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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Braunschweiger Mumme; Braunschweigerblau; Braunschweigergrün; Braunschweigische Eisenbahnen

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Braunschweigerblau - Braunschweigische Eisenbahnen

Nordwestdeutschen Eisen- und Stahl-, der 5. Sektion der Leinen-, der 3. Sektion der Hannoverschen Baugewerks-, der 36. Sektion der Fuhrwerksberufsgenossenschaft und der 5. Sektion der Berufsgenossenschaft für Feinmechanik.

Die 1498 gestiftete Messe (jährlich zweimal) ist bedeutend für Leder, Tuch, Baumwoll- und Kurzwaren. In B. bestehen eine Handelskammer für das Herzogtum, die 1853 gegründete Braunschweigische Bank, eine Reichsbankstelle (Gesamtumsatz 1892: 655 Mill. M.), eine Kreditanstalt (Reingewinn 1891: 507 022 M.), die Braunschweig-Hannoversche Hypothekenbank (1891: 566 602 M. Gewinn, 5½ Proz. Dividende) mit Sparkasse (576 602 M.), herzogl. Leihhausanstalt, Kredit- und Sparverein, ferner eine Lebensversicherungsanstalt, Allgemeine Sterbekasse, Beerdigungskasse, Viehversicherungsanstalt, Kaiser-Wilhelms-Spende.

Verkehrswesen. B. hat drei Bahnhöfe und liegt an den Linien B.-Seesen (67 km, Nordbahnhof und Westbahnhof) der Braunschw. Landeseisenbahn und B.-Wolfenbüttel-Jerxheim (41,30 km), B.-Meine (15 km) und B.-Helmstedt (38,80 km) der Preuß. Staatsbahnen, welchen letztern der Staatsbahnhof im Süden der Stadt dient. Auf der Staatsbahn (Haupt- und Ostbahnhof, letzterer nur für Güter) kamen (1890/91) an 472 050 t Fracht- und Eilgüter, es gingen ab 162 021 t, 4059 Stück Großvieh, 10 209 Stück Kleinvieh. Die Braunschw. Landeseisenbahn beförderte (1891) 363 024 Personen, 386 059 t Güter, 1512 Ladungen Vieh. Die vier Linien der Straßenbahn (seit 1. Sept. 1881) haben 12,970 km Gleise und beförderten (1892) zusammen 1 979 205 Personen.

B. hat ein Postamt erster Klasse mit 3 Zweigstellen sowie ein Telegraphenamt. Der Post-, Telegraphen- und Bahnverkehr ist sehr lebhaft. 1892 betrug die Einnahme an Porto- und Telegrammgebühren 1 314 776 M. Es gingen ein: Briefe, Postkarten, Drucksachen und Warenproben 7 761 104 Stück, Pakete ohne Wertangabe 479 043, desgleichen mit Wertangabe 14 829, Briefe mit Wertangabe 46 293. Abgesandt wurden Briefe u. s. w. 19 198 790, Pakete ohne Wertangabe 599 968, desgleichen mit Wertangabe 10 343, desgleichen Briefe 34 239 Stück. Auf Postanweisungen wurden eingezahlt 20 666 563 M., ausgezahlt 31 712 245 M. Zeitungsnummern wurden abgesetzt 4 712 355. Telegramme gingen ab 109 698, liefen ein 114 489. Ende 1892 waren 586 Sprechstellen im Betrieb; B. ist mit 25 andern Orten verbunden.

Vergnügungsorte und Umgebung. Beliebte Vergnügungsorte sind die etwa 3 km entfernten Gehölze Buchhorst mit Grünen Jäger und von Pawelsches Holz, der Nußberg, Thieder Lindenberg, die umliegenden Dörfer Olper, Gliesmarode, Querum, Riddagshausen, Melverode; ferner die mittels Eisenbahn leicht zu erreichende Asse, der Elm, weiter entfernt auch der Harz (Harzburg).

Geschichte. Nach einer alten Überlieferung soll die Erbauung der Burg Dankwarderode auf dem linken Ockerufer 861 den ersten Anlaß zur Entstehung eines größern Anbaues auf dem Besitztum der den Ludolfingern verwandten Brunonen gegeben haben. Urkundlich wird eines Ortes unter dem Namen Bruneswik, der erwähnten Burg gegenüber, zuerst 1031 gedacht. Stadtrecht erhielt B. durch Heinrich den Löwen, welcher die Befestigung der heranwachsenden Stadt begann. Seit dem 13. Jahrh. blühte sie als Mitglied der Hansa (seit 1247) noch höher auf und wurde eine Quartierstadt derselben; sie kaufte von dem Fürsten die Münze, den Zoll und fast alle Regalien in ihren Stadtmauern und pfandweise die Gerichte Eich, Asseburg, Campen, Wendhausen und Neubrück. Unter wiederholten Fehden zwischen dem Rate und den Gilden sicherte sich die Stadt mehrmals und noch nach einer blutigen Fehde mit Herzog Heinrich dem Jüngern in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. durch vorteilhaften Frieden eine gewisse Unabhängigkeit. Dabei kam ihr der frühe Übertritt zur Reformation (1528) und der Beistand des Schmalkaldischen Bundes zu statten. Als aber im 17. Jahrh. die Hansa immer mehr in Verfall geriet, sank auch B. Es geriet, besonders infolge des Dreißigjährigen Krieges (Abkaufung Tillys, Pappenheims u. s. w.) in eine drückende Schuldenlast, worüber Rat und Bürgerschaft sich immer mehr verfeindeten. Herzog Rudolf August benutzte diese Verhältnisse und unterwarf sich 1671 B., unter Beistand der übrigen Linien, denen bis dahin die Mitherrschaft über die Stadt gehörte. Die Verwaltung des städtischen Vermögens (sog. großen Stadtärars) wurde zunächst einer Kommission überwiesen, von welcher sie an die herzogl. Kammer überging. Die seit jener Zeit zwischen Regierung und Stadt bezüglich der städtischen Besitzungen bestehenden Differenzen wurden durch Vertrag vom 1./10. Aug. 1858 beseitigt und damit der städtischen Vermögensverwaltung eine feste Grundlage gegeben. Die Stadt war seit 1753 beständige Residenz der Herzöge. Unter der westfäl. Herrschaft war sie 1807-13 zweite Residenz dieses Königreichs. Seit 1885 ist B. Residenz des Regenten Prinz Albrecht von Preußen.

Vgl. Schröder und Aßmann, die Stadt B., ein histor.-topogr. Handbuch (Braunschw. 1841); Sack, Kurze Geschichte der Stadt B. (ebd. 1861); Heusinger, Geschichte der Residenzstadt B. von 1806 bis 1831 (ebd. 1861); Die Chroniken der niedersächs. Städte, Bd. 1 u. 2 (Lpz. 1868-80); Urkundenbuch der Stadt B., hg. von Hänselmann (Bd. 1 in 3 Abteil., Braunschw. 1862-73); Dürre, Geschichte der Stadt B. im Mittelalter (ebd. 1875); Knoll, B. und Umgebung (2. Aufl., ebd. 1881); Führer durch die Stadt B. (ebd. 1884).

Braunschweigerblau, s. Kupferoxyd.

Braunschweigergrün oder Bremergrün ist eine grüne aus basisch-kohlensaurem Kupfer und Kupferoxychlorid bestehende Farbe, die man erhält, indem man Kupferblech, mit Kochsalz und Schwefelsäure gemischt, so lange der Luft aussetzt, bis es zum größten Teil in hellgrünes basisches Kupferchlorid verwandelt ist, letzteres wird von den Kupferresten durch Schlemmen getrennt und mit einer Lösung von Pottasche oder Soda versetzt, bis kein Aufbrausen mehr stattfindet. Der durch Waschen von anhängenden Salzen befreite Niederschlag erscheint nach dem Trocknen hellblau, nimmt aber beim Anmischen mit Öl eine grüne Farbe an. Das im Handel vorkommende B. ist basisch kohlensaures Kupfer, das durch Umsetzung von Kupfervitriol und kohlensaurem Natrium gewonnen wird und dem zuweilen noch Schweinfurtergrün beigemengt ist.

Braunschweiger Mumme, s. Mumme.

Braunschweigische Eisenbahnen, 1885 von Preußen verstaatlichtes Privatunternehmen, dessen Aktien bereits mit dem Erwerb der Berlin-Potsdam-^[folgende Seite]