Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bornage; Borne; Börne; Borneën; Borneil; Bornemann

315

Bornage - Bornemann

Gründung, wahrscheinlich 924 von König Heinrich zur Stadt erhoben, im 13. Jahrh, zur Mark Meißen gehörig, 1294 von König Adolf belagert, 1430 von den Hussiten verheert, kam 1484 an die Ernestinische, 1547 an die Albertinische Linie. - Vgl. N. Wolfram, Chronik von B. (Borna 1859; neu bearbeitet 1886).

Bornage (frz., spr. -nahsch'), s. Abmarkung.

Borne, Max von dem, Fischzüchter, geb. 20. Dez. 1826 zu Berneuchen in der Neumark, wählte zuerst die bergmännische Staatscarriere und macbte große Reisen. Nach Übernahme seines Familienguts Berneuchen widmete er sich mit großem Erfolg der Fischzucht. Er starb 14. Juni 1894 zu Berneuchen. B. verfaßte: "Taschenbuch der Angelfischerei" (2. Aufl., Verl. 1882), "Wegweiser für Angler durch Deutschland, Österreich und die Schweiz" (ebd. 1877), "Die Fischzucht" (3. Aufl., ebd. 1885), "Handbuch der Fischzucht und Fischerei" (ebd. 1886).

Börne, Ludw., Schriftsteller (früher Löb Baruch), geb. 6. Mai 1786 von jüd. Eltern zu Frankfurt a. M., wo sein Vater, Jakob Baruch, Wechselgeschäfte trieb. In Berlin, wo B. mit Henriette Herz und Schleiermacher, auch mit Fichte, Fr. Schlegel, Rahel Varnhagen in nähere Verbindung trat, und zu Halle studierte er Medizin, seit 1807 zu Heidelberg, seit 1808 zu Gießen Staatswissenschaften. 1811 ward er in seiner Vaterstadt Polizeiaktuar. Als Frankfurt 1813 als "Freie Stadt" wiederhergestellt war, wurde er als Jude mit einem Jahrgehalt seiner Stellung enthoben. Seitdem widmete er sich mit Liebe und Thatkraft der Publizistik. Er trat 1817 zur evang. Kirche über, gab 1818-21 "Die Wage, eine Zeitschrift für Bürgerleben, Wissenschaft und Kunst" heraus und lebte seit 1822, zunächst als Berichterstatter der «Allgemeinen Zeitung», in Paris, dann in Heidelberg, Frankfurt, Berlin und Hamburg, bis ihn 1830 die Julirevolution nach Paris zog, wo er, fortwährend imKampfe mit Fr. von Raumer, W. Menzel u. a. Wortführern der Reaktion, (1836) die Zeitschrift «Balance» (3 Hefte) gründete, um deutsches Wesen mit französischem im Zeichen polit. Freiheit zu vermitteln. Er starb, längst leidend und von seiner treuen Freundin Jeanette Wohl liebevoll gepflegt, 12. Febr. 1837. In Paris wurde ihm 1843 ein Denkmal von David auf dem Père-Lachaise, 1877 ein solches auch in Frankfurt a. M. errichtet.

Die allgemeine Aufmerksamkeit des deutschen Publikums wurde durch seine "Gesammelten Schriften" (8 Bde., Hamb. 1829-34; 2. Aufl. 1835), die nach der Julirevolution noch höhere Bedeutung erhielten, auf ihn gelenkt. Obgleich es B., wie einige Genrebilder und humoristisch-satir. Skizzen, namentlich die "Monographie der deutschen Postschnecke", "Der Narr im weißen Schwan", "Die Kunst, in drei Tagen ein Originalschriftsteller zu werden" und die treffliche "Denkrede auf Jean Paul" (Erlangen u. Hamb. 1826), beweisen, an Gemüt nicht fehlte, überwog ein wesentlich negativer, kaustischer Geist je länger, desto mehr in ihm. Seine Erbitterung gegen die in Deutschland herrschende dynastische Politik durchdrang allmählich alle seine Arbeiten, auch die ästbetischen, und drängte ihn vom liberalen Standpunkte immer mehr auf den radikalen. Er trieb diesen besonders in den "Briefen aus Paris" (1832) und "Neuen Briefen aus Paris" (1833-34) auf die Spitze, sodaß er schließlich nichts schonte, was nicht seinen polit. Überzeugungen entsprach. Diese Befangenheit beeinflußte zum Teil seine litterar, und dramaturgische Kritik, wie z. B. sein Haß gegen Goethe beweist. Als Probe seines Zorneifers kann seine letzte vollendetste Schrift "Menzel, der Franzosenfresser" (Par. 1837; neueste Aufl. 1849) dienen. Durch leidenschaftliche Auffassung vielfach einseitig urteilt über ihn Heine in der Schrift "Heine über B." (Hamb. 1840); im Gegensatz dazu war Gutzkows "B.s Leben" (Hamb. 1840) zu panegyrisch gehalten. Neue vollständige Ausgaben von B.s "Gesammelten Schriften" (12 Bde., Frankf. u. Hamb. 1862-63; 3 Bde., Lpz. 1877). "Briefe des jungen B. an Henriette Herz", interessante Beiträge zu seiner Jugendgeschichte, gab Fürst heraus (Lpz. 1861). - Vgl. Schott, Erinnerungen an B. (1877); Alberti, L. B. (Lpz. 1886); Holzmann, L. B. Sein Leben und sein Wirken nach den Quellen (Berl. 1888); Brandes, Hauptströmungen der Litteratur des 19. Jahrh., Bd. 6 (Lpz 1891); Brunner, Zwei Buschmänner [W. und Heines] (Paderb. 1891).

Borneën, s. Kampfer.

Borneil (spr. bornäj), Giraut de, Troubadour, geb. um die Mitte des 12. Jahrh, zu Exideuil (Dorund wenn auch Dante (Purgatório XXVI) Arnaut dogne), ist der bedeutendste provencal. Minnedichter, Daniel über ihn stellen will, so muß ihm doch der Beiname «Meister der Troubadours», den ihm seine Zeitgenossen gaben, erhalten bleiben. Er gebietet über den schlichten innigen wie über den erhabenen Ton, und den Wohllaut seiner Verse empfindet auch der heutige Leser. Von seinen Gedichten sind etwa 80 erhalten, meist Sirventesen und Kanzonen; hervorzuheben ist das schöne Morgenlied "Alba". Eine Anzahl Lieder sind gedruckt in den «Werken der Trou- badours», hg. von Mahn, Bd. 1 (Berl. 1846). - Vgl. Histoire littéraire de la France (XVII, 447 -456); Diez, Leben und Werke der Troubadours (Zwickau 1829; 2. Aufl., von K.Bartsch, Lpz. 1882). Verzeichnis der Lieder bei Bartsch, Grundriß zur Geschichte der provencal. Litteratur (Elberf. 1872).

Bornemann, Ferd. Wilh. Ludw., Rechtsgelehrter, geb. 28. März 1798 zu Berlin, zog 1815 vom Gymnasium aus als freiwilliger Jäger ins Feld und studierte dann in Berlin Rechtswissenschaft. 1819 trat er in den preuß. Justizdienst, wurde 1831 Kammergerichtsrat in Berlin, 1837 vortragender Rat im Finanzministerium, 1842 Mitglied und 1843 Staatssekretär des Staatsrats, 1844 Direktor im Justizministerium und übernahm 20. März 1848 das Justizministerium, das er infolge des Rück- tritts des Ministeriums Camphausen im Juni niederlegen mußte. Er wurde in die preuß. Nationalversammlung gewählt, Juli 1848 zweiter Präsident des Obertribunals, 1849 Mitglied der Ersten Kammer und trat in dieser dem linken Centrum bei. Durch die Verordnung vom 21. Juli 1846, an der er wesentlich mitwirkte, wurde dem mündlichen Prozeßverfahren die Bahn gebrochen. Als Minister übertrug er dem Dr. Koch die Anfertigung des Entwurfs zu einer Civilprozeßordnung, sah sich aber 1861 selbst dazu berufen, dieses Werk vollenden zu helfen, dessen Förderung ihn bis zu seinem Tode, 28. Jan. 1864 in Berlin, beschäftigte. B. war der erste, welcher das kodifizierte Partikularrecht Preußens mit dem gemeinen Recht in Verbindung setzte und dadurch eine neue Rechtsentwicklung ins Leben rief, die auf Theorie und Praxis den größten Einfluß übte. Große Verdienste erwarb sich V. auch um Förderung der Arbeiten für die Allgemeine Deutsche Wechselordnung und um Einführung des