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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bouguer - Bouillier

Bouguer (spr. bugeh), Pierre, franz. Geometer und Astronom, geb. 16. Febr. 1698 zu Croisic in der Bretagne, studierte im Jesuitenkollegium zu Vannes und wurde 1735 von der franz. Regierung mit Godin und La Condamine nach Peru gesendet, um einen Meridiangrad zu messen. Er starb 15. Aug. 1758 zu Paris. B.s und seiner Gefährten Forschungen finden sich in dem von ihm mit La Condamine herausgegebenen Prachtwerke "La figure de la terre" (Par. 1749). Infolge seiner Untersuchungen über die Intensität des Lichts wurde er der Gründer der Photometrie. Dargestellt sind diese Untersuchungen in dem "Essai d'optique sur la gradation de la lumière" (Par. 1729), noch ausführlicher in dem "Traité d'optique sur la gradation de la lumière", der erst nach seinem Tode von Lacaille (ebd. 1760) herausgegeben wurde. Auch erfand er 1748 das Heliometer. Ferner schrieb er "Traité de navigation" (ebd. 1753), den Lacaille in der zweiten (1769) und Lalande in der dritten Ausgabe (1792) mit vielen Zusätzen bereicherte. Über die Abweichung des Bleilots durch die Anziehung der Berge, sowie über die Höhe der Schneegrenze stellte er die ersten Beobachtungen in der Nähe des Chimborazo an.

Bouguereau (spr. bug'roh), William Adolphe, franz. Maler, geb. 30. Nov. 1825 in La Rochelle, Schüler von Picot, erhielt 1850 für sein Gemälde: Die Auffindung der Zenobia, den großen Preis für Italien, wo er nach der Natur und der Antike studierte. 1855 nach Paris zurückgekehrt, schloß er sich der antikisierenden Schule Picots mit einer Reihe mytholog. Bilder an. Außerdem behandelte B. mit Vorliebe Genrestücke idyllischen Charakters, in welchen dasselbe Streben nach idealer Auffassung und gefälliger, aber meist allzu glatter, streng akademischer Darstellung wie bei den mytholog. Bildern hervortritt. B.s Arbeiten, zum Teil von Annedouche und Thirion gestochen, sind äußerst zahlreich. Sinnlichkeit und Eleganz der Darstellung sind ihre hervorstechendsten Merkmale. Sie finden sich am charakteristischsten in seinem Hauptwerke, der Geburt der Venus (1879; im Luxembourg), vereinigt; ferner sind zu nennen: Napoleon III. besichtigt die Überschwemmung in Tarascon, Juni 1856 (1857; Museum zu Marseille; Medaille erster Klasse), Aurora (1880), Abenddämmerung (1882), Nacht und Alma parens (1883), Amor als Sieger (1887), Die erste Trauer (1888), Opfer an Amor (1893). Von religiösen Gemälden schuf er die Wandbilder in der Kirche Ste. Clotilde und St. Augustin zu Paris, sowie die Staffeleibilder: Madonna mit dem Kinde und dem heil. Johannes (1875), die Pietà, die Madonna des Trostes (1877; im Luxembourg), Begräbnis der heil. Cäcilie in den Katakomben Roms (ebendaselbst), die heiligen Frauen am Grabe Christi (1891), denen jedoch eine tiefere religiöse Empfindung mangelt. Auch als Porträtmaler fand er großen Beifall.

Bouilhet (spr. bŭjeh), Louis, franz. Dichter, geb. 27. Mai 1822 zu Cany (Seine-Inférieure), studierte Medizin, gab aber diesen Beruf auf, um seiner Neigung zur Dichtkunst folgen zu können, ging 1854 nach Paris und starb 19. Juli 1869 in Rouen. Er gründete seinen Ruf als lyrischer Dichter durch zwei Dichtungen, die zuerst in der "Revue de Paris" und später in besondern Abdrücken schienen. Das erste war "Meloenis, conte romain", ein anmutiges Sittengemälde aus dem röm. Leben zur Zeit des Commodus, dem "Les fossiles", eine Reihe vorsintflutlicher Naturschilderungen, folgten. Außerdem hat man von ihm eine Sammlung kleinerer Gedichte: "Poésies. Festons et astragales" (1859). Sein 1856 auf dem Odéontheater aufgeführtes Drama "Madame de Montarcy" erntete lebhaften Beifall, weil es die seit langer Zeit von der franz. Bühne abhanden gekommene metrische Form in glänzender Weise wieder aufleben ließ. Noch mehr Anklang fanden die Dramen "Hélène Peyron" (1858) und "La conjuration d'Amboise" (1866). Dagegen waren sein Lustspiel "L'oncle Million" (1861) und seine Dramen "Dolorès" (1862) und "Faustine" (1864, in Prosa) ohne Erfolg. Nach seinem Tode erschienen "Dernières chansons" (1872; neueste Aufl. 1881). - Vgl. Angot, L. B. (Par. 1885); de la Ville de Mirmont, L. B. (ebd. 1888).

Bouille (frz., spr. buj), der Zollstempel auf Wollwaren.

Bouillé (spr. bŭjeh), François Claude Amour, Marquis von, franz. General, geb. 19. Nov. 1739 auf dem Schlosse von Cluzel in der Auvergne, wurde mit 14 Jahren Soldat und erhielt im Alter von 16 Jahren eine Dragonercompagnie, mit der er sich in Deutschland im Siebenjährigen Kriege mehrfach hervorthat; er wurde infolgedessen zum Oberst befördert. Nachdem B. 1768-71 Gouverneur von Guadeloupe gewesen war, wurde er 1777 Generalgouverneur von Martinique und Ste. Lucie, in welcher Stellung er sich durch eine Menge hervorragender, glücklich durchgeführter, kühner Unternehmungen auszeichnete. B. wurde zum Mitglied der Notabelnversammlungen von 1787 und 1788 ernannt, 1790 Oberbefehlshaber der Maas-, Saar- und Moselarmee und hielt, trotz der allgemeinen Verwirrung in seiner Nähe, die Ordnung aufrecht; 31. Aug. 1790 schlug er einen Aufruhr in Nancy nieder, wofür der König sowie die Nationalversammlung ihm ihren Dank aussprachen. 1791 unterstützte B., von den Plänen des Königs in Kenntnis gesetzt, dessen Fluchtversuch; nachdem Ludwig XVI. in Varennes gefangen zurückgeführt war, stellte B. in einem Schreiben an die Nationalversammlung die Flucht als eine von ihm (B.) ausgehende Entführung dar. B. wurde darauf des Hochverrats schuldig befunden und auf seinen Kopf ein Preis gesetzt. B. blieb fortan im Auslande, schrieb hier seine "Mémoires sur la révolution française" (Lond. 1797; Par. 1801 u. ö.) und starb 14.Nov. 1800 zu London.- Vgl. Gabriel, Louis XVI, le marquis de B. et Varennes (Par. 1874).

Bouillier (spr. bŭjieh), Francisque, franz. Philosoph, geb. 12. Juli 1813 zu Lyon, wurde 1837 Professor der Philosophie in Orléans, 1839 Professor an der Fakultät zu Lyon, 1856 Präsident der Akademie zu Lyon, 1865 Generalinspektor des Sekundärunterrichtswesens und 1867 Direktor der höhern Normalschule in Paris, gab aber 1872 diesen Posten und 1879 auch den als Generalinspektor auf. 1875 wurde er Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Von seinen philos. Schriften sind hervorzuheben: "Histoire et critique de la révolution cartésienne" (1842; preisgekrönt) und eine Erweiterung dieses Buches: "Histoire de la philosophie cartésienne" (2 Bde., 1854; 3. Aufl. 1868); ferner "De l'unité de l'âme pensante et du principe vital" (1858), "Du principe vital et de l'âme pensante" (1862), "Du plaisir et de la douleur" (1865), "De la conscience en psychologie et en morale" (1872), "Morale et progrès" (1875), "L'Institut et les académies de province" (1879), "Études familières de psychologie et de morale" (1884). Aus dem Deutschen übersetzte B. (1842) Kants Schrift: "Die Religion innerhalb