Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

409

Brakteen - Bramsche

Silbermünzen für den Verkehr aber unhandlich waren, machte man den Schrötling dünner und größer und prägte die Münzen hohl, d. h. einseitig.

Eine andere Art brakteatenförmiger Münzen, die Schüsselpfennige, haben ihren Namen von der schüsselförmigen Gestalt des Schrötlings. Sie sind vorwiegend im westl. Deutschland, am Rhein, zu Hause, wurden aber auch im Niedersächsischen, z. B. in Braunschweig-Lüneburg, bis ins 18. Jahrh. geprägt. - Vgl. Mader, Versuch über die B. (Prag 1808); Schönemann, Zur vaterländischen Münzkunde vom 12. bis 15. Jahrh. oder Grundzüge der Brakteatenkunde (Wolfenb. 1852); Stenzel, Der Brakteatenfund von Freckleben im Herzogthum Anhalt (Berl. 1862); Schlumberger, Des brctéates d'Allemagne (Par. 1873); Archiv für Brakteatenkunde, hg. von Höfken (Bd. 1, Wien 1886-89).

Braktēen, s. Blütenstand.

Brakvieh (Brackvieh), s. Ausmerzen.

Bram-, Unterscheidungsvorsilbe für Bemastungs- oder Takelageteile, die zu den zweiten Verlängerungen der Masten, den Bramstengen, gehören, z. B. Bramsegel, Bramrahe, Bramwanten, Bramsaling u. s. w. Oberbram- ist dieselbe Bezeichnung für die obere Hälfte der Bramstengen, an welchen die Oberbramrahen sich befinden. Bramtuch ist eine Art leichten Segeltuchs, das zu Bramsegeln, Windsäcken u. s. w. verwendet wird.

Bramah, Joseph, engl. Mechaniker, geb. 13. April 1749 zu Stainborough in der Grafschaft York, erfand 1783 die Waterclosets, 1784 das nach ihm benannte Bramahschloß (s. Schloß), 1796 die hydraulische Presse, deren Kolben und Dichtung seinen Namen tragen, ferner eine in der Bank von England eingeführte Vorrichtung zum Druck der Zahl und des Datums auf Banknoten. Er starb 9. Dez. 1814 in London.

Bramahkolben, s. Kolben.

Bramahschloß, s. Bramah und Schloß.

Bramann, Fritz Gustav von, Chirurg, geb. 25. Sept. 1854 zu Wilhelmsberg in Ostpreußen, studierte 1875-79 in Königsberg Medizin, wirkte dann mehrere Jahre als Assistenzarzt des städtichen Krankenhauses zu Königsberg und wurde 1884 Assistent des Professors von Bergmann an der chirurg. Klinik zu Berlin, in welcher Stellung er bis zum März 1890 verblieb. Im Nov. 1887 erhielt er von Kaiser Wilhelm I. den Befehl, sich nach San Remo zu begeben, woselbst er 9. Febr. 1888 unter den schwierigsten Verhältnissen den Luftröhrenschnitt an dem damaligen Kronprinzen, spätern Kaiser Friedrich, ausführte. Im Juli 1888 habilitierte er sich an der Berliner Universität als Privatdocent, wurde 1889 zum außerord. Professor und im März 1890 als Nachfolger R. von Volkmanns zum ord. Professor der Chirurgie und Direktor der chirurg. Klinik nach Halle berufen. In demselben Jahr wurde B. vom Kaiser Wilbelm II. in den erblichen Adelstand erhoben. Er schrieb außer vielen Aufsätzen in verschiedenen Zeitschriften: "Der Processus vaginalis und sein Verhalten bei Störungen des Descensus" (Berl. 1889), "Über die Dermoide der Nase" (ebd. 1889).

Bramante, eigentlich Donato d'Angnolo, ital. Baumeister und Maler, geb. 1444 zu Monte-Asdrualdo im Herzogtum Urbino. Seine erste künstlerische Thätigkeit gehört vornehmlich Mailand an, wo er von 1476 bis 1499 verweilte und zunächst als Maler sich einen Namen machte. Doch sind seine Gemälde bis auf bescheidene Reste zerstört. Seit

^[Spaltenwechsel]

1476 baute B. die Kirche San Satiro zu Mailand aus und zwar die Thür und die Sakristei, seit 1492 den Chor und das Hauptthor von Sta. Maria della Grazie und leitete den Umbau des Kapitelsaales von San Ambrogio und des Hofes im Ospitale Maggiore. Außerdem schuf er in und um Mailand eine Anzahl kleiner Werke von hohem Reiz, sowohl Profanbauten als Kirchen, in denen er eine klare, raumschöne Renaissance anwendete. Nach dem Sturze des Ludovico Sforza, seines Beschützers, zog B. 1499 nach Rom, wo ihn die Päpste Alexander VI. und Julius II. vielfach beschäftigten. Er baute 1500 Sta. Maria della Anima und den reizenden Tempietto von San Pictro in Montorio, das Kloster Sta. Maria della Pace, ferner die herrlichen Paläste der Cancelleria und Giraud-Torlonia. Seit Ende 1505 begann B. seine Planierungen für den Bau des Vatikans und der St. Peterskirche, zu welch letzterer 1506 der Grundstein gelegt wurde. B. starb 11. März 1514 zu Rom. Nach seinem Tode änderte man seinen Plan für St. Peter, der in einem griech. Kreuz mit großer Kuppel über der Vierung bestanden hatte. - Vgl. Pungileone, Memorie intorno alla vita ed alle opere di B. (Rom 1836); H. Semper, Donato B., in Dohmes "Kunst und Künstler" (Lpz. 1877 fg.); H. von Geymüller, Die ursprünglichen Entwürfe für die Peterskirche in Rom (Wien 1875).

Bramárbas, lächerlicher Prahlhans, ein Ausdruck, der zuerst in einem von Philander von der Linde (s. Mencke) in der "Unterredung von der deutschen Poesie" (im Anhang zu den "Vermischten Gedichten", Lpz. 1710) mitgeteilten satir. Gedichte eines unbekannten Verfassers, "Cartell des B. an Don Quixote", vorkommt. Nach diesem Gedicht hat dann Gottsched der von ihm veröffentlichten Dethardingschen Verdeutschung des Holbergschen Lustspiels "Jacob von Tyboe eller den stortalende Soldat" (d. h. oder der großsprecherische Soldat) den Titel "B. oder der großsprecherische Offizier" verliehen. - Bramarbasieren, großthun, aufschneiden.

Brambach, Marktflecken in der Amtshauptmannschaft Ölsnitz der sächs. Kreishauptmannscbaft Zwickau, an der Linie Planen-Eger der Sächs. Staatsbahnen, hat (1890) 1585 meist evang. E., Post, Telegraph, ein königlich sächs. und ein österr. Zollamt, ein Schloß sowie Fabrikation von Cigarren, Geigen, Violinbogen und Korsetts; in der Umgegend Mineralquellen.

Brambach, Kaspar Joseph, Komponist, geb. 14. Juli 1833 zu Bonn, erhielt seine Bildung am Kölner Konservatorium, war dann Schüler Hillers, wurde 1859 Lehrer am Kölner Konservatorium, 1861 Musikdirektor in Bonn, gab 1869 diese Stellung auf und lebt zu Bonn als Privatlehrer. B. ist als Komponist anmutiger Männerchöre bekannt. Von seinen größern Chorwerken sind hervorzuheben: "Die Macht des Gesanges", "Velleda", "Alcestis", "Prometheus", "Columbus", "Das Eleusische Fest".

Brambäus, Baron, Pseudonym des russ. Schriftstellers Senkowskij (s. d.).

Brambesen, s. Besen.

Bramīnen, s. Brahmanen.

Bramme, s. Eisen (Technisches).

Bramsalings, s. Salings.

Bramsche, Flecken im Kreis Bersenbrück des preuß. Reg.-Bez. Osnabrück, an der Haase, an der Linie Oldenburg-Osnabrück der Oldenb. Eisenbahn, hat (1890) 2653 E., darunter 194 Katholiken, Post, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, Zollamt,