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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bosquet - Bosse (Abraham)

Reiche, bis die Chazaren und später die Tataren unter mongol. Fürsten sich seiner bemächtigten. - Vgl. Sallet, Beiträge zur Geschichte und Numismatik der Könige des Cimmerischen B. (Berl. 1866).

Bosquet (frz., spr. -keh), s. Boskett.

Bosquet (spr. -keh), Pierre François Joseph, franz. Marschall, geb. 8. Nov. 1810 zu Mont-de-Marsan im Depart. Landes, trat 1829 in die Polytechnische Schule zu Paris, 1831 in die Artillerieschule zu Metz und wurde 1833 Unterlieutenant in einem Artillerieregiment. Seit 1834 diente er in Algerien, wurde 1839 Kapitän, 1842 Bataillonschef bei den Tirailleurs indigènes zu Oran, an deren Spitze er im Mai 1843 eine sehr erfolgreiche Razzia gegen die Flittas ausführte, 1845 Oberstlieutenant, 1847 Oberst eines Linienregiments und übernahm das Kommando der Subdivision zu Orléansville. Die Republik ernannte ihn im Aug. 1848 zum Brigadegeneral und verlieh ihm das Kommando zu Mostaganem. Mit großer Auszeichnung beteiligte sich B. 1851 an dem Feldzuge gegen die Kabylen. Gegen Ende 1853 kehrte er als Divisionsgeneral nach Frankreich zurück. 1854 erhielt B. das Kommando der 2. Infanteriedivision in der Orientarmee, führte diese von Gallipoli nach Varna und Schumla und berichtete über den Zustand des türk. Heers infolge besondern Auftrags. In der Schlacht an der Alma (20. Sept. 1854) entschied er durch seine Bewegungen den Erfolg des Tags. Die 1. und 2. Division wurden hierauf zu einem Observationskorps vereinigt, mit dem B. die Belagerung von Sewastopol gegen die aus dem Innern der Krim andringende russ. Armee zu decken hatte. Seine geschickten Dispositionen trugen wesentlich zum Siege der Verbündeten in der Schlacht von Inkerman (5. Nov. 1854) bei, indem er den von Übermacht bedrängten Engländern rechtzeitig Unterstützung brachte. Seit 1855 Befehlshaber des 2. Korps der Orientarmee, zeichnete sich B. bei der Belagerung von Sewastopol in den Angriffen auf den Mamelon vert und den Malakow hervorragend aus; aber infolge einer 8. Sept. erhaltenen Verwundung war er genötigt, nach Frankreich zurückzukehren. Am 9. Febr. 1856 ward er Senator, 18. März desselben Jahres Marschall. 1858 erhielt er das Kommando des Südwestens (Toulouse) von Frankreich. Doch konnte B. infolge seiner Verwundung nicht mehr aktiv auftreten, sondern verfiel in ein langes Siechtum, dem er 3. Febr. 1861 erlag. - Vgl. Lettres du maréchal B. à ses amis, 1837-60 (Pau 1879).

Bosra ist ein semit. Ortsname, der Festung bedeutet. Im Alten Testament (Luther: Bazra und Bozra) heißt so die Hauptstadt Edoms (s. d.), die aber gewöhnlich Sela oder Petra (s. d.) genannt wird. Nur Jerem. 48,24 findet sich ein B. in Moab. Ein anderes B. (grch. und lat. Bostra) kennt man durch Inschriften aus dem Anfang unserer Zeitrechnung; es ist das heutige Busra, eine großartige Ruinenstadt im asiat.-türk. Wilajet Damaskus (Syrien), in der ostjord. Landschaft Hauran, etwa 120 km im S. von Damaskus, am südwestl. Fuße des Dschebel-Hauran (Alsadamus Mons in Auranitis), nach einigen Forschern identisch mit Astarot, das zu Josuas Zeit die Hauptstadt des Königs Og von Basan, dann eine Levitenstadt im Stamme Manasse war. Wahrscheinlicher ist, daß die Stadt als ein Hauptsitz des Kultus der Astarte (s. d.) Bet-Aschera hieß, woraus der Name B. entstand. Sie war längst zerfallen, als ein im 1. Jahrh. v. Chr. aus Südarabien ausgewandertes sabäisches Volk aus dem Stamme der Himjariten in Hauran das Reich der Selihiden gründete. Später fiel die Stadt in den Besitz der Römer. An den Wiederaufbau von B. 105 n. Chr. unter Kaiser Trajan, dem zu Ehren diese Hauptstadt der röm. Provinz Arabia sich Nova Trajana Bosta nannte, knüpft sich der Aufschwung der Kultur von ganz Hauran und die Bostrenische Ära, nach welcher in den Städten Peräas lange Zeit gerechnet wurde. Unter Kaiser Alexander Severus (222-235) wurde B. röm. Militärkolonie, unter Philippus Arabs (244-249) Bischofssitz mit dem Titel Metropolis. Auf dem Arabischen Konzil zu B. wurde 244 der dortige Bischof Beryllus durch Origenes von seiner ketzerischen Ansicht zurückgebracht. Später war B. Sitz eines Erzbistums. B. ist die natürliche Hauptstadt Haurans, zugleich der Getreidespeicher und die große Marktstätte für die Syrische Wüste, das Arabische Hochland und Peräa. Seine langen Reihen steinerner Buden legen noch jetzt in der Verödung von der frühern Größe und Blüte Zeugnis ab. Die Wichtigkeit des Ortes erkannten die Ejubiden-Sultane seit Saladin, als sie die noch vorhandene Citadelle, die stärkste in ganz Syrien, bauten, sowie die Kreuzfahrer, die unter Balduin III. 1147 und Balduin IV. 1182 große Anstrengungen machten, um in Besitz von B. (von ihnen Bostrum oder Bussereth genannt) zu kommen.

Bossage (frz., spr. -ahsch'), s. Bossenwerk.

Bosscha (spr. boß-cha), Johannes, holländ. Physiker, geb. 18. Nov. 1831 zu Breda, studierte in Deventer und Leiden Naturwissenschaften, wurde 1857 Assistent am naturwissenschaftlichen Kabinett in Leiden, 1860 Lehrer an der Militärakademie zu Breda, 1863 Schulinspektor, 1872 Lehrer an der Polytechnischen Schule in Delft und 1878 Direktor dieser Anstalt. Seine in holländ. Sprache erschienenen Abhandlungen sind auch in Poggendorffs "Annalen" in deutscher Übersetzung veröffentlicht; sie betreffen: die Ermittelung der Schallgeschwindigkeit auf kurze Strecken, den Ausdehnungskoefficienten des Quecksilbers, die Ursache der galvanischen Polarisation, das Wärmeäquivalent, die Messung der elektromotorischen Kraft im allgemeinen sowie des Daniellschen Elements, die Wärmeentwicklung des galvanischen Stroms und endlich die mechan. Theorie der Elektrolyse. Groß sind seine Verdienste auch in der Telegraphie; schon 1855 wies er die Möglichkeit des gleichzeitigen Gegensprechens und Doppelsprechens auf demselben Draht nach und konstruierte entsprechende Apparate.

Bosse oder Rondebosse nennt man, im Gegensatz zu den auf einer wirklichen oder gedachten Unterlage dargestellten halberhabenen Figuren, die Ausführung von Figuren in runder, von allen Seiten freier Form, als Büsten, Statuen u. s. w. Das Wort B. ist zwar im 16. Jahrh. als Fremdwort (ital. bozza) ins Deutsche eingeführt worden, gehört etymologisch aber zu dem altdeutschen Worte pôzan, bôzen (got. bautan), das Schlagen bedeutet.

Bosse, älteres Hohlmaß im schweiz. Kanton Neuenburg, bei Kalk 300 l, bei Wein 914 l.

Bosse (spr. boss'), Abraham, franz. Kupferstecher und Radierer, geb. 1611 zu Tours, gest. daselbst 1678; seine zahlreichen Blätter sind namentlich kulturgeschichtlich interessant. B. schrieb: "Traité des manières de graver sur l'airain par le moyen des eaux-fortes" (Par. 1645; deutsch, Nürnb. 1652 u. ö.) und Abhandlungen über Perspektive und Geometrie.