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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bragarfull - Brahe

als Karl I. 19. Okt. 1889. - Eine Nebenlinie des Hauses B. bildet die kaiserl. Dynastie in Brasilien, deren Stifter Pedro I. war. Sein ältester Sohn, Pedro II. (s. d.), geb. 2. Dez. 1825, gelangte durch die väterliche Entsagungsakte vom 7. April 1831 zum Throne, übernahm 23. Juli 1840 die Regierung, wurde aber im Nov. 1889 durch eine Revolution abgesetzt, mit seiner Familie aus Brasilien verbannt. Durch seinen Tod, 5. Dez. 1891, erlosch diese Linie im Mannsstamm. Seine einzige Tochter Isabella ist vermählt mit dem Grafen von Eu aus dem Hause Orleans. - Eine ältere Nebenlinie des Hauses B. stammte von dem zweiten Sohne Ferdinands I., Alvarez von B., der 1510 den Titel eines Grafen von Tentugall und Olivenza erhielt. Diese Linie erlosch mit Jakob de Mello, Herzog von Cadaval, 23. Dez. 1732.

Bragarfull (Bragafull), die altgerman. Sitte der Nordländer, bei besondern Festlichkeiten, namentlich beim Totenschmause und am Julabende, feierlich zu geloben, eine That innerhalb eines kürzern Zeitraums auszuführen. Diese Gelübde geschahen, indem man den vollen Becher (full) ergriff. Man hat den Brauch mit dem spätisländ. Dichtergott Bragi (s. d.) zusammengebracht; er ist aber älter als dieser und der Name geht wohl auf "Bragr", d.h. der Treffliche, einen Beinamen des altgerman. Himmelsgottes, zurück.

Bragi, Sohn Odins, in der nordischen Mythologie Gott der Dichtkunst, neben dem, ursprünglicher, auch Odin als solcher erscheint. Der Mythus von B. hat sich wohl erst in Anlehnung an Bragi (s. d.), den ältesten Skalden, ausgebildet. B. ward alt und langbärtig gedacht, ein Symbol der reichen Erfahrung, aus der der Dichter schöpfen muß; andererseits bezeugt B.s Ehe mit Idhun die Jugendkraft, die von Ausübung der Dichtkunst untrennbar ist. Die Runen, die nach der Edda (erstes Brunhildenlied) seiner Zunge eingeritzt waren, deuten seine Weisheit und Wortgewandtheit an. Ein Abschnitt der Snorra-Edda enthält mythische Geschichten, die B. bei einem Trinkgelage in der Halle der Götter dem Ägir erzählt (Bragarœdur). B. gehört nach Snorri zu dem Asenkreise und steht in der Zwölfzahl.

Bragi, der älteste nordische mit Namen bezeugte Skalde, um 800, von dessen Gedichten Reste erhalten sind, war der Sohn des Boddi und stammte aus dem westl. Norwegen. B. war auch der erste Gefolgschaftsskalde; er verweilte an schwed. und dän. Königshöfen und scheint die Drapa (s. d.) als Lobgedicht auf die Fürsten eingeführt zu haben.

Bragozzo (ital.), gedecktes zweimastiges Fischerfahrzeug im Mittelmeer, namentlich bei den Bewohnern von Chioggia in Gebrauch.

Brahe, linker Nebenfluß der Weichsel, entspringt an der pommerisch-preuß. Grenze aus dem See bei Großschwessin, 15 km östlich von Rummelsburg, durchfließt in südsüdöstl. Richtung den Ziethener-, Müskendorfer-, Karchin-, Schwornigatzer- und Dibrzesee und mündet nach einem Laufe von 195 km unterhalb Bromberg in die Weichsel. Als Zuflüsse erhält die B. von links den Chotzen, von rechts die Kamionka und Zempolna. Sie ist auf 15 km schiffbar, auf 121 km flößbar. Seit 1845 hat man von ihr aus ein großes Bewässerungssystem der unfruchtbaren Tucheler Heide begonnen. Durch den Bromberger Kanal ist die B. mit der Netze und dadurch mit der Oder verbunden.

Brahe, schwed.-dän. Adelsgeschlecht. Die schwed. Familie stammte mütterlicherseits von dem dän. Geschlecht dieses Namens ab, stieg aber erst durch ihre Verbindung mit der Wasa-Familie zur polit. Bedeutung empor. Joachim Brahe (gest. 1520 im Stockholmer Blutbad) war mit der Schwester Gustav Wasas verheiratet. Sein Sohn Per gehörte zu den vertrauten Räten der ersten Wasa-Könige und ward 1561 einer der ersten schwed. Grafen; bei Errichtung des schwed. Ritterhauses (1626) nahm die Familie den ersten Platz unter dem schwed. Adel ein. Den größten Ruhm hat Per B. der Jüngere, ein Enkel des Vetters Gustav Wasas, erworben. Er war Mitglied der beiden Vormundschaften Christinens und Karls XI., hatte als Generalgouverneur Finlands die größten Verdienste um die innere Entwicklung dieses Landes und begründete 1640 die Universität zu Åbo. In Schweden bekleidete er später viele Jahre als Reichsdrost das höchste Amt des Reichs und starb 12. Sept. 1680. Seine Cousine war die schöne Ebba B., die erste Liebe Gustavs II. Adolf, geb. 1596, gest. 1674, vermählt mit dem Feldherrn Jakob de la Gardie. Unter den spätern Mitgliedern des Geschlechts ist zu erwähnen der Oberst Erik B., geb. 1722, der mit einigen andern Edelleuten 23. Juli 1756 in Stockholm auf Befehl der Reichsstände enthauptet wurde, weil er in eine Verschwörung zur Erweiterung der königl. Macht verwickelt war. Im 19. Jahrh. spielte Magnus B., geb. 1790, Reichsmarschall und Generallieutenant, eine Rolle. Als Freund und Günstling König Karl Johanns übte er einen großen persönlichen Einfluß aus, ohne sich in die Politik zu mischen. Doch wurde durch seine Wirksamkeit, die man als verfassungswidrig ansah, das Mißvergnügen mit dem Regierungssystem Karl Johanns geschärft. Er starb 16. Sept. 1844.

Brahe, Tycho (nicht Tycho de), Astronom, geb. 14. Dez. (alten Stils) 1546 zu Knudstrup in Schonen, aus dem Geschlecht Brahe, studierte in Kopenhagen und Leipzig auf Wunsch seiner Familie, doch gegen seine eigene Neigung, Jurisprudenz; heimlich beschäftigte er sich aber eifrig mit Astronomie, die er auch praktisch mit Hilfe der allereinfachsten Instrumente betrieb. Nach Beendigung der jurist. Studien begab er sich mehrere Jahre auf Reisen. Nach seiner Rückkehr nach Dänemark 1565 ward er Erbe eines bedeutenden Vermögens und widmete sich von nun an ungestört der Astronomie. Er begab sich nach Wittenberg, später nach Rostock und 1569 nach Augsburg. Sein Name war bereits in Europa berühmt, als er 1570 in sein Vaterland zurückkehrte. Nach dem 1571 erfolgten Tode seines Vaters nahm er erst auf Knudstrup seine Wohnung, dann auf Herrevads-Kloster, wo er 1572 einen neuen Stern in der Kassiopeia entdeckte. Nachdem er einige Zeit auf Veranlassung des Königs Friedrich II. Vorlesungen über die mathem. Wissenschaften in Kopenhagen gehalten hatte, unternahm er eine neue Reise nach Deutschland, in die Schweiz und nach Italien, auf der er sich auch in Cassel beim Landgrafen Wilhelm von Hessen längere Zeit aufhielt. Dieser machte den König Friedrich II. von Dänemark auf die große Befähigung B.s, der im Begriff stand, sich in Basel niederzulassen, aufmerksam, und infolgedessen belehnte der König ihn 1576 mit der jetzt schwed. Insel Hven im Sund, setzte ihm einen Jahrgehalt aus und erbot sich, die nötigen Gebäude erbauen und die Instrumente zu seinen astron., mathem. und chem. Arbeiten anschaffen zu lassen. So entstand auf jener Insel die