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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Böttiger (Joh. Friedr.) - Botwinja

den die Akademie ausgesetzt hatte, und ward 1847 von dieser zum Mitgliede aufgenommen. B.s lyrische Dichtungen, von denen die meisten sich auch in "Samlade Skrifter" (6 Bde., Stockh. 1856-81) finden, sind anmutig und gefühlvoll; in der technischen Behandlung der Sprache ist er Meister. Einige von seinen Gesängen sind mit Melodien von Geijer, Lindblad u. a. sehr bekannt geworden. Als Dramatiker hat er sich in "En Majdag i Wärend" versucht. Seine wissenschaftlichen Studien und Arbeiten erstreckten sich vorzugsweise auf vergleichende Sprachwissenschaft, insbesondere auf die ital. Sprache und Litteratur sowie auf die rhätoroman. Mundarten. Das Studium der ital. Dichter, von denen er Tassos "Befreites Jerusalem" (1842-51) und Dantes "Göttliche Komödie" in ausgewählten Stücken (1846-51) ins Schwedische übertrug, blieb auf die Form seiner Poesien nicht ohne Einfluß. Von seinen übrigen Schriften sind eine Gedächtnisrede auf Prinz Gustav (2. Aufl. 1852), litterarhistor. Monographien in den Schriften der schwed. Akademie und die Biographie seines Schwiegervaters E. Tegnér (1847, auch deutsch) zu erwähnen, letztere als Einleitung der von B. veranstalteten Gesamtausgabe der Werke Tegnérs. Eine Auswahl von B.s Gedichten erschien deutsch zu Stockholm 1844.

Böttiger, Joh. Friedr., s. Böttger.

Böttiger, Karl Aug., Archäolog, geb. 8. Juni 1760 zu Reichenbach im sächs. Vogtlande, widmete sich zu Leipzig philol. Studien, lebte hierauf seit 1781 als Hauslehrer zu Dresden, ward 1784 Rektor zu Guben, 1790 in Bautzen und im Okt. 1791 Direktor des Gymnasiums zu Weimar, wo er namentlich in nähere Beziehungen zu Wieland trat. 1804 folgte B. einem Rufe als Studiendirektor der kurfürstl. Pagen nach Dresden, wo er 1814 zum Studiendirektor bei der königl. Ritterakademie befördert und ihm zugleich die Oberinspektion über das Museum der Antiken und die Mengsschen Gipsabgüsse übertragen ward. 1821 ward er zwar seiner Stelle als Studiendirektor entbunden, verblieb aber im Genusse seines vollen Gehalts. 1832 wurde er Mitglied des französischen Instituts und starb 17. Nov. 1835 in Dresden. In Weimar veröffentlichte B. eine Reihe wissenschaftlicher Arbeiten, darunter eins seiner Hauptwerke: "Sabina oder Morgenscenen im Putzzimmer einer reichen Römerin" (Lpz. 1803; 3. Aufl., bearbeitet von K. Fischer, M.-Gladbach 1878) und "Griech. Vasengemälde" (Heft 1-3, Weim. u. Magdeb. 1797-1800), redigierte 1795-1803 das "Journal des Luxus und der Moden" unter Bertuchs Namen, war daneben 1797-1809 fast der alleinige Herausgeber des "Deutschen Merkur", zu dem Wieland nur den Namen lieh, und gab auch 6 Jahre lang das Journal "London und Paris" ganz allein heraus. Ferner veröffentlichte er: "Die Aldobrandinische Hochzeit" (Lpz. 1810), "Ideen zur Archäologie der Malerei" (Tl. 1, Dresd. 1811), "Kunstmythologie" (ebd. 1811), "Vorlesungen und Aufsätze zur Altertumskunde" (Altenb.u. Lpz. 1817), "Amalthea oder Museum der Kunstmythologie" (3 Bde., Lpz. 1821-25) und "Ideen zur Kunstmythologie" (Bd. 1, Dresd. u. Lpz. 1826; Bd. 2, bearbeitet von Sillig, 1836). Seine zahlreichen Gelegenheitsschriften und zerstreuten Aufsätze wurden von Sillig in "Opuscula et carmina latina" (Dresd. 1837) und "Kleine Schriften archäol. und antiquarischen Inhalts" (3 Bde., ebd. 1837-38) zusammengestellt. Aus B.s Nachlaß gab sein Sohn Karl Wilhelm B. "Litterarische Zustände und Zeitgenossen" (2 Bde., Lpz. 1838) heraus und schrieb: "K. A. B., eine biogr. Skizze" (ebd. 1837). B.s brieflicher Nachlaß ist auf der Dresdener Bibliothek.

Böttiger, Karl Wilh., Geschichtschreiber, Sohn des vorigen, geb. 15. Aug. 1790 zu Bautzen, studierte in Leipzig Theologie und Philologie, in Göttingen Geschichte und habilitierte sich 1817 zu Leipzig, wo er 1819 eine außerord. Professur der Geschichte erhielt. Seine Habilitationsschrift über "Heinrich den Löwen" gab er 1819 als ausführlichere Biographie heraus. 1821 ging B. als ord. Professor nach Erlangen, wo er 1822 auch zweiter Universitätsbibliothekar wurde und 26. Nov. 1862 starb. B.s ausgedehnte litterar. Thätigkeit war mehr auf gemeinverständliche Geschichtsdarstellung als auf eigentliche Forschung gerichtet; am verbreitetsten war seine "Allgemeine Geschichte für Schule und Haus" (1824; 12. Aufl., Frankf. 1856). Für Heerens und Ukerts "Geschichte der europ. Staaten" schrieb er eine schwache "Geschichte des Kurstaats und Königreichs Sachsen" (2 Bde., Hamb. 1830-31, 2. Aufl. hg. von Flathe, 3 Bde., Gotha 1867-73).

Bottine (frz.), Halbstiefel.

Bottlerei, s. Bottelier.

Bottnischer Meerbusen, der nördl. Teil der Ostsee im N. der Ålandsinseln, im W. durch Schweden, im O. durch Finland begrenzt, breitet sich etwa von 60 bis 66° nördl. Br. aus, ist 675 km lang, 150-240 km breit und im W. tiefer als im O. Im Öregrundsund oder Südquarken finden sich Tiefen bis 300 m, der nördl. Teil ist seichter und selten unter 100 m tief, die größte bekannte Tiefe der eigentlichen Bottnischen See beträgt 271 m. An seinen Gestaden und in seinem Innern befinden sich viele kleine Inseln, Sandbänke, Felsen und Klippen, Skären genannt, wodurch die Schiffahrt auf demselben und besonders an seinem Eingange aus der Ostsee gefährlich wird. Der nördliche, kleinere und schmalere Teil des Meerbusens wird von den Anwohnern Botten-Viken, der südl. Botten-Hafvet genannt. Beide sind durch die schmale 75 km breite Quarkenstraße zwischen den Orten Umeå und Nikolaistad verbunden. Die vielen Gewässer aus Schweden und Finland bewirken die Aussüßung des Wassers des B. M., namentlich gegen N. (auch in bedeutenden Tiefen nicht über 0,75 Proz. Salzgehalt). Im Winter friert er mitunter zu, sodaß man aus Schweden nach Finland auf Schlitten fahren kann. (S. Ålandsinseln.) Seit Jahrhunderten ist das Wasser an den Küsten im Rückgang begriffen; die allmähliche Hebung des Bodens ist auf etwa 1,4 bis 1,6 m in 100 Jahren berechnet. Infolgedessen verseichten die Buchten und die Hafenorte müssen weiter ins Meer vorrücken. So befindet sich Björneborg bereits an der dritten Stelle.

Bottola, ital. Name des Flußgründlings (s. d.).

Bottrop, Gemeinde im Kreis Recklinghausen des Reg.-Bez. Münster, an den Linien Wanne-Sterkrade, B.-Frintrop (4,10 km, Nebenbahn, nur für Güterverkehr), Osterfeld-Rheine-Quakenbrück der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 13 520 E., darunter 817 Evangelische, Post, Telegraph, Amtsgericht (Landgericht Münster i. W.), eine Rektoratsschule, ein Krankenhaus; eine Steinkohlenzeche "Prosper II", eine Pulverfabrik, ein Dampfsägewerk und bedeutende Viehmärkte.

Botulismus, s. Wurstgift.

Botwinja, in Rußland gebräuchliche kalte Suppe aus gekochten und feingehackten Spinat-, Rüben-^[folgende Seite]