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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Borghesi - Borgia (Geschlecht)

Borghesi, Bartolommeo, Graf, ital. Altertumsforscher, geb. 11. Juli 1781 zu Savignano bei Rimini, beschäftigte sich schon in früher Jugend mit der Entzifferung von Urkunden in den Klöstern, sowie später mit dem Studium der Sammlungen und Bibliotheken Italiens. Verschiedene Münzsammlungen, wie die von Mailand und die des Vatikans, wurden von ihm katalogisiert. Durch die polit. Bewegungen in seinen Studien gestört, zog sich B. 1821 in die Republik San Marino zurück, wo er fortan ganz der Wissenschaft lebte, bis er 16. April 1860 daselbst starb. Sein Werk "Nuovi frammenti dei fasti consolari capitolini" (2 Bde., Mail. 1818-20) gehört zu dem Trefflichsten, was die Litteratur der röm. Epigraphik aufzuweisen hat, und die im "Giornale arcardico" (Jahrg. 1821 fg.) veröffentlichten numismatischen Untersuchungen ("Osservazioni numismatiche" in Dekaden) begründeten den Ruf B.s als Numismatiker und Altertumsforscher. Andere epigraphische Arbeiten hat B. in Zeitschriften, wie in dem von ihm mitbegründeten "Giornale arcadico", in den "Atti" der Accademia pontifica und anderer gelehrter Gesellschaften veröffentlicht. Nach seinem Tode veranstaltete die Akademie der Inschriften zu Paris eine Ausgabe von B.s "Œvres complètes" (9 Bde., Par. 1862-84).

Borghesischer Fechter, s. Agasias.

Borgholm, Ort an der Westküste der schwed. Insel Öland (s. d.), zum Kalmar-Län gehörig, erst 1817 mit Stadtrecht versehen, hat (1891) 847 E., Post, Telegraph, eine prächtige Ruine des 1800 durch Feuersbrunst zerstörten Schlosses, in dem zuletzt Karl X. 1654 gewohnt hat, und ist in den letzten Jahren als Badeort viel besucht worden.

Borgholzhausen, Stadt im Kreis Halle i. W. des Reg.-Bez. Minden, in 133 m Höhe am Fuße des Teutoburgerwaldes, 20 km nordwestlich von Bielefeld und an der Nebenlinie Brackwede-Osnabrück (Bahnhof 3 km) der Preuß. Staatsbahnen, ist Sitz eines Amtes und hat (1890) 1203 meist evang. E., Post, Telegraph, 1 alte Kirche, 1 mechan. Segeltuchweberei, 3 Wurstfabriken, Brauerei, Molkerei, sowie bedeutenden Weizen- und Flachsbau. Zu B. soll ein Tempel der von Tacitus erwähnten Göttin Tanfana gestanden haben. Oberhalb der Stadt, auf dem Gebirgsrande (217 m), die Ruinen der Burg Ravensberg, des Stammschlosses der 1346 ausgestorbenen Grafen von Ravensburg.

Borghorst, Dorf im Kreis Steinfurt des preuß. Reg.-Bez. Münster, an der Linie Münster-Gronau-Grenze der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 3816, als Gemeinde 5701 meist kath. E., Post, Telegraph, eine neue große Kirche mit einem goldenen Stiftskreuz (1024), alten roman. Leuchtern und silbernen Statuen, schönes Rathaus, Rektoratsschule, Kranken- und Armenhaus, einen schönen Park des Fürsten Bentheim-Steinfurt; 2 Baumwollspinnereien (55 600 Spindeln), 6 Baumwoll- und Halbleinenwebereien (1400 Stühle), 1 Färberei, 2 Branntweinbrennereien, Dampfsägemühlen, Wind- und Wassermühlen, Ziegeleien, Steinbrüche. Hier bestand bis 1811 ein freiweltliches, adliges Damenstift, 968 gegründet, zu dessen Äbtissinnen Hedwig von Galen (1675) gehörte, die Schwester des Bischofs Christoph Bernhard von Galen zu Münster.

Borgia (spr. bordscha), das berühmteste aller päpstl. Nepotengeschlechter. Aus Jativa bei Valencia gelangte die Familie Borja (spr. -cha) Anfang des 15. Jahrh. nach Italien. Der erste Bedeutende dieses Namens machte sich als Rat des Königs Alfons I. von Neapel bei Beseitigung des span. Schismas verdient, stieg zum Bischof von Valencia und Kardinal auf und wurde 1455 siebenundsiebzigjährig als Calixtus III. (s. d.) zum Papst erwählt. Er war es besonders, der das Haus B. zu Macht und Ansehen zu erheben trachtete. Entgegen seinen vor der Wahl abgegebenen Versprechungen, machte er schon Sept. 1456 zwei seiner Neffen trotz ihrer Jugend und Unfähigkeit zu Kardinälen; außerdem wurde der eine Legat von Bologna, der andere Vicekanzler und Legat der Marken. Sein dritter Neffe, Don Pedro Luis Lançol (Lenzuoli), geb. 1433, der erklärte Günstling Calixtus' III., stieg zum Stadtpräfekten, Herzog von Spoleto (1457) und Gonfaloniere auf, und erhielt 1458 die Vikariate von Benevent und Terracina. Ehe jedoch Calixtus III. sein Werk an seiner Familie vollenden konnte, starb er, und die Orsini und Colonna vereinten sich nun, um die aufstrebenden B. niederzuwerfen. Dennoch gelang es jenem Rodrigo Lançol (Lenzuoli), welcher Legat der Marken geworden war, 1492 als Alexander VI. (s. d.) den päpstl. Stuhl zu besteigen. Habsüchtig und von glühender Sinnlichkeit, stand er anfangs ganz unter dem Einfluß einer schönen Römerin aus niederm Adel, Vanozza de' Cataneis (gest. 1518), die ihm 5 Kinder gebar: Giovanni, Cesare, Goffredo, Luigi und Lucrezia. - Giovanni (Juan) B., auf welchen nach dem frühen Tode Luigis der von Spanien erkaufte Herzogstitel von Gandia übergegangen war, wurde als der Liebling des Papstes von diesem mit allem weltlichen Glanz ausgestattet; er erhielt Juni 1495 Benevent mit Terracina und Pontecorvo als erbliches Herzogtum und wurde 14. Juni 1497, wahrscheinlich von seinem eifersüchtigen Bruder Cesare B., ermordet. Er ist der Begründer des heute noch blühenden Geschlechts der B., Herzöge von Gandia, aus welchem zahlreiche Prälaten und Kardinäle, insbesondere der 1572 gestorbene, später heilig gesprochene dritte Jesuitengeneral Francesco B., Herzog von Gandia, hervorgingen. - Goffredo B. wurde von Alexander VI. Aug. 1493 mit Donna Sancia, der Tochter Alfons II. von Neapel, vermählt, welche ihm das Fürstentum Squillace und die Grafschaft Coriata zubrachte; von ihm stammen die Prinzen von Squillace.

Cesare B., geb. 1478, zur geistlichen Laufbahn bestimmt, studierte in Pisa und wurde von Alexander VI. schon 1493 zum Kardinal und Erzbischof von Valencia erhoben, nachdem Bemühungen, ihn mit einer neapolit. Prinzessin zu verheiraten, gescheitert waren. 1494 mußte er Karl VIII. von Frankreich als Geisel auf seinem Eroberungszuge durch Italien folgen, doch schon in Velletri gelang es ihm zu entfliehen. Nach der Ermordung seines Bruders Giovanni trat er an dessen Stelle; zugleich aber legte er Aug. 1498 die Kardinalswürde nieder. Bald darauf ging er, um mit Ludwig XII. eine gemeinsame Eroberung Italiens zu verabreden, als Überbringer der für Ludwig wichtigen Ehescheidungsbulle nach Frankreich, wo er die Erhebung zum Herzog von Valentinois und seine Vermählung mit Charlotte d'Albret von Navarra erzielte. Der Verabredung entsprechend begann Cesare hierauf Okt. 1499 die Eroberung der Romagna, gestützt auf franz. Truppen und Schweizersöldner und auf päpstl. Geld. Nachdem er Imola, Cesena, Forli unterworfen hatte, ernannte ihn Alexander VI. zum Gonfa-^[folgende Seite]