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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Borinage – Börjesson

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Borgu'

während Burgu der veraltete Name der Landschaft Borugung (s. d.) im Westsudan ist.

Borinage (spr. -nahsch') ist der Gesamtname einer Anzahl in der Umgebung von Mons in der belg. Provinz Hennegau, südlich der Haine, gelegener Dorfgemeinden, deren Haupterwerbsquelle im Kohlenbau besteht. Die bedeutendsten derselben sind: Jemappes, Frameries, Pâturages , Quaregnon, Boussu, Dour, Elouges, Hornu, Cuesmes, Flénu, St. Ghislain, Warquignies, Wasmes, welche durch zahlreiche Eisenbahnlinien verbunden sind. Vgl. die einzelnen Artikel. Die Bewohner heißen Borains, welcher Name etymologisch Kohlenbauer bedeuten soll (von bure, bore, Schacht; dieses vom deutschen «bohren»). Der Überlieferung nach kamen die ersten Borains aus dem lütticher Lande nach Frameries.

Borino, Wind, s. Bora.

Boris (bei den Byzantinern auch Bogoris), Michael, der erste christl. Fürst der Bulgaren, regierte um 852–890. Er ließ sich von einem vom Patriarchen Photios aus Konstantinopel gesendeten Bischof samt seiner Familie und dem Adel des Reichs taufen und überwältigte rasch den Aufstand einer heidn. Adelspartei. Als ihm die Griechen in der Frage der Errichtung einer selbständigen Landeskirche nicht entgegenkamen, unterhandelte er 866–870 um die Entsendung eines Erzbischofs mit dem Papste, schloß sich aber, als sich diese Verhandlungen wegen Personalfragen zerschlugen, bei der Konstantinopeler Kirchenversammlung 870 endgültig den Griechen an. Seine letzten Jahre verlebte B. im Kloster und wurde nach seinem Tode (907) zum Heiligen erklärt.

Boris und Gljeb, zwei Söhne des Großfürsten Wladimir I. oder des Heiligen von Kiew, wurden 1015 nach dem Tode des Vaters von ihrem Bruder Swjatopolk, der sich Kiews bemächtigt hatte, ermordet. Die Russische Kirche sprach sie 1071 heilig und ihr Gedächtnis wird 2. Mai a. St. gefeiert, dem Tage, wo 1072 ihre Gebeine in die ihnen zu Ehren erbaute Borissogljebsche Kirche in Wyschgorod (14 km nördlich von Kiew) übergeführt wurden. Später wurden in Rußland viele Borissogljebsche Kirchen und Klöster errichtet, auch die Stadt Borissogljebsk hat ihren Namen davon. Die Legende über die Heiligen B. und G. gab J. Sresnewskij heraus (russisch, Petersb. 1860).

Boris Godunow, Zar von Rußland, s. Godunow.

Borislaw, russ. Stadt, s. Berislaw.

Borissogljebsk. 1) Kreis im südöstl. Teil des russ. Gouvernements Tambow, hat 7415,2 qkm, 258436 E., fruchtbare Schwarzerde, bedeutenden Ackerbau und Pferdezucht, Melonengärten und Anbau von Sonnenblumen zur Ölgewinnung. –

2) Kreisstadt im Kreis B., 180 km südöstlich von Tambow, links der Worona, unweit ihrer Mündung in den Choper und an der Privatbahn Grjasi-Zarizyn, hat (1889) 17665 E., 4 Kirchen, Knaben-, Mädchenprogymnasium, technische Schule für Eisenbahnwesen, belebten Hafen, bedeutenden Handel mit Getreide, Holz, Petroleum, Fischen, Kaviar, Melonen und Salz aus den Seen des Gouvernements Astrachan. – B., 1646 zum Schutz gegen die krimschen Tataren gegründet, ward unter Peter d. Gr. zeitweilig zum Depot für Schiffbauholz gemacht.

Borissow. 1) Kreis im nördl. Teil des russ. Gouvernements Minsk, hat 10182,5 qkm, 158662 E., meist Weißrussen, viel Wald und Holzwarenindustrie, aber spärlichen Ackerbau. –

2) Kreisstadt ↔ im Kreis B., 80 km nordöstlich von Minsk, links der Beresina, am Einfluß der Scha und an der Privatbahn Moskau-Brest-Litowsk, hat (1887) 18103 E., darunter 10000 Juden, russ., kath. Kirche, Synagoge, 6 israel. Bethäuser, 2 Tabakfabriken, Dampfmühle, Brauerei. – B. bestand schon Anfang des 12. Jahrh., war unter poln. Herrschaft Festung mit 2 Schlössern und starker Garnison, kam 1795 zu Rußland. Bei den 19 km oberhalb B. gelegenen Dörfern Studjanka und Weselowo fand 1812 der Übergang der Franzosen über die Beresina statt. Sept. 1892 wurde ein großer Teil B.s durch Brand zerstört.

Borissowka, Flecken (sloboda) im Kreis Grajworon des russ. Gouvernements Kursk, 192 km südlich von Kursk an der Worskla und Gostenka, hat (1885) 16288 E., 4 Kirchen, 2 Schulen, Ackerbau, Gerberei, Handel und 5 Jahrmärkte.

Borja, Bezirksstadt in der span. Provinz Saragossa (Aragonien), 67 km westnordwestlich von Saragossa, unfern des linken Ufers des zum Ebro gehenden Huecha, in 441 m Höhe und an der Bahnlinie Cortes-Borja (18 km), hat (1887) 5909 E., Post und Telegraph, stattliche Kirchen und Klöster, ansehnlichen Obst- und Flachsbau und ist von Ulmenalleen und alten Mauern umgeben. Ein nackter und steiler Hügel neben der Stadt trägt ein befestigtes Schloß, den Stammsitz der Familie Borgia (s. d.). Am Fuße der 2349 m hohen Sierra del Moncayo, 16 km von der Stadt, liegt in baumreicher Ebene die Ende des 11. Jahrh. gegründete Cistercienserabtei Beruela mit prachtvollem Kloster und schöner got. Kirche.

Borja, span.-ital. Geschlecht, s. Borgia.

Börjeson, Johan Helenus Laurentius, schwed. Bildhauer, geb. 1835 in Halland, hatte sich erst als Seemann, Ciseleur und Opernsänger versucht, und brachte nach vollendeten akademischen Studien lange Zeit im Auslande, hauptsächlich Rom und Paris zu (1867–79). Seit 1877 ist er Mitglied der Stockholmer Akademie, seit 1886 Professor an derselben. Seine vorzüglichsten Werke aus früherer Zeit sind: Der Kegelspieler (Museum in Gotenburg), Die Seejungfern, für die Königin von Württemberg ausgeführt, Gefangener Wiking, Fischerknabe von Capri, Jüngling mit der Schildkröte (beide im Nationalmuseum zu Stockholm). Später führte B. Kolossalstatuen aus: des Dichters Holberg für die Stadt Bergen, des Geschichtschreibers Geijer für Upsala, des Reichskanzlers Axel Oxenstierna für das Ritterhaus in Stockholm. Daneben schuf er viele Porträtbüsten und Medaillons sowie einzelne Idealfiguren. Seiner auf scharfe Naturbeobachtung gegründeten, der Renaissance verwandten Richtung weiß er durch Energie der Formenbehandlung und Innigkeit des Ausdrucks einen idealen Charakter zu verleihen.

Börjesson, Joh., schwed. Dichter, geb. 23. März 1790 im Kirchspiel Tanum in Bohuslän, ward nach Vollendung theol. Studien in Upsala 1828 Seelsorger der Pfarrei Weckholm bei Enköping in Upsalastift. Später siedelte er nach Upsala über und starb dort 6. Mai 1866. Durch «Erik den fjortonde» (2. Aufl. 1846; deutsch, Berl. 1855) machte B. sich weitern Kreisen bekannt. Es folgten die Tragödien «Erik den fjortondes son» (1847) und «Solen sjunker» (1856) sowie das Drama «Ur Carl den tolftes ungdom» (1858). Eine Fortsetzung zu «Erich XIV.» bildet das Trauerspiel «Brödraskulden» (1861). Kurz vor dem Tode vollendete er das histor. Schauspiel «En statshvälfning i Rom»

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 312.