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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Boston

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Boston (Gesellschaftsspiel) - Boston (Stadt)

Boston, ein Gesellschaftsspiel, das unter vier Personen mit der vollständigen franz. Karte gespielt wird. Jeder Teilnehmer empfängt in zwei Würfen 13 Blätter, und die Vorhand bestimmt aus einem vorgemischten zweiten Spiele durch Abheben und Aufschlagen des untersten Blattes die «beste» oder à-tout-Farbe. Die ihr verwandte, z. B. Coeur, wenn Carreau aufgeschlagen wurde, heißt die «gute», die ihr entgegengesetzte, also in diesem Falle Pique und Trefle, die «schlechte» Farbe. Wer das Spiel behält, verpflichtet sich durch «Ansagen», entweder gar keinen Stich zu machen (Misère in verschiedenen Arten, darunter Revolution, wo die Gegner ihre Karten aufdecken und sich offen untereinander beraten), oder bald allein (Solo), bald unter Ausrufung eines Beistandes (Whist) möglichst viele Stiche zu machen. Zum Gewinnen sind hier wenigstens 5 Stiche (Boston) erforderlich; 6 Stiche heißen Grand-Boston, 7 Indépendance, 8 Grand-Indépendance, 9 Philadelphia, 10 Grand-Philadelphia, 11 Souveraine, 12 Grand-Souveraine, 13 Concordia. Das von der Vorhand angesagte niedrigere Spiel kann durch den zur Linken folgenden Teilnehmer mittels Erbieten zu einem höhern übernommen werden. Die einzelnen Karten haben dieselbe Geltung wie bei dem Whist, wie denn überhaupt der innere Gang des B. diesem ähnelt. Gewinn und Verlust berechnen sich nach der Art der gewählten Tour, desgleichen, wenn nicht Misère gespielt wurde, nach der Farbe. Wegen der vielen hierbei zu beobachtenden Vorschriften hat man eigene Tabellen der für jede Spielart zu fordernden Zahl von Marken (fiches). Das Spiel stammt ans Nordamerika, bezieht sich auf den Freiheitskrieg der Nordamerikaner gegen England und führt seinen Namen nach der Stadt B., dem Wohnorte Franklins. Als Franklin nach Frankreich kam und hier das Interesse an der amerik. Revolution rege ward, fand auch das amerik. Spiel Eingang, dessen Kunstausdrücke sich auf jene Begebenheit beziehen.

Boston (spr. boßt'n), Municipalstadt, Parlamentsborough und Seehafen in der engl. Grafschaft Lincoln, an beiden Ufern des von einer eisernen Brücke überspannten Witham, dessen nahe Mündung in den Washbusen einen sichern, nur durch die sog. Boston-Untiefe behinderten Hafen bildet, hat (1881) 14932 E., eine St. Botolphskirche (die größte flügellose Kirche Englands mit 91 m hohem Turme), eine Lateinschule, Freischule, Handwerkerinstitut, Bibliothek, Theater, Markthalle, Schiffswerfte, Fabrikation von Segeltuch, landwirtschaftlichen Geräten und Leder, Eisen- und Messingwerke, Brauereien und sehr bedeutende Viehmärkte. B., an der Stelle des 870 von den Dänen zerstörten Klosters des heil. Botolph entstanden, hat gegen früher an Bedeutung verloren.

Boston (spr. boßt'n), Hauptstadt des nordamerik. Staates Massachusetts und des County Suffolk, liegt unter 42°21'5” nördl. Br. und 71° 4' westlich non Greenwich, an der Mündung des Charles-River in die Boston- oder Massachusettsbai des Atlantischen Oceans und hat (1890) 448477 E.

Anlage, Straßen, Denkmäler. B. bedeckt eine Fläche von 9564 ha. und besteht aus mehrern verschiedenartigen Teilen. Der älteste und größte Teil auf einer Halbinsel südlich des Flusses ist Geschäftsstadt mit zum Teil engen und gewundenen Straßen und macht in seiner Bauart mehr den Eindruck einer europ. Großstadt als einer jungen amerik. Schöpfung. Die Hauptverkehrsstraßen sind Harrison-Avenue, Washington-Street und Shawmutt-Avenue; ein Brennpunkt des Getriebes ist Haymarket-Place. In der Mitte der Stadt liegt das Common, ein großer mit Denkmälern geschmückter Part; daneben ein öffentlicher Garten mit Teich und dem Washington-Denkmal; von hier aus durchzieht zwischen Anlagen die breite Commonwealth-Avenue das vornehme Viertel West-Bostons. Im SW. des eigentlichen B. schließt sich Highland, früher Roxbury, mit dem Back Bay-Park, im SO. South-Boston, das alte Dorchester-Neck an, das durch die vielfach überbrückte South-Bay getrennt wird. Auf dem linken Ufer des Charles-River liegt Charlestown mit der großen Kriegswerft der Union, einem Trockendock von 164 m Länge und dem 67 m hohen Granitobelisken zum Andenken an das Treffen am Bunkershill. Dem alten B. gegenüber liegt, durch Dampffähren erreichbar, East-Boston. Thatsächlich zu B. gehörig sind die Städte Cambridge (s. d.) und Chelsea (s. d.), ersteres am linken Ufer des Charles-River, oberhalb Charlestown, letzteres zwischen Mystic- und Chelsea-River im innersten Winkel der Bai. Außerdem sind rings um B. zahlreiche Vorstädte (wie Brookline mit 12103, Sommerville mit 40152 E.) erstanden, deren Einverleibung nur eine Frage der Zeit sein kann. Groß-Boston hat in diesem Sinne 598669 E. Der Hafen hat an dem engen Eingänge viele Untiefen, ist aber durch zahlreiche zum Teil befestigte Inseln vor Winden geschützt, bietet 500 großen Schiffen hinreichend Platz und ist mit Lagerhäusern, Werften und Docks aller Art ausgestattet.

Gebäude. Die Stadt hat etwa 150 Kirchen und 4 Theater. Das 1804 gegründete Athenäum besitzt eine Gemälde- und Skulpturengalerie und eine Bibliothek. Die Faneuil-Halle, Geschenk von Peter Faneuil, einem Hugenotten, wurde, weil schon während der Revolutionszeit zu öffentlichen Versammlungen benutzt, «die Wiege der amerik. Freiheit» genannt. Die Musikhalle besitzt eine prachtvolle Orgel und eine Statue Beethovens. Ferner sind zu nennen das Staatshaus von Massachusetts mit seiner goldenen Kuppel, das Stadthaus, Zollhaus, Tremont-Hotel, die Börse, Post, die Hallen der Freimaurer und Odd-Fellows, der Quincy-Markt, das Massachusetts- und Stadthospital, das Museum der schönen Künste und der Society of Natural History.

Bildungswesen. Unter den höhern Bildungsanstalten sind hervorzuheben die 1869 von J. Rich mit 2 Mill. Doll. gestiftete Rich-Universität, das 1861 gegründete technolog. Boylston-Institut und das 1863 von den Jesuiten organisierte Boston-College. Auch die bedeutendste Bildungsanstalt der Union, die Harvard University in Cambridge (s. d.), ist hier zu nennen. Der Buchhandel ist bedeutend; einige der wissenschaftlichen Zeitschriften sind von Einfluß, die Zeitungen, zum Teil von überaus starker Verbreitung, haben nur lokale Bedeutung. B., auch Sitz vieler wissenschaftlicher Gesellschaften, hat von jeher viel für Bildungs- und Erziehungszwecke gethan (über 400 Schulen) und wird zuweilen «das amerik. Athen» genannt. Das Lowell-Institut zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse, namentlich durch Vorlesungen wurde 1836 durch J. Lowell gestiftet. Die Stadtbibliothek (Public Library) mit 556283 Bänden ist eine der besten Bibliotheken der Vereinigten Staaten. Unter den wohlthätigen Anstalten sind die Howeschen Blinden- und Taubstummeninstitute besonders hervorragend.