Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Boyle (Rob.); Boyle (Roger); Boylesches Gesetz; Boyne

390

Boyle (Rob.) – Boyne

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Boyle (Richard, Graf von Cork)'

reiche Heirat, verlor aber in dem irischen Aufstand sein ganzes Vermögen. 1604 kaufte B. für einen äußerst geringen Preis ein großes Besitztum in Irland, dessen Wert er durch seinen Unternehmungsgeist und seine Energie bald bedeutend vergrößerte. Durch engl. Einwanderer, die er heranzog, hob er die Gewerbthätigkeit, legte mit großen Kosten Landstraßen und Kanäle an, baute Häfen und Brücken und that alles, um die Erschließung und Entwicklung des Landes zu fördern. 1603 wurde er zum Baronet erhoben, 1612 in den Geheimen Rat von Irland berufen, 1616 zum Lord B., 1620 zum Grafen von Cork und 1631 zum Lord-Schatzmeister ernannt. Als solcher war er ein Gegner der gewaltthätigen Politik des Grafen Strafford. Die irische Rebellion von 1641 fand ihren thatkräftigsten Gegner in ihm. B. starb 15. Sept. 1643. Er verfaßte eine Beschreibung seines Lebens, abgedruckt in Birchs Ausgabe von Rob. Boyles (s. d.) Werken.

Boyle (spr. beul), Rob., brit. Naturforscher, Sohn des vorigen, geb. 25. Jan. 1627 zu Lismore in Irland, erhielt seine Erziehung vorzüglich in Genf unter franz. Leitung. Durch den Tod seines Vaters in den Besitz eines beträchtlichen Vermögens gelangt, beschäftigte er sich auf seinem Landgute, dann in Oxford, wo er die Royal Society mit stiftete, und in London mit Physik und Chemie. Wie Bacon hielt er die Erfahrung für den einzig zuverlässigen Weg zur Wahrheit, und den von ihm unausgesetzt angestellten Versuchen verdankt man die erste genaue Kenntnis vom Einsaugen der Luft bei Verkalkungen und Verbrennungen und von der Zunahme des Gewichts der Metalloxyde. Er entdeckte das Gesetz über den Zusammenhang zwischen Druck und Volumen eines Gases (s. Boylesches Gesetz), verbesserte Guerickes Luftpumpe und war überhaupt der erste, der die chem. Beschaffenheit der Luft in den Bereich seiner Forschungen zog. Dabei besaß er eine lebhafte, öfters überspannte Phantasie, die sich besonders in seinen theol. Arbeiten bekundet (Auszüge von Boulton, Lond. 1715). Er starb 30. Dez. 1691 zu London und ward in der Westminsterabtei begraben. Von seinen naturwissenschaftlichen Arbeiten sind «New Experiments physico-mechanical touching the spring of the air and its effects» (Oxf. 1660), «Experiments and considerations touching colours» (ebd. 1663) und «Hydrostatical paradoxes» (ebd. 1666) die wichtigsten. Gesammelt erschienen seine Werke zuerst in lat. Sprache (Genf 1676). Vollständige Ausgaben lieferten Birch (5 Bde., Lond. 1744) und Shaw (6 Bde., ebd. 1772).

Boyle (spr. beul), Roger, Sohn von Richard B., geb. 26. April 1621, zuerst Lord Broghill, ward, durch Cromwell für die Republik gewonnen, dem Protektor bei Unterwerfung Irlands behilflich. Von Richard Cromwell in den Geheimen Rat berufen, wirkte er trotzdem für die Restauration Karls II., der ihn 1660 zum Grafen Orrery und irischen Lordrichter erhob. Letztern Posten legte er, des Hochverrats beschuldigt, nieder. Die letzten Jahre widmete er litterar. Arbeiten, die zum Teil erst nach dem Tode (16. Okt. 1679) veröffentlicht wurden, Sein Roman «Parthenissa» (3 Bde., Lond. 1665) ist im Stil der Scudéry gehalten; auch schrieb er Trauerspiele, wie «Mustapha» (1667), «The Black Prince» (1672), «History of Henry V.» (1688), «Herod the Great» (1693), «AItemira» (1702), Lustspiele und Gedichte, die jetzt vergessen sind. ↔ Wichtiger sind die erst von seinem Urenkel 1742 herausgegebenen «State-letters».

Boylesches Gesetz oder Mariottesches Gesetz, ein von Rob. Boyle (1660) gefundenes und später (1676) auch von Mariotte eingehend studiertes aërostatisches Gesetz, welches lautet: Das Produkt aus dem Volumen v und dem Druck p einer Gasmasse ist unveränderlich gleich c, solange die Temperatur unverändert bleibt, also: p ۰ v = c. Drückt man daher ein Gas ohne Temperaturveränderung auf die Hälfte, das Drittel, Viertel u. s. w. zusammen, so nimmt es die doppelte bez. dreifache, vierfache u. s. w. Spannung an. Durch eingehende Versuche hat jedoch Regnault gezeigt, daß dieses Gesetz nicht genau gilt und alle Gase Abweichungen zeigen, wie aus folgender Tabelle zu ersehen ist, bei der von demjenigen gleich 1 gesetzten Volumen ausgegangen ist, das dem Druck einer Quecksilbersäule von 1 m entspricht.

Druck in Meter Quecksilber
Volumen
LuftStickstoffKohlensäureWasserstoff
11,00001,00001,00001,0000
1/21,99781,99861,98292,0010
1/54,97944,98684,82885,0116
1/109,91629,94369,226810,0561
1/2019,719919,788616,705420,2687

Hieraus erkennt man, daß für Luft, Stickstoff und Kohlensäure die Spannungen kleiner sind, als das B. G. verlangt, hingegen beim Wasserstoff größer. Geht man jedoch zu höhern Spannungen über, so verhalten sich alle Gase wie Wasserstoff. Für diese Abweichungen hat man nun zwei Ursachen erkannt und zwar mit Hilfe der Kinetischen Gastheorie (s. d.). Nach dieser Theorie würde das B. G. für alle Gase mathematisch genau gelten, wenn erstens die Gasmoleküle keine räumliche Ausdehnung besäßen, und wenn zweitens keine Anziehungskräfte zwischen ihnen wirkten; da jedoch bei allen Gasen beides der Fall ist, so hat Van der Waals diese beiden Umstände berechnet und in die Formel p ۰ v = c eingeführt. Man erkennt zunächst, daß die Kohäsionskräfte eine Verkleinerung des Volumens bewirken und einem Druck A gleichkommen, der sich zum Druck p addiert, sodaß man hat (p + A) ۰ v = c. Dieses A ist, wie eine weitere Überlegung zeigt, dem Quadrat des Volumens v indirekt proportional, also A = a / v². Die den Gasmolekülen eigene räumliche Ausdehnung, die eine Vermehrung des Druckes bewirkt, drückt Van der Waals durch Verminderung des Volums v um eine Konstante b aus und bekommt so als verbessertes B. G. folgende Gleichung: (p + a / v²) (v-b) = c. Hierin sind a, b und c unveränderliche Zahlen, die aber für jedes Gas einen andern Wert haben. Die Zahl c ändert außerdem ihren Wert mit der Temperatur. So ist z. B. nach Baynes für Äthylengas a = 0,00786, b = 0,0024 und c für 20° C. = 1,08225. – Vgl. Van der Waals, Die Kontinuität des gasförmigen und flüssigen Zustandes (deutsch von F. Roth, Lpz. 1881).

Boyne (spr. beun), der bedeutendste Fluß der Ostküste Irlands in der Provinz Leinster, entspringt in der Grafschaft Kildare im Torfmoore von Allen, wird bei Navan, wo er den Blackwater aufnimmt, für Barken schiffbar und mündet nach einem 105 km

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 391.