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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Boettcher; Böttcher; Böttchertanz; Bottega; Bottelier; Botten; Botten-Hafvet; Bottesīni; Böttger; Böttger-Porzellan

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Boettcher (Friedrich) - Böttger-Porzellan

fältigt, sind: Abend am Rhein (1860), Sommernacht am Rhein (1862; im Richartz-Wallraf-Museum zu Köln), Abend im Schwarzwald (1863; Museum zu Leipzig), Auszug zur Weinlese (1866), Heimkehr vom Felde (1872), Sonntag am Rhein (1875). B. starb als Professor 15. Juni 1889 in Düsseldorf.

Boettcher, Friedrich, liberaler Politiker, geb. 13. Febr. 1842 zu Mengeringhausen im Fürstentum Waldeck, studierte 1861‒65 in Jena, Leipzig, Freiburg und Berlin Philosophie, Staatswissenschaften und Geschichte, widmete sich dann der Journalistik und war als Redacteur nationalliberaler Blätter in Mecklenburg, Leipzig, Baden, Straßburg und Berlin thätig. Seit 1874 giebt er die «Nationalliberale Korrespondenz», das offizielle Parteiblatt der Nationalliberalen, heraus. 1879‒87 lebte B. in Freiburg i. Br., dann mehrere Jahre in Florenz, gegenwärtig m Berlin. Seit 1878 ist er Mitglied des Deutschen Reichstags als Vertreter des Fürstentums Waldeck. Er veröffentlichte: «Das Staatsrecht des Fürstentums Waldeck» (in Marquardsens «Handbuch des öffentlichen Rechts», Freib. i. Br. 1864), «Eduard Stephani, ein Beitrag zur Geschichte der nationalliberalen Partei» (Lpz. 1887) und den social-polit. Roman «Ora et labora» (ebd. 1889).

Böttcher, Joh. Friedr., s. Böttger.

Böttchertanz, s. Schäfflertanz.

Bottega (ital.), Kramladen, Bude; Kaffeehaus, auch Keller; der für Produktionen von Gauklern u. dgl. abgegrenzte Raum.

Bottelier heißt der seemännische Unteroffizier, dem die Ausgabe des Proviants an den Schiffskoch und die Backschaften (s. Back) sowie die Verteilung der Schnapsration an die Mannschaft nach schwerer Arbeit oder schlechtem Wetter obliegt. Bottlerei ist der Schiffsraum, in dem der B. diese Vorräte austeilt.

Botten, eine Vorarbeit bei der Flachsspinnerei (s. d.).

Botten, Name der Küsten rund um den nördl. Bottnischen Meerbusen, und zwar Öster-Botten auf der finn. und Wester-Botten auf der schwed. Seite; letzteres wird in die Provinzen Westerbottens- und Norrbottens-Län (s. d.) geteilt.

Botten-Hafvet und Botten-Viken, s. Bottnischer Meerbusen.

Bottesīni, Giovanni, ital. Musiker, geb. 24. Dez. 1823 zu Crema (Lombardei), Schüler des Mailänder Konservatoriums, gehört zu den berühmtesten Virtuosen des Kontrabasses und unter die wenigen, die dieses Instrument öffentlich zum Solospiel benutzten. Seit 1846 wirkte B. jahrzehntelang als Kapellmeister an verschiedenen Theatern in Italien wie im Ausland und starb 7. Juli 1889 in Parma. Seine zahlreichen Opern blieben ohne Erfolg.

Böttger, Adolf, Dichter und Übersetzer, geb. 21. Mai 1815 zu Leipzig, studierte seit 1836 daselbst Philologie, vorzüglich die neuern Sprachen, privatisierte in Leipzig und starb 16. Nov. 1870 in dem Vorort Gohlis. B. debütierte mit gelungenen Übertragungen engl. Dichter, deren vorzüglichste die von Byrons «Sämtlichen Werken» (Lpz. 1840) war. In den eigenen Dichtungen B.s ist der Einfluß engl. Vorbilder nicht zu verkennen. An Byrons Art und Weise klingen an «Habana» (1853), «Düstere Sterne» (1852), der «Fall von Babylon» (1855) und «Kameen» (1856; 2. Aufl. 1861). Eine zweite Gruppe von B.s Dichtungen erinnert an die Märchenpoesie des «Sommernachtstraums»; «Ein Frühlingsmärchen» (1849; 3. Aufl. 1850) und «Die Pilgerfahrt der Blumengeister» (Text zu Granvilles «Fleurs animées», 1851; 3. Aufl. 1857) stehen hier obenan. Sonst sind etwa noch zu nennen: «Gedichte» (1846; 7. Aufl. 1850), «Das Buch der Sachsen» (1858), ein satir.-komisches Epos, das die Geschichte der ehemaligen sächs. Kurlande in Romanzen behandelt, «Das Galgenmännchen» (1870), eine phantastische, faustartige Märchendichtung. B.s Drama «Agnes Bernauer» (Lpz. 1845; 3. Aufl. 1850) fand keinen dauernden Bühnenerfolg. B. beherrschte die Form vortrefflich, aber seine glatte, anmutige Leichtigkeit ist ohne tiefere Gedanken. B.s «Gesammelte Werke» erschienen (6 Bde.) Lpz. 1865‒66. – Vgl. Gottschall, A. B. (in «Unsere Zeit», 1871, Ⅰ). ^[Spaltenwechsel]

Böttger, Böttcher oder Böttiger, Joh. Friedr., der Erfinder des Meißener Porzellans, geb. 4. Febr. 1682 zu Schleiz im reuß. Vogtlande, kam als Lehrling in die Zornsche Apotheke zu Berlin, wo er 1701 infolge alchimist. Versuche in Gefahr geriet, als Adept verhaftet zu werden. Er begab sich daher nach Dresden. Hier errichtete ihm der Fürst Egon von Fürstenberg zum Zwecke des Goldmachens ein Laboratorium in seinem Palais. Als jedoch B.s Arbeiten ohne Erfolg blieben, versuchte er im Sommer 1704 nach Wien zu entfliehen, wurde aber zurückgebracht und gezwungen, seine alchimist. Geheimnisse schriftlich zu offenbaren. Infolgedessen übergab B. endlich im Herbst 1705 dem König August Ⅱ. einen weitläufigen Aufsatz, dessen eigenhändige Urschrift in den Archivakten noch aufbewahrt wird, voll mystischen Unsinns. Auf Veranlassung des Grafen von Tschirnhausen wurde hierauf eine Fabrik errichtet, um die im Lande tot und unbrauchbar liegenden Gesteine und Erden zu nützlichen Dingen, z. B. Verfertigung von Porzellan, Borax u. s. w., zu verwenden, und B.s Geschicklichkeit dabei in Anspruch genommen. Die Unternehmung gelang, und B. brachte aus einem braunroten Thone der Meißener Gegend ein Porzellan zu stande, welches das bereits von Tschirnhausen selbst verfertigte an Dauer und Schönheit weit übertraf. B. ward nun mit Geschenken überhäuft, jedoch nicht auf freiem Fuß gelassen, weil man die Anfertigung des Porzellans als Geheimnis behandelt wissen wollte. Als 1706 die Schweden in Sachsen einfielen, wurde B. nebst drei Gehilfen heimlich nach dem Königstein, 1707 wieder nach Dresden gebracht. Nach dem Tode des Grafen Tschirnhausen übernahm er 1708 die Aufsicht und Leitung des Porzellanmachens und ward zuletzt Administrator der Porzellanfabrik. Zu Ostern 1709 konnte zum erstenmal auf der Leipziger Messe glasiertes und unglasiertes (auch etwas weißes) Porzellan aus B.s Fabrik zum Verkauf ausgestellt werden. 1710 richtete man die Albrechtsburg zu Meißen zu einer großen Porzellanfabrik ein und außerdem wurde Michaelis 1711 eine besondere Werkstatt für das weiße Porzellan, das bisher noch sehr selten war, gegründet. B. ließ sich indes 1716 und 1717 mit Männern in Berlin wegen Mitteilung seiner Künste für Geld in eine Korrespondenz ein, die aber 1719 entdeckt wurde und seine Verurteilung zur Folge hatte. Er starb 13. März 1719 in Dresden. Ein Denkmal (Bronzebüste) wurde ihm 1892 in Meißen errichtet. – Vgl. Engelhardt, Joh. Friedrich B., Erfinder des sächs. Porzellans (Lpz. 1837).

Böttger-Porzellan, das schöne braunrote Steinzeug, welches J. F. Böttger (s. d.) anfänglich in Meißen fabrizierte. Es ist meist in Formen gehalten,