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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Brechnuß; Brechreiz; Brechruhr; Brechstange; Brechung

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Brechnuß - Brechung (der Lichtstrahlen)

nischen Herzfehlern sowie bei allen Schwächezuständen kann das B. die gefährlichsten Zufälle herbeiführen. Auch wird es oft mißbraucht, um Abortus hervorzurufen. Es ist daher den Apothekern verboten, B. ohne ärztliche Anordnung zu verabreichen.

Brechnuß nennt man: 1) die Samen von Jatropha curcas L., einem Baume Westindiens und Südamerikas (s. Jatropha); 2) die Samen von Strychnus nux vomica L., einem auf der Küste von Koromandel in Ostindien und auf Ceylon einheimischen Baume. (S. Strychnos und Tafel: Contorten, Fig. 5.)

Die Samen der Jatropha, in der Pharmacie unter dem Namen Semen Cucadis oder Ricini majoris, Nuces catharticae americanae oder Barbadensis bekannt, sind 20-25 mm lang, 6-8 mm breit und dunkelbraun, fast schwarz, hell gesprenkelt, den Ricinussamen sehr ähnlich. Ihr öliger Kern schmeckt anfangs mild, bald aber äußerst kratzend; er wirkt drastisch purgierend und brechenerregend. In Amerika kocht man die Samen mit Wasser und gewinnt dadurch ein fettes Öl, das Oleum infernale oder Ricini majoris, das ähnlich wie Krotonöl wirkt und oft zur Verfälschung des Ricinusöls gebraucht werden soll.

Bekannter und für die Medizin wichtiger ist die B. von Strychnus nux vomica L., sog. Krähenauge (Semen Strychni, nux vomica). Eine solche ist 20-25 mm breit und lang und 3-4 mm dick, fast kreisrund, platt, von kleinen, angedrückten Haaren hellgrau oder gelblichgrau, seidenglänzend und weich anzufühlen, auf der Mitte der untern Seite genabelt und deshalb einem Krähenauge etwas ähnlich. Sie enthält drei äußerst giftige Alkaloide: Strychnin, Brucin und Igasurin; das Vorhandensein des letztern wird durch neuere Untersuchungen in Frage gestellt, dagegen fand man ein Glycosid, Loganin. Die Alkaloide der B. gelangen, eingenommen, schnell ins Blut und bewirken heftige Konvulsionen, Kinnbackenkrampf, Starrkrampf, sowie anhaltende Biegung des Kopfes und der Wirbelsäule nach hinten, indem sie das Rückenmark sehr stark angreifen. Die Anfälle setzen aus, kehren aber bald mit verdoppelter Heftigkeit wieder, bis endlich, je nach der Menge des genossenen Gifts, schon nach 6-10 Min., oder erst nach 1/2-1 Stunde, unter immer kürzer und oberflächlicher werdendem Atem, unregelmäßigem, aussetzendem Pulse und bläulichroter Färbung der Lippen und Haut der Tod eintritt. Rettung ist allein möglich, wenn unmittelbar nach dem Genusse des Gifts dasselbe durch ein starkes Brechmittel oder durch die Magenpumpe wieder aus dem Körper entfernt werden kann, bevor es ins Blut übergeht. Als direkte Gegengifte des noch im Magen befindlichen Strychnins dienen die Gerbsäure und gerbsäurehaltige Stoffe, die mit Strychnin eine im Wasser schwer lösliche Verbindung geben. Die Krähenaugen werden zu Vergiftungen schädlicher Tiere gebraucht, sind das Rohmaterial für die Darstellung des Strychnins und werden auch in der Medizin (als wässeriges und weingeistiges Ertrakt, Extraktum Strychni aquosum und Spirituosum, und als weingeistige und ätherische Tinktur, Tinctura Strychni und Tinctura Strychni aethera) angewandt. In kleinen Gaben verordnet man sie bei Muskelschwäche, Lähmungen, geschwächtem Sehvermögen, Störungen des Magens und Darmkanals. Extractum Strychni spirituosum und Tinctura Strychni (aus 1 Teil B. und 10 Teilen verdünntem Weingeist) sind offizinell. B. gelangen aus Bombay, Cochin, Kalkutta, Madras, Kambodscha in Säcken von etwa 50 kg Inhalt in den Handel. Der Alkaloidgehalt schwankt zwischen 2,74 Proz. (Madras) bis 3,9 Proz. (Bombay). Am reichhaltigsten sollen die B. von Ceylon sein (4-5 Proz.), sie kommen aber selten in den europ. Handel.

Brechreiz (Nausea) entsteht durch Überladung des Magens, durch entzündliche oder nervöse Affektionen desselben, durch starke Erkältung, Hunger, Kitzeln des weichen Gaumens vermittelst einer Federpose oder des Fingers, durch ungenügende Gaben von Brechmitteln und manche andere Ursachen. Danach muß natürlich auch die Behandlung eine verschiedene sein. Während in manchen Fällen längeres Fasten den vorhandenen B. am sichersten beseitigt, ist in andern die Darreichung eines Brechmittels, in wieder andern die Anordnung der narkotischen Mittel (Morphium, Bittermandelwasser) am Platze. Mitunter sind auch kohlensäurehaltige Getränke (Brausepulver, Sodawasser, eiskalter Champagner), oder ätherisch-ölige Mittel (z.B. Pfefferminze, Baldrian, Pomeranzen, auch schwarzer Kaffee), oder säuretilgende Mittel (doppeltkohlensaures Natron, Magnesia) von gutem Erfolge.

Brechruhr, s. Cholera.

Brechstange, s. Hebeisen.

Brechung der Lichtstrahlen (Refraktion) nennt man die Ablenkung, welche die Lichtstrahlen in ihrer Richtung erleiden, wenn sie aus einem durchsichtigen Körper oder Mittel in einen andern übergehen, z. B. aus Luft in Wasser (s. beistehende Fig. 1). ^[img] Denkt man sich auf der Trennungsebene der beiden durchsichtigen Körper in dem von dem Lichtstrahle getroffenen Punkte n eine Senkrechte nd errichtet, die das Einfallslot genannt wird, so heißen die beiden Winkel, die der Lichtstrahl vor und nach der B. mit diesem Lote bildet, der Einfallswinkel i und der Brechungswinkel r. Die Gesetze, nach denen die B. in isotropen Körpern stattfindet, sind folgende: 1) Der Strahl bleibt auch nach der B. in der durch das Einfallslot und den einfallenden Strahl gelegten Ebene (Brechungsebene oder Einfallsebene). 2) Beschreibt man um den Auffallpunkt n des Strahls einen Kreis mit dem Radius Eins und fällt man von den Punkten a und b, in denen der Kreis den einfallenden Strahl l und den gebrochenen s schneidet, die Senkrechten ad und bf auf das Einfallslot, so ist jede jener gezogenen Senkrechten ad und bf gleich dem Sinus des gegenüberliegenden Winkels, hier der Winkel i und r. Wie nun auch die Größe des Einfallswinkels sich ändern mag, so bleibt das Verhältnis zwischen dem Sinus des Einfalls- und dem Sinus des Brechungswinkels immer dasselbe, solange es sich um die gleichen Stoffe handelt. Dieses Verhältnis sin i/sin r = n nennt man den Brechungsexponenten. Beim Übergang aus