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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Borrow; Borrowdale; Borrowstounneß; Borsa; Borsabánya; Borsalbe; Borsari; Borsäure

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Borrow - Borsäure

reicher, genialer Architekt, der, völlig auf eigenen Bahnen wandelnd, der nüchtern gewordenen röm. Architektur neue Wege wies und sie auf malerischen Grundsätzen weiter zu bilden suchte. Damit wurde er ein Führer der Kunst für die folgende Zeit, sodaß man die Barockarchitektur auch Borroministil nannte. Er brach völlig mit den überlieferten Gesetzen der Renaissance in der kleinen, aber groß wirkenden und überreich ausgestatteten Kirche San Carlo alle quattro Fontane (1640-67), die bezeichnenderweise fast keine gerade Linie im Grundriß hat. B. überschreitet zuweilen in seiner Lust am Bizarren jedes Maß, wie im Oratorium des San Filippo Neri; ferner baute er die Paläste Falconieri, begann das Collegio de propaganda fide (um 1660), leitete den Umbau von San Giovanni in Laterano, baute San Ivo alla Sapienza (1660), den in täuschender Scheinperspektive angelegten Hof im Palast Spada u. a.

Borrow (spr. -ro), George Henry, engl. Schriftsteller, geb. 17. Juli 1803 in East Dereham in Norfolk, führte von Jugend auf mit seinem Vater, einem Offizier, ein Wanderleben, ward 1823 Schreiber in London und lebte als Jüngling eine Zeit lang unter Zigeunern, wodurch er eine genaue Kenntnis von deren Sprache und Sitten erwarb, sodaß er später für die span. Zigeuner das Evangelium des Lukas übersetzte und ein Wörterbuch der Zigeunersprache, "Romano Lavo Lil. Word-book of the Romany, or English gypsy language" (Lond. 1874), bearbeitete. Nachdem er in Edinburgh Litteratur und Theologie studiert hatte, machte er sich auf Reisen durch fast ganz Europa und einen Teil von Afrika (namentlich seit 1835 als Agent der engl. Bibelgesellschaft) mit den meisten neuern Sprachen und deren Mundarten vertraut. Später beschränkte er seine Wanderungen mehr auf die Heimat und besuchte u. a. die walisischen Gebirge, die er in "Wild Wales, its people, language and scenery" (3 Bde., Lond. 1862; 2. Aufl. 1865) beschrieb. Er starb 29. Juli 1881 zu Oulton in Suffolk. Einen Hauptgegenstand seiner Schriften bilden die Zigeuner. Sein Werk "The Zincali, or an account of the gypsies of Spain" (2 Bde., Lond. 1841; 4. Ausg. 1846; ein Auszug italienisch von Hudson als "Gli Zingari in Ispagna", Mail. 1878) sprach durch fast dramat. Stil an. Namhaft wurde A. hauptsächlich durch "The Bible in Spain" (2 Bde., Lond. 1843; Neuausg. mit Biographie 1889; deutsch als "Fünf Jahre in Spanien", 3 Bde., Bresl. 1844), einer lebendigen Schilderung seiner Erlebnisse bei der Verbreitung der Bibel in Spanien. Dann gab er, Selbstgeschautes, Gehörtes und Erfundenes mitteilend, "Lavengro, the scholar, the gypsy, the priest" (3 Bde., Lond. 1851; 3. Aufl. 1872) heraus, angeblich eine Selbstbiographie; eine Fortsetzung ist "Romany Rye" (ebd. 1857; 3. Aufl. 1872). Er übersetzte ins Englische F. M. Klingers "Faust" (1825), Puschkins "Talisman" u. a. (1835) und Nasr al-Din al Akshabri Efendis "The Turkish Jester" (1884). - Vgl. Th. E. Montégut, Écrivains modernes de l'Angleterre (2. Bd., 1889); Watts Reminiscences of G. B. im "Athenaeum", Lond. 1881 (3. Sept., 10).

Borrowdale (spr. bórrodehl), berühmtes Thal im Cumberlandgebirge in England, ist rings von Bergen (Scaw Fell Pike, 984 m) umschlossen, wird vom Derwent (s. d.) durchflossen und übertrifft an landschaftlicher Schönheit alle Teile Englands. Die wenigen Bewohner sind zumeist Schafzüchter.

Borrowstounneß (spr. borrostaunéß) oder Bo'neß, Hafenstadt der schott. Grafschaft Linlithgow, am Firth of Forth, 24 km im WNW. von Edinburgh, hat (1891) 5860 E., ein neues Dock (3 ha.), ansehnlichen Küstenhandel und Fabrikation von Salz, Vitriol und Thonwaren. In der Nähe Reste der röm. Mauer des Antonin.

Borsa (spr. borrscha), Groß-Gemeinde im ungar. Komitat Mármaros, am Zusammenflüsse der B. und des Vissó, in 665 m Höhe, hat (1880) mit dem daranstoßenden Borsabánya ("Bergwerk an der B.") 6219 E., größtenteils griech.-kath. Rumänen, darunter 1477 Deutsche und 361 Magyaren, auf dem nahen Gebirqszug Silber-, Eisen- und Kupferbergwerke mit Schmelzhütte und einen ausgezeichneten alkalisch-muriatischen Eisensäuerling (Alexandersquelle). 1217 wurde im nahen Vissóthale das hereingebrochene Tatarenheer von den Bewohnern überfallen und 15 000 Tataren niedergemacht, zahlreiche Gefangene befreit und reichliche Beute erobert. Seit jener Zeit heißt der nach der Bukowina führende Paß das Tatarenthal (Tatár Völgye), weil von hier die Tataren eingedrungen sind.

Borsabánya (spr. borrschabahnja), s. Borsa.

Borsalbe, Unguentum acidi borici, ist nach dem Deutschen Arzneibuch eine weiße Salbe aus 1 Teile fein gepulverter Borsäure und 9 Teilen Paraffinsalbe, die als desinfizierendes Verbandmittel vielfache Anwendung findet.

Borsari, s. Bornu.

Borsäure, Acidum boricum, Sal sedativum Hombergii, als normale Säure B(OH)3, als Anhydrid B2O5, kommt teils in freiem Zustande, teils in Form von Salzen, wiewohl spärlich verbreitet, in der Natur vor. Im freien Zustande findet sie sich in den Ausströmungen von Dämpfen, welche an einigen Orten der Provinz Toscana teils natürlich aus dem zerklüfteten Kalkgebirge hervorbrechen, teils künstlich durch Bohrungen erschlossen sind, krystallisiert als Sassolin (s. d.), ferner gebunden an Basen im Borax (s. d.), Boronatrocalcit (s. d.), Boracit (s. d.) und in einigen andern Salzen. Die Gewinnung der B. in Toscana erfolgt auf sinnreiche Weise durch die an Ort und Stelle vorhandenen Mittel. ^[Abb] Die Dampfausströmungen oder Soffionen werden künstlich gefaßt, indem man einen dieselben umfassenden Raum mit Mauerwerk aus Bruchsteinen und Cement umgiebt und den so gebildeten Teich (Lagune) mit Wasser bis zu etwa 2 m Höhe füllt. Der mit Gewalt aus der Erde hervorbrechende Dampf durchströmt das Wasser und giebt dabei einen Teil seiner B. an dieses ab. (S. vorstehende Abbildung.) Nach ungefähr 24 Stunden hat das Waner seinen Maximalgehalt von etwa ½ Proz. B. erreicht, es wird dann zum Klären in eine