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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Borku; Borku (Landschaft); Borkum; Borlinettos Pulver; Bormann; Bormann (Karl Wilh.)

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Borku – Bormann

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Borki'

mit 1500 E., wurde dadurch bekannt, daß hier bei der Rückfahrt nach Petersburg auf einem Damme von etwa 10 m Höhe der kaiserl. Eisenbahnzug 29. (17.) Okt. 1888 entgleiste. 58 Personen wurden verletzt, 21 getötet. Der Kaiser, die Kaiserin und die kaiserl. Familie, deren Wagen ebenfalls zertrümmert wurden, blieben wie durch ein Wunder unversehrt. Nahe der Unglücksstelle wurde 26. (14.) Juni 1894 eine Gedächtniskirche eingeweiht. (Über nähere technisch-kritische Einzelheiten des Unfalls nebst Abbildung s. Eisenbahnunfälle.)

Borku (Borgu), Oasengruppe in der Sahara, zwischen Fessan und Wadai, südöstlich von Tibesti, in einem von NW. nach SO. streichenden Berglande, zwischen dessen nackten, felsigen Bergen die Oasen tiefe Thäler bilden. Der im August fallende Regen befruchtet das Land und macht es bewohnbar; die Vegetation bringt gute Weiden, große Mengen von Datteln, an begünstigten Stellen Trauben und Feigen, aber weniger Getreide hervor. Nachtigal schätzte (1871) die Zahl der in der 16000 qkm umfassenden Gruppe Wohnenden auf 10–12000, darunter 5000 Ansässige und 5–7000 Nomaden; sie sind Berber, nicht sehr verschieden von den benachbarten Tibbu, und bilden den Übergang zwischen diesen und den am Tsadsee wohnenden Nigritiern. Das Land gehört den Uelad-Soliman, die alle 3 bis 4 Jahre in das Land einfallen und dann als Tribut die ganze Ernte mitnehmen. Die bewohntesten Thäler mit seßhafter Bevölkerung sind Jin und Budu. Als Kreuzungspunkt der Karawanenstraßen nach Wadai, Fessan und Kanem ist die Oase ein Handelscentrum der Sahara. – Vgl. Nachtigal, Sahara und Sudan, Bd. 2 (Berl. 1881).

Borku, Landschaft in Westsudan, s. Borugung.

Borkum, die westlichste der ostfries. Küsteninseln, zum Kreise und Amte Emden des preuß. Reg.-Bez. Aurich gehörig, 15 km vom niederländ. Festlande vor der Mündung der Ems gelegen, von der Oster- und Westerems umgeben, ist eine Sandfläche von 8 km Länge und 4 km Breite, 29,6 qkm groß, ringsum von Dünenketten umschlossen, die mit einer eigenen Grasart, dem Dünenhafer, auch Helm genannt, bewachsen sind. Die Verbindung mit dem Festlande (Emden 57 km und Leer 85 km) wird während der Badezeit täglich durch drei Dampfschiffe, sonst durch ein wöchentlich einmal nach und von Emden fahrendes Fährschiff (Segelschiff) unterhalten. Die Insel war ursprünglich etwa 1000 qkm groß, wurde aber durch eine Sturmflut im 12. Jahrh. in vier Teile zerrissen, von denen außer B. noch die Insel Juist (s. d.) übriggeblieben ist. Sie zerfällt jetzt in West- und Ostland-Borkum, die durch einen 1864 errichteten großen Deich oder Damm miteinander verbunden sind. Das von einer schönen Wiese umgebene Dorf B. auf dem Westlande hat (1890) 1350 E., Postagentur (im Sommer Post- und Telegraphenamt), eine Kirche, 7 Hotels, eine Schule, einen alten Leuchtturm (47 m) mit Fresnelschem Leuchtapparat, dessen weißes Feuer auf mehr als 30 km sichtbar ist, einen neuen Leuchtturm (60 m) mit Blinkfeuer erster Ordnung, eine meteorolog. Station der Deutschen Seewarte und eine Station zur Rettung Schiffbrüchiger mit je einem Rettungsboote auf dem Ost- und Westlande; ferner Landwirtschaft, Viehzucht (bedeutende Milchwirtschaft), Fischerei (Schellfisch) und Schiffahrt. Das 1 km vom Dorfe entfernte Seebad hat einen vorzüglichen Strand; seit 1875 besteht eine schöne ↔ Warmwasser-Badeanstalt mit 4000 Kurgästen. Das Ostland B. hat wie die jenseit der Westerems gelegene niederländ. Insel Rottum große Brutstätten von Seevögeln. – Vgl. Meier, Die Nordsee-Insel B. (Lpz. 1863); Die Nordsee-Insel B. (8. Aufl., Emden 1883); Herquet, Die Insel B. in kulturgeschichtlicher Hinsicht (ebd. 1886); Praktischer Führer für das Nordseebad B. (9. Jahrg., ebd. 1891).

Borlinettos Pulver, gehört zu den Pikratpulvern (s. d.), ist 1867 erfunden und besteht aus Pikrinsäure, salpetersaurem Natrium und chromsaurem Kalium.

Bormann, Aug. Edwin, Dichter, geb. 14. April 1851 in Leipzig, trieb auf dem Polytechnikum zu Dresden sowie auf den Universitäten zu Leipzig und Bonn vielseitige Studien und lebt als Schriftsteller und Verleger seiner Bücher in Leipzig. Schon als Student trat B. mit Gedichten und Liedern voll echten Humors auf. Er veröffentlichte: «Burschenlieder» (Lpz. 1877), «Seid umschlungen, Millionen! Humoristisches Liederbuch» (ebd. 1879), «Schelmenlieder» (ebd. 1883; 2. Aufl. 1890), «Das Buch des Herzens» (1891). Besondere Erfolge feierte er mit Humoresken in der Leipziger Mundart, wie: «Mei Leibzig low' ich mir!» (Lpz. 1881; 6. Aufl. 1892), «Leibz'ger Allerlei» (ebd. 1884; 5. Aufl. 1889), «Biff! Baff! Buff!» (ebd. 1884), «Von Gamerun bis zum Schwandeiche» (ebd. 1887), «De Säcksche Schweiz» (ebd. 1890), «Mei Frankfort low' ich mir!» (1891), «'s Buch von Klabberstorche» (ebd. 1892) und die Humoreskensammlungen: «Herr Engemann» (ebd. 1883; 3. Aufl. 1888) und «I nu heern Se mal!» (ebd. 1885; 2. Aufl. 1889). Die liebenswürdige Eigenart seines Wesens spricht sich aus in den bald sinnigen, bald launigen Arbeiten: «Reineke Fuchs. Kinderbuch» (mit Jul. Lohmeyer, illustriert von Flinzer, Glogau 1882), "Büchlein komm mit mir!" (Lpz. 1886), «Das Büchlein von der schwarzen Kunst» (ebd. 1886), «Ein jedes Thierchen hat sein Pläsirchen» (ebd. 1887; 2. Aufl. 1889), «Der Gouverneur von Tours» (ebd. 1891; Oper, komponiert von C. Reinecke, 1891), «Ballfreuden. Heitere Dichtungen» (ebd. 1891). Ernst und Scherz in mustergültiger Gedankenfassung und Form vereinen die jüngern Werke «Liederhort in Sang und Klang, in Bild und Wort» (ebd. 1888; Prachtausgabe und Textausgabe, auch 7 Sonderausgaben) und das prächtige «Klinginsland. Minnelieder und Spielmannsweisen, alten Meistern nachgesungen» (ebd. 1890). Auf die Gelegenheitsdichtung des 17. und des 18. Jahrh. greifen zurück B.s oft aufgelegte «Poet. Papierausstattungen», erstens niedlich geschmücktes Briefmaterial: «Schwalbenbriefe» (Lpz. 1885; 16. Aufl. 1891), «Schatzkästlein» (ebd. 1887; 8. Aufl. 1891), «Blumenbriefe» (ebd. 1889; 4. Aufl. 1890), «Die Tafelrunde» (ebd. 1880; 15. Aufl. 1890), «Wohl bekomm's!» (1887; 5. Aufl. 1890) und «Rebenblüten» (1890), reiche Sammlungen versgezierter Tischkarten. Die Baconfrage behandelt «Das Shakespeare-Geheimnis» (Lpz. 1894).

Bormann, Karl Wilh., Freiherr von, belg. General, geb. 1. April 1796 zu Senftenberg (damals noch sächsisch), diente zuerst in der königlich sächs. Artillerie, trat später als Hauptmann zur belg. Artillerie über und erfand hier 1835 für die Shrapnels glatter Geschütze den ringförmigen Zeitzünder mit fester Satzdecke, an deren Stelle Breithaupt (s. d.) 1854 die drehbare Tempierplatte setzte. B. wurde 1859 in den belg. Adelstand erhoben. Er machte sich auch als Militärschriftsteller in der

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 314.