ausdruck sind. Eins der
schönsten Ceremonienbilder seinerZeit ist: Ein Fischer
überreicht dem Dogen den Ring des heil. Markus
(in der Akademie von Venedig). Formvollendeter ist
seine Prophezeiung der Tiburtinischen Sibylle (im
Palast Pitti zu Florenz) und der Gladiatorenkampf
(im Hofmuseum zu Wien). Vorzüglich ist auch das
heil. Abendmahl (in ^>an Giovanni in Bragora
zu Venedig). Auch hat er mehrfach mytholog. Stoffe
behandelt: Venus und Adonis (Wien, Hofmuseum),
Diana als Iägerin zwischen ihren Nymphen (Dres-
dener Galerie).
Bordöne, Philipp Toussaint Joseph, franz.
Offizier, von ital. Abkunft, geb. 1. Nov. 1821 zu
Avignon, studierte in Montpellier Medizin, trat als
Arzt in den franz. Marinedienst und nahm 1860
an dem Zuge Garibaldis nach Sicilien teil. Im
Herbst 1870 bewog er Garibaldi, der franz. Repu-
blik seine Dienste anzubieten, traf mit ihm 8. Okt.
in Tours ein und wurde zum Chef des General-
stabes der unter Garibaldi bei Autun und Chä-
lons-sur-Saöne neu errichteten Armse des Vosges
ernannt. Er nahm an den Gefechten um Dijon teil,
war jedoch seiner Stellung nicht gewachsen und er-
bitterte, die franz. Behörden und Offiziere durch
seine Anmaßung. Nach der Beendigung des Krieges
wurde er in Untersuchungen verwickelt, die unter
anderm ergaben, daß er bereits dreimal wegen Be-
trugs gerichtlich verurteilt worden war. Er schrieb
zu seiner Rechtfertigung "63.1-id3.iai 6t 1'3.i-m66 ä63
V08Z68. Hecit (Mei6i äs 1a ea.inp3,FQ6" (3Bde., Par.
1871; neue Ausg. in 1 Band, 1874) und "63.rid3.iai,
83. V16, 863 3.V6QMI-68) 868 coindatk" (ebd. 1878).
Bordöni, Faustina, Sängerin, Gattin des Kom-
ponisten Johann Adolf Hasse (s. d.).
Bordschwelle oder Bord kante nennt man im
Straßenbau den Absatz zwischen dem Fahrdamm und
den erhöhten Fußwegen. Die B. wird aus Bruch-
stein, gebrannten Steinen oder Gußeisen gebildet;
man pflegt den Absatz nicht lotrecht, sondern etwas
schräg zu machen (Schrammkante), damit die
etwa daran schrammenden Wagen keine Beschä-
digungen erleiden. Vor Hauseinfahrten senkt man
die B., damit das Überfahren erleichtert wird.
Bordun, f. Bourdon.
Bordüre (frz.) oder Vordierung, Einfassung,
umrahmendes Ornament, Besatz, Borte. In der
Baukunst nennt man V. namentlich die Tapeten-
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