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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Borysthenes - Böschung

werden in B. durch einfache Destillation Petroleum, Solaröl und blaues Öl gewonnen, und aus letzterm wiederum mineralisches Schmieröl und Paraffin, während der Rückstand, sog. "Goudron", zur Erzeugung von Asphalt dient.

Borysthenes, altgriech. Name des Dnjepr (s. d.).

Bos (lat.), das Rind.

Bos, Hieronymus, niederländ. Maler, s. Bosch.

Bosa, Hafenstadt im Kreis Oristano der ital. Provinz Cagliari, auf der Westseite von Sardinien, rechts am Temo- oder Bosaflusse, unfern seiner Mündung, an der Linie B.-Macomer-Nuoro der Sardin. Nebenbahnen, ist Sitz eines Bischofs, hat ungesundes Klima, (1881) 6696 E., Post, Telegraph, Wein- und Olivenkultur, Korallenfischerei.

Bosancze (spr. -antsche), Grenzort in der Bukowina, s. Suczawa.

Bosau, ehemals Buzu, Dorf im oldenburg. Fürstentum Lübeck, am südöstl. Arme des Plönersees, Bischofssee genannt, hat (1890) 2108 evang. E., und ist eins der ältesten und geschichtlich merkwürdigsten Dörfer des alten Wagriens. Im 10. Jahrh. begann hier schon die Einführung des Christentums. Später schenkte Heinrich der Löwe das Dorf Buzu dem Bischof Vicelin, der als Apostel der Wenden aufs neue das Christentum einführte und 1152 eine prächtige Kirche aus Granitquadern baute. Sein berühmter Schüler Helmold, der Verfasser des "Chronicon Slavorum", war hier Geistlicher. Hier starb auch der Bischof Gerold (1165).

Bosboom-Toussaint, s. Toussaint.

Boscan Almogaver, Juan, span. Dichter, geb. gegen 1493 zu Barcelona, stammte aus einem alten adligen Geschlecht und erhielt eine sorgfältige Erziehung. Er diente einige Zeit als Soldat in den Heeren Ferdinands des Katholischen und kam 1519 nach Granada an den Hof Karls V., dessen Gunst er erwarb. Nach 1520 leitete er die Erziehung des Herzogs von Alba. Später lebte er zu Barcelona und starb im April 1512 zwischen Perpignan und Gerona, wo er sich mit Herzog Alba aufhielt. Durch Andrea Navagiero, einen ital. Gelehrten und Gesandten der Republik Venedig am Hofe Karls V. zu Granada, ward B. 1526 veranlaßt, statt der castilian. Formen den Elfsilbler ital. Art und dessen strophische Bindung zum Sonett, zur Terzine und zur Ottavia rima im Spanischen zu versuchen; letztere führte er mit der anmutigen Schilderung der Höfe der Liebe und der Eifersucht, "Allegoria", ein. Sein Freund Garcilaso schloß sich mit überlegenem Talent dieser Neuerung gleich an, sodaß beide als Begründer der ital. Schule in Spanien zu betrachten sind. In seinem dem Musäus nachgebildeten erzählenden Gedicht "Hero und Leander" bediente sich B. wohl zuerst in Spanien reimloser Verse. Seine Gedichte, herausgegeben u. d. T. "Las obras de Boscan y algunas de Garcilasso de la Vega" (1543) von der Witwe, erlebten im 16. Jahrh. 21 Ausgaben (neue von Knapp, Madr. 1875); 1567 arbeitete sie Sebastian de Cordoba Salzedo ins Geistliche um. Von sonstigen litterar. Arbeiten ist die Übersetzung von Castigliones "Cortegiano" (1533; neueste Ausg., Madr. 1873) erhalten.

Bosch, Ernst, Maler, geb. 28. März 1834 in Krefeld, bildete sich in Wesel beim Historienmaler Scher und studierte 1851-57 auf der Akademie zu Düsseldorf. Seine Bilder beziehen sich auf das Tierleben, Jagd, Waldleben und das Landvolk. Zu nennen sind: Schmuggler im Kahn (1854), Verteidigung eines Blockhauses gegen Indianer (1866), Zigeunerbande im Dorf. Als Illustrator hat er "Hermann und Dorothea", den "Fliegenden Holländer" und Märchen behandelt, später sich jedoch gänzlich dem Porträtfach zugewendet.

Bosch (oder Bos), Hieronymus, eigentlich van Aken, niederländ. Maler, geb. um 1462 zu Herzogenbusch (Bosch), daher später B. genannt, gest. daselbst 1516. Er scheint einen großen Teil seines Lebens in Spanien zugebracht zu haben, wo seine Gemälde sehr gesucht waren. Seine Arbeiten, wie Die Marter der Verdammten in der Hölle, Die Versuchung des heil. Antonius (in der königl. Gemäldegalerie zu Brüssel), sind fast sämtlich Erzeugnisse einer übertriebenen Einbildungskraft, doch sind sie oft in glühender Färbung und mit vielem Humor ausgeführt. Bilder von ihm befinden sich außerdem in Madrid, Wien, Antwerpen. Dem B. schreibt man auch einige radierte Blätter und Holzschnitte zu, welche "Jer. Bosche" und "Bos" bezeichnet sind.

Bosch, Hieronymus de, holländ. Philolog und lat. Dichter, geb. 23. März 1740 zu Amsterdam, war anfangs Apotheker, dann Stadtsekretär in seiner Vaterstadt. Unter König Ludwig, dem Bruder Napoleons, war er Mitstifter des königl. Instituts für Wissenschaft und Künste und wirkte als Kurator der Universität zu Leiden viele Jahre hindurch sehr einflußreich. Er starb 1. Juni 1811 zu Leiden. Seine "Carmina" und "Poemata" erschienen zuerst in Amsterdam (1780: dazu "Appendix", Utr. 1808). Sein Hauptwerk ist die nicht vollendete "Anthologia Graeca" mit der vorher ungedruckten metrischen Übersetzung des Hugo Grotius (4 Bde., Utr. 1795-1810): 5. Bd. von van Lennep, ebd. 1822).

Bosch, Graf Joh. van den, niederländ. Generallieutenant und Staatsminister, geb. 2. Febr. 1780 zu Herwynen bei Bommel in Geldern, ging 1797 als Lieutenant in holländ. Diensten nach Indien, wo er bis zum Obersten aufstieg. Wegen Zwistigkeiten mit dem Generalgouverneur Daendels nahm er 1810 seinen Abschied und kehrte im Nov. 1813 in sein Vaterland zurück. Hier wirkte er für die Wiederherstellung des Hauses Oranien und nahm dann von neuem als Oberst Dienste. Bei der Rückkehr Napoleons 1815 leitete B. die Verteidigung von Mastricht, infolgedessen er zum Generalmajor befördert wurde. Nach dem Frieden entwickelte er eine energische Thätigkeit für die Begründung einer Gesellschaft zur Einrichtung von Armenkolonien, die auch 1818 in großartigem Umfange und mit bedeutenden Mitteln zu stande kam. Er selbst richtete die Kolonie Frederiksoord ein. Nachdem B. 1827 als Generalkommissar wieder nach Indien gesendet worden war, wurde er Ende 1830 zum Generalgouverneur des niederländ. Ostindien ernannt. Als solcher führte er auf Java das sog. Kultursystem ein, welches die Wirtschaft der Niederländer dort lange beherrscht hat und zum Teil noch beherrscht. 1834 kehrte er nach Holland zurück, übernahm das Ministerium der Kolonien, trat 1839 in Ruhestand, wurde in den Grafenstand erhoben und starb 28. Jan. 1844 auf seinem Landgute zu Bois de la Haye.

Böschung heißt die schräge Begrenzung zwischen einer höher und tiefer liegenden Ebene im Gelände, gleichviel ob auf solche Weise Baustellen oder Nutzungsflächen anderer Art gegeneinander abgegrenzt werden. Die einfachste B. ist die Erdböschung, deren Neigung für verschiedene Erdarten verschieden zu wählen ist, da verschiedene Erdarten einen ver-^[folgende Seite]