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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Braun (Alexander) - Braun (Jul.)

lerei, für Anstriche u. s. w. dienen Umbra, Casseler und Kölnische Erde (Braunkohle), Terra di Siena (s. Bolus), brauner Ocker, Braunstein, Bister (fein präparierter Glanzruß von Holzfeuerungen), Sepia, Mumie, Asphalt, sodann mannigfaltige Mischungen aus roten, gelben, schwarzen, blauen Farben.

Braun, Alexander, Botaniker, geb. 10. Mai 1805 zu Regensburg, studierte zu Heidelberg Medizin, widmete sich sodann in München 1827-31 hauptsächlich der Botanik. Nach einem Aufenthalt in Paris 1831-32 wurde er 1833 als Professor der Botanik und Zoologie an die Polytechnische Schule zu Karlsruhe berufen, 1837 zum Direktor des großherzogl. Naturalienkabinetts und 1846 zum Professor der Botanik und Direktor des Botanischen Gartens an der Universität in Freiburg ernannt. 1850 ging er in gleicher Eigenschaft nach Gießen, 1851 nach Berlin, wo der Botanische Garten unter seiner Leitung bedeutende Erweiterungen und Verbesserungen erfuhr. Er starb 29. März 1877 in Berlin. B. schrieb: "Untersuchung über die Ordnung der Schuppen an den Tannenzapfen" (14. Bd. der "Abhandlungen der Leopoldinisch-Karolinischen Akademie", Bonn 1828), "Betrachtungen über die Erscheinung der Verjüngung in der Natur" (Lpz. 1851), "Über die Richtungsverhältnisse der Saftströme in den Zellen der Characeen" (Berl. 1852), "Das Individuum der Pflanze in seinem Verhältnis zur Species" (ebd. 1853), "Algarum unicellularium genera nova et minus cognita" (Lpz. 1855), "Über Chytridium" (Berl. 1856), "Über Parthenogenesis bei Pflanzen" (ebd. 1857), "Über Polyembryonie und Keimung von Caelebogyne" (ebd. 1860), "Über die Isoëtesarten der Insel Sardinien" (in den "Berichten der Königl. Preußischen Akademie der Wissenschaften", ebd. 1864), "Die Characeen Afrikas" (ebd. 1868), "Neuere Untersuchungen über die Gattungen Marsilia und Pilularia." (ebd. 1870 u. 1872) u. s. w. Sein Denkmal im Botanischen Garten zu Berlin (Bronzebüste von Schaper) wurde 17. Juni 1879 enthüllt.

Braun, Alexander Karl Herm., sächs. Staatsmann, geb. 10. Mai 1807 in Plauen, studierte zu Leipzig die Rechte und wurde 1839 in die sächs. Zweite Ständekammer gewählt, wo er sich der liberalen Opposition zugesellte. Besonders trat er als Berichterstatter über den Entwurf einer neuen Strafprozeßordnung energisch für Einführung des öffentlichen und mündlichen Verfahrens ein. Er unternahm dann eine Reise nach Frankreich, England, Holland, an den Rhein und nach Württemberg, und veröffentlichte über das Gerichtsverfahren jener Länder einen "Rechenschaftsbericht: Hauptstücke des mündlich-öffentlichen Strafverfahrens mit Staatsanwaltschaft" (Lpz. 1845). Auf dem Landtage von 1845 ward er zum Präsidenten der Zweiten Kammer ernannt und stimmte mit der gemäßigten Linken. Am 16. März 1848 wurde er mit Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt. B. übernahm in demselben die Präsidentschaft und das Departement der Justiz, legte aber schon 24. Febr. 1849 diese Ämter nieder. Seit 1850 Amtshauptmann zu Plauen, starb er daselbst 24. März 1868.

Braun, Aug. Emil, Archäolog, geb. 19. April 1809 zu Gotha, widmete sich zu Göttingen dem Studium der Archäologie und Philosophie, lebte dann in München und Dresden und ging 1833 nach Berlin, von wo er Gerhard nach Rom folgte. Hier wurde er noch in demselben Jahre bei dem Institut für archäol. Korrespondenz zuerst als Bibliothekar, bald darauf als Sekretär angestellt und übernahm 1834 die Redaktion des "Bulletino" und 1837 die der "Annali" dieser Anstalt. Später richtete er daselbst auch eine galvanoplastische Anstalt ein; für den Glaspalast in Sydenham besorgte er eine große Anzahl von Abgüssen der bedeutendsten Kunstwerke. B. starb 12. Sept. 1856 zu Rom. Er veröffentlichte "Il guidizio di Paride" (2. Aufl., Par. 1838), "Die Kunstvorstellungen des geflügelten Dionysos" (Münch. 1839), "Tages und des Hercules und der Minerva heilige Hochzeit" (ebd. 1839), "Antike Marmorwerke" (Dekade 1 u. 2, Lpz. 1843), "Die Schale des Kodros" (Berl. 1843), "Die Ficoronische Ciste" (Lpz. 1850), "Griech. Götterlehre" (2 Bücher, Gotha 1850-54), "Die Vorschule der Kunstmythologie" (ebd. 1854, mit 100 Kupfern), die von Grant auch englisch (ebd. 1856) bearbeitet ward; "Die Ruinen und Museen Roms" (Braunschw. 1853; auch englisch), ein vortrefflicher Führer für Fremde, Künstler und Altertumsforscher.

Braun, Joh. Wilh. Jos., kath. Theolog, geb. 27. April 1801 zu Gronau bei Düren, studierte seit 1821 in Bonn Theologie und Philosophie, hielt sich dann in Wien, wo er 1825 die Priesterweihe empfing, und in Rom auf, habilitierte sich 1828 zu Bonn für Kirchengeschichte und Exegese, wurde 1829 außerord. und 1833 ord. Professor. Er war ein eifriger Vertreter der theol. Richtung seines Lehrers Hermes. 1832 begründete er mit Achterfeldt, Droste-Hülshoff u. a. die 1852 eingegangene "Zeitschrift für Philosophie und kath. Theologie". 1837 reiste er mit Elvenich (s. d.) nach Rom, um die Zurücknahme des päpstl. Verdammungsdekrets gegen Hermes zu bewirken, doch ohne Erfolg. (Vgl. Meletemata theologica [Hannov. 1838] und Acta Romana [ebd. 1838], beide hg. von B. und Elvenich.) Der Erzbischof Geißel untersagte ihm 1844 die Ausübung seines Lehramts; er behielt aber seine Professur bis zu seinem Tode. 1848 war er Mitglied der Deutschen Nationalversammlung zu Frankfurt, später des Unionsparlaments zu Erfurt, 1852-62 des preuß. Abgeordnetenhauses. Er starb 30. Sept. 1863 in Bonn. Von seinen Schriften verdienen Erwähnung: "Die Lehren des sog. Hermesianismus über das Verhältnis der Vernunft zur Offenbarung" (Bonn 1835), "Justini martyris apologiae" (mit lat- Kommentar, ebd. 1830; 2. Aufl. 1860), "Deutschland und die Nationalversammlung" (1849; 2. Aufl. 1850), "Die Kapitole" (anonym; Bonn 1849), "Raffaels Disputa" (Düsseld. 1859).

Braun, Jul., Kunst- und Kulturhistoriker, geb. 16. Juni 1825 in Karlsruhe, studierte seit 1843 in Heidelberg und Berlin erst Theologie, dann Kultur- und Kunstgeschichte. Von 1850 an unternahm er Reisen durch Italien und den Orient, an die sich ein Aufenthalt in Paris und London anschloß. 1853 habilitierte sich B. an der Universität zu Heidelberg, ging 1860 nach Tübingen als außerord. Professor, von da 1861 nach München, wo er später an der Kunstakademie Vorträge hielt und 22. Juli 1869 starb. In seinen Werken: "Studien und Skizzen aus den Ländern der alten Kultur" (Mannh. 1854), "Geschichte der Kunst in ihrem Entwicklungsgange durch alle Völker der Alten Welt hindurch auf dem Boden der Ortskunde nachgewiesen" (2 Bde., Wiesb. 1856-58; neue Ausg. 1873), "Naturgeschichte der Sage" (2 Bde., Münch. 1864-65), vertritt er die Ansicht, die gesamten religiösen und künstlerischen Anschauungen der semit., griech., ital. und nordischen