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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bouillon - Boulanger (Georges Ernest Jean Marie)

der Grenzen der bloßen Vernunft", und mit Lortet Fichtes "Anweisung zum seligen Leben" (1845). B. zeigt sich in seinen Schriften als strikten Anhänger des psychol. Animismus, wie er in Deutschland von dem Physiologen Stahl (s. d.) vertreten wurde.

Bouillon (frz., spr. bŭjóng), s. Fleischbrühe; auch soviel wie Kantille (s. d.).

Bouillon (spr. bŭjóng), ein ursprünglich niederlothr. Herzogtum in dem jetzt belg. Anteile des Großherzogtums Luxemburg an der franz. Grenze, umfaßt einen waldigen und bergigen Strich in den Ardennen von 385 qkm, mit einer Stadt und 21 Flecken oder Dörfern. Das Herzogtum B. besaß einst Gottfried (s. d.) von B. Um die Kosten zu seinem Kreuzzuge zu bestreiten, verpfändete er das Herzogtum 1095 an den Bischof Otbert von Lüttich. Schließlich machte sich das Haus Lamarck vom Bischofe unabhängig, aber Karl V. gab 1521 das Herzogtum an Lüttich zurück, dessen Souveränität in den Friedensschlüssen von Cambrai (1529), Cateau-Cambresis (1559) und Vervins (1598) bestätigt wurde. Dennoch erhielten sich die Herren von Lamarck im Besitze mehrerer früher von B. abhängigen Lehen und fuhren fort, sich Herzöge von B. zu nennen. Deren Rechte fielen 1591 durch Heirat an Heinrich de Latour d'Auvergne (s. d.), wurden indes 1641 dem Stifte Lüttich und 1651 für event. Rückfall von B. an das Haus Latour an Frankreich abgetreten. Im Kriege von 1672 eroberte Ludwig XIV. das Herzogtum, das im Nimwegener Frieden 1678 Gottfried Moritz von Latour d'Auvergne zuerkannt wurde. Seitdem gehörte B. als souveränes Herzogtum unter franz. Schutze dem Hause Latour (s. d.), bis es 1793 unter dem Herzog Godefroi Charles (gest. 1802) eingezogen wurde. Durch den Pariser Frieden von 1814 kam es größtenteils an das dem Könige der Niederlande zugefallene Großherzogtum Luxemburg. Hierauf ward in der Wiener Kongreß-Akte von 1815 festgesetzt, daß der König der Niederlande, als Großherzog von Luxemburg, den Teil des Herzogtums B., der nach dem Pariser Vertrage bei Frankreich nicht geblieben, mit voller Souveränität besitzen, daß aber das Eigentumsrecht, nach schiedsrichterlichem Ausspruche, einem der Bewerber, unter der Oberhoheit des Königs der Niederlande, zuerkannt werden solle. Der Ausspruch rücksichtlich der verschiedenen Bewerber erfolgte zu Leipzig 1. Juli 1816 und zwar zu Gunsten des Fürsten Charles Alain von Rohan-Monbazon, vermöge seines auf Geburt, Hausverträgen und Substitution beruhenden Erbrechts als Enkel der Schwester des letzten Herzogs von B. Dieser aber verkaufte seine Rechte 1821 an die Niederlande. Bei der Revolution 1830 trennte sich B. mit Luxemburg von den Niederlanden und wurde 1837 mit zu Belgien geschlagen.

Bouillon (spr. bŭjóng), deutsch Beulen, Stadt in der belg. Provinz Luxemburg, in schöner Lage zwischen steilen Bergen an der zur Maas gehenden Semoy, 15 km nordöstlich von Sedan, an der Linie Paliseul-B. der Belg. Vicinalbahnen, hat (1889) 2623 E., Post, Telegraph, ein festes Schloß auf einem Felsen, Eisenwarenfabriken und Gerbereien. B. war der Stammsitz der Herzöge von B.

Bouillon (spr. bŭjóng), Hauptanführer der Kreuzritter, s. Gottfried von Bouillon und Eustach II.

Bouillontafeln (spr. bŭjóng-), s. Fleischbrühe.

Bouilly (spr. bŭjih), Jean Nicolas, franz. Dichter, geb. 24. Jan. 1763 zu Coudraye (Tours), war Jurist und debütierte als Dramatiker 1790 mit der komischen Oper "Pierre-le-Grand". Seit 1792 wirkte er als Richter, dann als öffentlicher Ankläger in Tours und wurde später nach Paris berufen, um bei der Einführung der Primärschulen in Frankreich mitzuwirken. 1799 zog er sich vom öffentlichen Leben zurück und starb 14. April 1842 in Paris. Bekannt sind unter seinen Stücken besonders "L'Abbé de l'Èpée" (1795; deutsch von Kotzebue, Lpz. 1800), "Les deux (deutsch "Der Wasserträger"), "Fanchon" (deutsch von Kotzebue, Lpz. 1805), "Agnès Sorel", "Les deux pères" (deutsch von Theod. Hell, ebd. 1808), "Madame de Sévigné" (deutsch von Iffland, Berl. 1809) und "L'intrigue aux fenêtres". Ferner schrieb er die oft aufgelegten und übersetzten "Contes offerts aux enfants de France", "Contes à ma fille" (1809), "Conseils à ma fille" (1811; deutsch, 2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1823), "Les jeunes femmes" (1819; deutsch, 2 Bde., ebd. 1829).

Bouin (spr. bŭäng), zum franz. Departement Vendée (s. d.) gehörige Insel.

Boukanieren, s. Boucanieren.

Boulainvilliers (spr. bulängwillĭeh), Henri, Graf, franz. Historiker, aus einer alten Familie der Picardie, geb. 11. Okt. 1658 zu St. Saire (Normandie), besuchte das Collège von Juilly, wurde Soldat und widmete sich dann ausschließlich dem Studium der Geschichte. Er starb 23. Jan. 1722. Seine Schriften verfolgen den Zweck, die Verdienste, die der alte Adel gegenüber dem absoluten Königtum um die Civilisation des Landes und die Entwicklung des Staatswesens sich erworben, hervorzuheben. B. selbst ließ keins seiner Werke drucken. Nach seinem Tode erschienen: "Mémoires historiques sur les anciens gouvernements de la France" (3 Bde., Haag 1727), "Histoire de la pairie de France et du parlement de Paris" (2 Bde., Lond. 1746; 2. Aufl. 1753); "Abrégé chronologique de l'histoire de France" (3 Bde., Haag 1733); "L'état de la France etc." (3 Bde., Lond. ^Rouen) 1727 u. ö.). Außerdem wurden von B.' Schriften veröffentlicht ein Leben Mohammeds, eine Geschichte der Araber, mehrere theol. und philos. Arbeiten, darunter "La vie et l'esprit de Spinoza" (Amsterd. 1719).

Boulange (spr. bulángsch'), s. Boulangisten.

Boulanger (spr. bulangscheh), Georges Ernest Jean Marie, franz. General, geb. zu Rennes 29. April 1837, trat 1855 in die Militärschule zu St. Cyr und wurde 1856 Unterlieutenant in der Infanterie. Im ital. Feldzuge wurde er 3. Juni 1859 bei Turbigo durch die Brust geschossen, empfing das Kreuz der Ehrenlegion, wurde 1860 Lieutenant und ging nach Cochinchina, nahm 1861-64 am Feldzug in China teil und wurde 21. Juli 1862 Kapitän. 1867 ward B. als Lehrer an die Militärschule zu St. Cyr berufen, 15. Juli 1870 Bataillonscommandeur, 9. Nov. als Oberstlieutenant Commandeur des 114. Linienregiments, an dessen Spitze er 30. Nov. in der Schlacht bei Champigny verwundet wurde. Im Jan. 1871 zum Oberst befördert, wurde er in den Kämpfen gegen die Commune am 24. Mai abermals verwundet und empfing das Commandeurkreuz der Ehrenlegion. Bei der Reorganisation der Armee erhielt B. den Grad eines Oberstlieutenants; er organisierte das 133. Linienregiment und wurde 1874 zum zweitenmal Oberst, 1880 Brigadegeneral und erhielt bald darauf den Befehl über die 14. Kavalleriebrigade, vertrat die franz. Regierung bei der hundertjährigen Jubelfeier der Unabhängigkeit der