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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bourgueil - Bourrasque

von Piemont und Faucigny in die Tarantaise, hat (1891) 697, als Gemeinde 2694 E., Post und Telegraph, Steinsalz-, Blei- und Kupfergewinnung, Mineralquellen und Viehzucht und ist beliebter Ausgangspunkt für Ausflüge in die Alpen. Die Rindviehrasse der Tarantaise, eine der besten Frankreichs, wird namentlich im Kanton von B. gezüchtet.

Bourgueil (spr. burgäj), Hauptstadt des Kantons B. (158,16 qkm, 6 Gemeinden, 12 316 E.) im Arrondissement Chinon des franz. Depart. Indre-et-Loire, 17 km nordwestlich von Chinon, in 87 m Höhe an dem rechts zur Loire gehenden Changeon und an der Zweiglinie Port Boulet-Chateaurenault der Orléansbahn, hat (1891) 1648, als Gemeinde 3143 E., Post und Telegraph; betrieben wird besonders Weinbau, Butter- und Viehhandel.

Bourguignon (spr. burginjóng), eigentlich Jacques Courtois, von den Italienern Jacopo Cortese il Borgognone genannt, Schlachtenmaler, geb. 1621 zu St. Hippolyte in der Franche-Comté, wurde zuerst von seinem Vater in der Kunst unterwiesen, ging jung nach Italien, trat in Kriegsdienste und ließ sich schließlich nach längern Wanderungen in Rom nieder. Dort begeisterte ihn Raffaels berühmtes Bild Sieg Konstantins über Maxentius und von nun an ward er Schlachtenmaler, wobei ihn die Schlachtenbilder Cerquozzis, auch wohl die Salvator Rosas beeinflußt haben. Er trat in seinem 36. Jahre als Laienpriester in ein Jesuitenkolleg ein, wo er auch Heiligenbilder gemalt haben soll. B. starb 14. Nov. 1676 in Rom.

Bourignon (spr. burinjóng), Antoinette, religiöse Schwärmerin, geb. 13. Jan. 1616 zu Lille, hatte, durch das Lesen mystischer Bücher angeregt, früh Visionen und glaubte sich berufen, das Christentum zu ursprünglicher Reinheit zurückzuführen. Sie wurde 1662 Vorsteherin eines Hospitals zu Lille, durchreiste Flandern und Brabant und kam nach Amsterdam, wo sie ihre Offenbarungen drucken ließ und ihr Haus allen Sekten öffnete. Später lebte sie auf Insel Nordstrand, wo sie heimlich eine zahlreiche Sekte sammelte und mittels einer eigenen Druckerei von neuem ihre Schriften veröffentlichte. Hier ausgewiesen, wendete sie sich nach Husum, Schleswig und Hamburg, dann nach Ostfriesland und starb auf der Reise nach Holland 30. Okt. 1680 zu Franeker. Ihr Grundgedanke war: durch Vernichtung seiner Eigenheit gelange der Mensch in eine völlige Vereinigung mit Gott; das "innere Licht" müsse dabei an Stelle des geschriebenen Wortes treten. Ihre Schriften, von feuriger Beredsamkeit, gab mit Lebensbeschreibung Poiret (21 Bde., Amsterd. 1679-84: 2. Aufl. 1717) heraus.

Bourmont (spr. burmóng), Louis Auguste Victor de Ghaisne, Graf von, Marschall von Frankreich, geb. 2. Sept. 1773 auf dem Schloß B. (Maine-et-Loire), wurde frühzeitig Soldat, kämpfte und wirkte als Royalist, bis er 1810 bei der franz. Armee in Neapel eine Stelle einnahm. B. kam bald darauf in den Stab von Eugène Beauharnais und machte bei demselben den Feldzug von 1812 mit. In den Kämpfen von 1813 und 1814 zeichnete er sich bei Dresden, Hanau und Nogent aus und wurde von Napoleon zum Divisionsgeneral ernannt. Im März 1814 erhielt B., wieder Royalist geworden, das Kommando der 6. Militärdivision in Besançon; als Ney bei Napoleons Rückkehr von Elba zu diesem überging, eilte B. zu Ludwig XVIII., ging dann aber selber, da der König nicht über ihn verfügte, zu Napoleon über und nahm von diesem das Kommando der 2. Division der Moselarmee in Flandern an. Nachdem er im entscheidenden Kriegsrat vor Ligny Napoleons Absichten kennen gelernt, verließ er diesen 14. Juni und ging zu Ludwig XVIII., von dem er dann das Kommando der 16. Militärdivision erhielt. B. nahm Anteil am Prozeß gegen Ney. 1823 und 1824 machte er anfangs als Divisionsgeneral, später als Obergeneral der Armee von Andalusien, den Feldzug in Spanien mit und wurde 1829 Kriegsminister. 1830 kommandierte B. mit Erfolg die Expedition nach Algier und wurde Marschall von Frankreich, verweigerte aber dann der Julidynastie den Eid, verließ Frankreich und wurde 1832 aus den Listen der Armee und der Pairs gestrichen. 1833 trat B. in das Heer Dom Miguels von Portugal, übernahm das Oberkommando und griff Porto und Lissabon erfolglos an, nahm dort Ende Sept. 1833 seine Entlassung und ging nach Rom, wo er für die span. Karlisten wirkte. 1840 begnadigt, kehrte er nach Frankreich zurück und starb 27. Okt. 1846.

Bournemouth (spr.bohrnmöth), Seebadeort im SW. der engl. Grafschaft Hampshire an der Poole Bay im Waldthal des Bourne Brook, 40 km im SW. von Southampton, bis 1838 Fischerdorf, hat (1861) 1940, (1881) 18 607, (1891) 37 650 E., mildes, gesundes Klima, vorzüglichen Strand, zwei große Hafendämme, Sanatorium, Hospitäler, ein Aquarium und einen Wintergarten. - Vgl. Dobell, Medical aspects of B. (1886).

Bournonit (spr. bur-, nach dem franz. Mineralogen Grafen Bournon genannt), auch Schwarzspießglanzerz oder Spießglanzbleierz, ein im rhombischen System, meist in dicktafelartigen, vielfach nach dem Protoprisma verzwillingten Gestalten krystallisierendes Mineral, stahlgrau bis bleigrau und eisenschwarz, von starkem Glanz, der Härte 2,5 bis 3, und dem spec. Gewicht 5,7 bis 5,8. In chem. Hinsicht besteht der B. aus 42,4 Blei, 13 Kupfer, 25 Antimon und 19,6 Schwefel, und führt auf die Formel PbCuSbS3, d. i. 2(3PbS·Sb2S3) + 3Cu2S·Sb2S3; er findet sich mit andern Blei-, Kupfer-, Antimon- und Zinkerzen auf Gängen, z. B. in Cornwall, Siebenbürgen, am Harz, bei Freiberg.

Bournonville (spr. burnongwil), Aug., Tanzkünstler und Ballettkomponist, geb. 21. Aug. 1805 zu Kopenhagen, war der Sohn Antoine B.s (geb. 19. Mai 1760 zu Lyon, gest. 11. Jan. 1843 bei Kopenhagen), der sich unter Noverre bildete und 1792-1823 als Solotänzer auf dem Kopenhagener Hoftheater auszeichnete. Nachdem B. 1824-29 bei Vestris in Paris studiert hatte, wurde er nach Kopenhagen berufen, wo er ein ausgezeichnetes Corps de Ballett schuf und viele Ballette lieferte, von denen namentlich die vaterländisch-historischen viel Glück machten. B. wandte sich 1855 nach Wien, kehrte 1856 nach Kopenhagen zurück, wirkte 1861-64 in Stockholm, dann wieder in Kopenhagen, wo er 30. Nov. 1879 starb. Seit Noverre hat B. das Bedeutendste für den höhern theatralischen Tanz geleistet. Zu seinen zahlreichen Schülerinnen gehören u. a. Lucile Grahn und Augusta Nielsen. Seine Laufbahn hat B. in dem anziehenden Werke "Mit Theaterliv" (3 Bde., Kopenh. 1848-78) geschildert; auch lieferte er "Études choréographiques" (1861).

Bourrasque (fr.z., spr. buráßk), heftiger Windstoß; plötzlicher Ausbruch von Zorn, Schmerz oder übler Laune.