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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brandenburg (Provinz)

Geschichte. Die jetzige Provinz B. bewohnten zu Anfang der christl. Zeitrechnung die Sueven und die Langobarden. In ihre infolge der Völkerwanderung verlassenen Sitze rückten slaw. Völker, die Liutizen, Heveller u. a., die Karl d. Gr. nur vorübergehend unterwarf; erst Heinrich I. gelang es, einen Teil des Landes tributpflichtig zu machen. Otto I. stiftete zur Befestigung des Christentums 946 und 949 die Bistümer Havelberg und B., setzte Gero (s. d.) als Markgrafen der Ostmark ein, teilte aber nach dessen Tode 965 das von diesem verwaltete Gebiet in die Thüringer-, Ost-und Nordmark. Letztere wurde 1134 vom Kaiser Lothar an Albrecht den Bären (s. d.) verliehen. Erst diesem Fürsten gelang es, der Herrschaft der wiederholt sich zusammenraffenden Wenden in diesen Gegenden ein Ende zu machen. Er erhob die Stadt B. zu seiner Residenz und wird schon seit 1136 vereinzelt, seit 1144 häufiger als Markgraf von B. genannt. Er unterwarf sich den westl. Teil der Mittelmark und die Priegnitz und zog Rhein- und Niederländer als Ansiedler dahin. Sein Nachfolger als Markgraf von B. ward 1170 sein Sohn Otto I., der 1182 zum erstenmal als Reichserzkämmerer vorkommt. Otto starb 1184, und es folgte ihm sein schwacher Sohn Otto II., 1184-1205, der vom Erzstifte Magdeburg seine Erbgüter in der Mark zu Lehn nahm. Mehr Kraft entwickelte sein Bruder Albrecht II., 1205-29, der an den Kämpfen zwischen den beiden Gegenkönigen Deutschlands, Otto IV. und Friedrich II., lebhaften Anteil hatte. Albrecht II. hinterließ bei seinem Tode zwei unmündige Söhne, Johann I. und Otto III., für die ihre Mutter Mathilde bis 1226 die vormundschaftliche Regierung führte. Von 1226 bis 1258 regierten beide Brüder gemeinschaftlich. Von Kaiser Friedrich II. erhielten sie die Lehnshoheit über Pommern 1231, und zwangen 1236 den Herzog von Demmin und 1250 den von Stettin, dieselbe anzuerkennen. Von dem erstern gewannen sie das Land Stargard, von dem letztern die Ukermark, sodaß der Herzog Mestwin im östl. Pommern sein Land als Lehn von B. hinnehmen mußte. Im Kampfe gegen den Markgrafen Heinrich den Erlauchten behaupteten die beiden fürstl. Brüder sich 1244 in dem Besitze der Städte Cöpenick und Mittenwalde. Johann brachte bei seiner zweiten Vermählung mit Hedwig von Pommern die schon durch die Waffen gewonnene Ukermark förmlich an sein Haus, während Otto als Pfand für die Mitgift seiner Gemahlin, der böhm. Prinzessin Beatrix, die Oberlausitz mit den Städten Bautzen, Görlitz, Lauban und Löbau erhielt. Außerdem erhielten die beiden Brüder durch den Gegenkönig Wilhelm von Holland 1248 die Anwartschaft auf das Herzogtum Sachsen, und 1250 gelangten sie durch Kauf vom Herzog Boleslaw von Liegnitz auch zur Oberhoheit über das Bistum Lebus. (Vgl. Riedel, Die Mark B. im J. 1250, 2 Bde., Berl. 1831-32.) Den Polen entriß Johann das Land an der Warthe, wo er 1257 die Stadt Landsberg gründete. Die Brüder teilten 1258; Stendal und Salzwedel wurden die neuen Regierungssitze der beiden Linien, die Hauptstadt B. dagegen und die Lehnshoheit über die Bistümer B. und Havelberg blieben gemeinschaftlich. Die Regierung war eine höchst segensreiche. Viele neue Städte, wie Frankfurt a. O., Neubrandenburg, Bärwalde, Friedland, Königsberg i. d. Neumark u. s. w., wahrscheinlich auch Berlin und Kölln a. d. Spree, wurden von ihnen gegründet. Johann I., gest. 1266, wurde der Stifter der ältern Brandenburgisch-Askanischen Linie zu Stendal, Otto III., gest. 1267, der Stifter der jüngern Linie zu Salzwedel. Beide Linien erloschen aber bald, die jüngere 1317, die ältere 1320. Die bedeutendsten Fürsten dieser Dynastie, unter der 1269 die Lehnshoheit über Pommerellen erworben und 1291 die Mark Landsberg bei Halle von dem Thüringer Landgrafen Albrecht dem Entarteten gekauft wurde, waren Hermann und der auch als Minnesänger bekannte Otto IV. mit dem Pfeile, die 1303 von dem Markgrafen Diezmann von Meißen die Niederlausitz kauften, und der kriegerische Waldemar (s. d.) seit Ottos Tode, 1308-19. Der letztere erweiterte B. gegen Sachsen und Schlesien und bezeichnet einen vorläufigen Abschluß der Blüte des brandend. Staates. Der letzte des märk. Zweigs der Askanier war Heinrich der Jüngere, der 1320 unvermählt starb.

^[Abb.]

Nach dreijährigen innern Wirren kam B. 1323 an das Haus Wittelsbach, indem Ludwig der Bayer die Markgrafschaft seinem Sohne Ludwig dem Ältern (s. d.) verlieh, der erst nach langen Kämpfen mit den benachbarten Fürsten und mit übermütigen Vasallen in ihren Besitz gelangen konnte. Durch seine Verheiratung mit Margareta Maultasch, die ihm Tirol zubrachte, entfremdete er sich dem Interesse B.s dermaßen, daß er 1351 die Marken seinen Brüdern, Ludwig dem Römer und Otto dem Faulen, überließ. (Vgl. G. W. von Raumer, Die Neumark B. im J. 1337, Berl. 1837.) Veranlassung dazu gaben ihm auch insbesondere die Wirren, die seit 1348 der sog. falsche Waldemar (vgl. Klöden, Diplomat. Geschichte des Markgrafen Waldemar, 4 Bde., Berl. 1844-45) erregte, der sich für den verstorbenen Markgrafen Waldemar ausgab. Ludwig der Römer und Otto, unter denen 1356 B. durch die Goldene Bulle zum Kurfürstentum erhoben wurde, schlossen 1363 mit Kaiser Karl IV. und dem luxemb. Hause eine Erbverbrüderung, wodurch letzteres das Recht der Nachfolge in der Kurmark erhielt. (Vgl. Die Erwerbung der Mark B. durch das luxemb. Haus [anonym; von Riedel], Berl. 1840.) Otto, seit 1365 alleiniger Herr der Mark, ein träger und verschwenderischer Fürst, verkaufte dem Kaiser 1368 die Niederlausitz, die dieser mit Böhmen vereinigte, und schon 1373 ward er von demselben genötigt, die Kurmark völlig abzutreten, die damit an das Haus Luxemburg kam. Zunächst erhielt sie Karls IV. Sohn Wenzel und nach dessen Tode, 1378, sein jüngerer Bruder Sigismund, der sie aber, vom einheimischen Adel, besonders den Quitzows, hart bedrängt und von Schuldenlast genötigt, 1388 seinem Vetter, dem Markgrafen Jobst von Mähren (s. Jodocus) verpfändete. Jobst aber konnte der innern Zerrüttung des Landes so wenig als sein Statthalter Einhalt thun. Nach seinem Tode 1411 fiel die Kurmark an Sigismund zurück, der zu derselben Zeit zum König erwählt worden war. Sigismund hatte 1402 die Neumark an den Deutschen Orden verkauft und setzte nun den Burggrafen von Nürnberg, Friedrich VI. aus dem Hause Hohenzollern, mittels einer