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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brandy - Brankowitsch

Läßt man, wie es zweckmäßig, die Kruste liegen, so heilt oft die Wunde unter dieser ohne Eiterung. Die Kruste löst sich dann nach einiger Zeit von selbst und legt die feine blaulich-rote Narbe frei. Tritt hingegen Eiterung ein, so bildet sich in der Regel keine trockne Kruste, oder dieselbe wird durch die Eiterung bald gelöst. Es muß dann durch häufigere, am besten feuchte Verbände (Leinwandkompressen, mit Kalkwasser und Leinöl benetzt und mit Guttaperchapapier oder Wachstaffet bedeckt) für Entfernung des Eiters gesorgt werden; wenn die Schmerzhaftigkeit nachläßt, können zusammenziehende Mittel, z. B. Zinksalbe, schwache Höllensteinlösungen u. s. w. angewandt werden. Entstehen Wucherungen, so müssen sie mit Höllenstein betupft werden. Ist gleich bei der Verbrennung ein Schorf entstanden, so pflegt, wenn der Schorf größer ist, feuchte Bedeckung wohlzuthun. Dabei tritt nach Lösung des Schorfs eine eiternde Wunde zu Tage, welche wie jede andere behandelt wird. (S. Verbrennung.)

Brandy (spr. bränndi), engl. Bezeichnung für Branntwein.

Brandýs, czech. Name zweier österr. Städte, deutsch Brandeis (s. o.).

Brandywine-Creek (spr. bränndiwein krihk), ein zum Stromgebiet des Delaware gehöriger Fluß, der bei Wilmington in den Christiania-Creek mündet. Dort fand 11. Sept. 1777 eine Schlacht zwischen dem in der Chesapeakebucht gelandeten britischen, durch deutsche Regimenter verstärkten Heere des Generals Howe und den nordamerikanischen jungen Miliztruppen unter Washington statt, in der Lafayette verwundet wurde. Die Engländer siegten und besetzten 27. Sept. Philadelphia.

Brandzeichen oder Gestütszeichen werden leit langer Zeit den von den Landgestütshengsten abstammenden Fohlen an einer Hinterbacke oder am Halse auf die Haut gebrannt. Desgleichen kommen B. bei Staatsgestüten, Privatgestüten vor, auch werden in Oldenburg und Württemberg auf den Landesausstellungen prämiierte Pferde mit besondern B. versehen. Bei den meisten Gestüten befindet sich das B. auf der rechten, bei dem Sennergestüt auf der linken Hinterbacke. Die wichtigsten B. zeigen die vorstehenden Figuren, und zwar: 1. Tratehnen, 2. Graditz, 3. Beberbeck, 4. Ostpreußen (Landesgestüte zu Gudwallen, Insterburg, Rastenburg, Braunsberg), 5. Westpreußen (Marienwerder), 6. Brandenburg (Neustadt a. D.), 7. Provinz Sachsen (Kreutz d. Halle), 8. Schlesien (Leubus), 9. Rheinprovinz (Wickrath), 10. Westfalen (Warendorf), 11. Königreich Sachsen (Landesgestüt Moritzburg), 12. Mecklenburg-Schwerin (Landesgestüt Redefin), 13. Lippe-Detmold (Sennergestüt Lopshorn). Labes, Zirke, Gnesen, Cosel, Traventhal, Celle und Dillenburg führen keine B., ebensowenig Harzburg und die bayr. und württemb. Stamm- und Landesgestüte.- Vgl. Brauer, Sammlung von Gestüts- und Brandzeichen der Staats- und Privatgestüte Europas und des Orients (Dresd. 1877).

^[Abb.]

Brandzeug, in der Feuerwerkerei dasselbe wie Geschmolzenzeug (s. d.).

Brangäne, die treue Begleiterin der Isolde, durch deren Unachtsamkeit Tristan (s. d.) und Isolde den Liebestrank trinken und deren Opferwilligkeit ihnen wiederholtes Liebesglück ermöglicht.

Branicki (spr. -nitzki), Jan Clemens, poln. Großhetman der Krone, geb. 1688, der letzte Sprößling der mächtigen Familie der B. des Wappens Gryf, diente in der Jugend im franz. Heere, kehrte 1715 in das Vaterland zurück und gehörte zu der Konföderation gegen August II. Nach dem Tode Augusts III. trat B. mit Karl Radziwill an die Spitze der republikanischen Partei, die ihm sogar die Krone anbot. Doch die monarchische Partei der Czartoryski hatte das Übergewicht auf dem Reichstage von 1764, und B., als Vaterlandsverräter angeklagt, wurde verbannt und aller Würden für verlustig erklärt. B. flüchtete nach Ungarn, kehrte aber, als Poniatowski den Thron bestiegen, dessen Schwester B. zur Gemahlin hatte, nach Polen zurück. Seitdem lebte er auf seiner Herrschaft Bialystok zurückgezogen und starb daselbst 9. Okt. 1771.

Branitz. 1) Dorf und Gut im Kreis Leobschütz des preuß. Reg.-Bez. Oppeln, 22 km im S. von Leobschütz, unweit der Oppa, die hier die Grenze zwischen Preußisch- und Österreichisch-Schlesien bildet, in fruchtbarer Gegend, hat (1890) 2158 E., darunter 198 Evangelische, Post, Telegraph, Nebenzollamt; Dampfmälzerei, neue Schneide-und Wassermühle und lebhaften Getreidehandel nach Österreich. - 2) Dorf im Kreis Cottbus des preuß. Reg.-Bez. Frankfurt, südöstlich von Cottbus, hat (1890) 451 evang. E. und ein Schloß des Fürsten Pückler-Muskau mit Park, seit 1871 im Besitz des Grafen Heinrich Pückler.

Branka, die früher im russ. Polen übliche gewaltthätige Rekrutenaushebung, wobei die waffenfähigen Männer nachts von Bewaffneten gebunden hinweggeführt wurden.

Branken (vom franz. branche, "Arm") oder Branten (Pranken, Pranten), Vordertatzen des Bären; Zehen des Wolfes, Fuchses und Luchses.

Brankowitsch (Branković), altserb. Dynastie, Nachkommen des Sebastokrators Branko, der unter dem Zaren Duschan Ochrida in Macedonien verwaltete. Dessen Sohn Wuk B. (gest. 1398) erscheint bei dem Verfall des serb. Reichs als Teilfürst in der Umgebung von Pristina; sein angeblicher Verrat in der Schlacht auf dem Amselfelde (s. d., 1389) entbehrt des histor. Beweises. In seinem Gebiet behauptete