Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

481

Brechwurzel - Breda

und Geschwüre bewirkt der B., wenn man ihn äußerlich in die Haut einreibt. Derselbe dient daher zur Bereitung der sog. Autenriethschen Pocken- oder Pustelsalbe und des Brechweinsteinpflasters, welche zu den kräftigsten, aber auch schmerzhaftesten Ableitungsmitteln gehören. In großen Gaben ist B. ein ätzendes Gift. Gegenmittel sind Gerbsäuren, die mit dem B. unlösliches gerbsaures Antimonoxyd bilden, daher Abkochungen des chines. Thees, der Eichenrinde, des Kaffees, eine Lösung von Tannin u. dgl. Wie die meisten Antimonpräparate erhält auch der B. zuweilen geringe Mengen von Arsen, wenn bei der Bereitung hierauf nicht Rücksicht genommen ist. - In der Färberei dient der B. in großer Menge als Beizmittel. Diese Wirkung des B. beruht wie die aller antimonhaltigen Beizen darauf, daß das Antimonoxyd sich in Verbindung mit Tannin auf der Faser als Antimonoxydlack niederschlägt, der die Farbstoffe auf der Faser befestigt. - Wert 220 M. der Doppelcentner.

Brechwurzel, s. Cephaëlis.

Breckenridge (spr. -ridsch), John Cabell, nordamerik. Staatsmann und General, geb. 21. Jan. 1821 in der Nähe von Lexington, wurde 1851 in den Kongreß gewählt und war 1857-61 Vicepräsident unter der Präsidentschaft Buchanans. 1860 wurde er von den Demokraten der südlichsten Staaten als ihr Kandidat bei der Präsidentschaftswahl aufgestellt, unterlag aber Lincoln. Beim darauffolgenden Ausbruch des Bürgerkrieges wurde B. in der Armee der Konföderierten Generalmajor. Er wurde Aug. 1861 bei einem Angriff auf Baton Rouge zurückgeschlagen, befehligte Ende 1862 ein Korps unter Bragg am Stone-River und Sept. 1863 am Chickamauga, schlug Mai 1864 Sigel bei Newmarket, rückte mit Early Juli desselben Jahres auf Washington vor und teilte im September dessen Niederlage bei Winchester. Jan. 1865 wurde er von Davis zum Staatssekretär des Kriegsdepartements ernannt. Nach dem Kriege lebte er zurückgezogen und starb 17. Mai 1875.

Breckerfeld, Stadt im Landkreis Hagen des preuß. Reg.-Bez. Arnsberg, in 352 m Höhe, an der Nebenlinie Hagen-Lüdenscheid der Preuß. Staatsbahnen (Station 6 km entfernt), hat (1890) 1626 E., darunter 137 Katholiken, Post, Telegraph, evang. und kath. Kirche, Rektoratsschule; Fabrikation von Eisen- und Stahlwaren. Die Landgemeinde B. umfaßt 6480 E. in 4 Gemeinden, darunter Alten-Breckerfeld mit 120 E., Hammerwerk, Feilen- und Schloßfabrik.

Brecknock oder Brecon. 1) Grafschaft im südl. Teile des engl. Fürstentums Wales, begrenzt im W. von Cardigan und Caermarthen, im S. von Glamorgan, im O. von Monmouth und Hereford, im NO. von Radnor, hat auf 1862,12 qkm (1891) 57 031 E., was eine Abnahme von 1,2 Proz. gegen 1881 bedeutet. Das Land ist gebirgig und hat tiefeingeschnittene Thäler. Die Mynydd-Epynt-Berge liegen im N., das Thal des Usk trennt sie von der südl. Gebirgskette, in der die Capellante 710 m und die Brecknock-Beacons 872 m hoch emporsteigen. An der Ostgrenze erhebt sich die Gebirgsmasse des Cradle bis zu 810 m. Das Klima ist rauh, besonders im Gebirge, wo viel Schnee und Regen fällt. Die fruchtbarsten Distrikte liegen im Osten. Kleines Hornvieh, Ponies und Schafe gedeihen gut. Etwa 49 Proz. sind Grasland, 14 Ackerland, 4 Wald, 9 Gärten und Gebäude, 25 Proz. unbenutzte Gemeindeländereien. Der Bergbau erstreckt sich auf Eisen (jährlich 50 000 t. Roheisen) und etwas Steinkohlen; die Industrie auf Verfertigung von Flanell und groben Tuchen. Außer der Hauptstadt B. sind wichtig Llanelly, Builth, Crickhowel und Hay. B. hat einen Abgeordneten im Parlament. - 2) Hauptstadt der Grafschaft B., Municipalborough, an der Mündung des Honddu in den Usk, hat (1891) 5794 E., ein Stadthaus, eine St. Johnskirche in frühgot. Stil, Lateinschule Christ's College, und eine Schloßruine (Ely Tower). Industrie und Handel sind unbedeutend. B. ist wahrscheinlich röm. Ursprungs.

Břeclava (spr. brschézlawa), czech. Name der Stadt Lundenburg in Mähren.

Brecon (spr. breck'n), engl. Grafschaft, s. Brecknock.

Breda, Festung in der niederländ. Provinz Nordbrabant, am Zusammenfluß der schiffbaren Mark und der Aa gelegen, an den Linien Rotterdam-B., Venlo-B. und Rozendaal-B. der Niederländ. Staatsbahnen, hat (1890) 22 549 E., einen geräumigen Hafen, einige ansehnliche Plätze, ein Rathaus nebst Bibliothek, ein Regierungs- und Justizgebäude, mehrere Kirchen, unter denen die got. Kathedrale, deren Chor 1410 vollendet wurde, durch ihren 95 m hohen Turm, zwei ausgezeichnete Orgeln, die Grabmäler ehemaliger Dynasten B.s, besonders aber durch das prächtige Grabmal des Grafen Engelbert II. von Nassau und seiner Gemahlin ausgezeichnet ist, sowie bedeutende Tuch-, Teppich- und Cigarrenfabriken. - Das alte Schloß, zuerst errichtet 1350 von Jan von Polanen, Herrn von B., ward 1536 von Heinrich, Grafen von Nassau, neu aufgeführt und erhielt von Wilhelm III. 1696 seine gegenwärtige Gestalt. Es war eine Zeit lang Wohnsitz des vertriebenen Königs Karl II. von England und ward 1828 in eine königl. Militärakademie für alle Waffen umgeschaffen. Die jetzt geschleifte Festung, deren Hauptstärke in der leicht unter Wasser zu setzenden Umgebung lag, wurde unter Heinrich von Nassau 1534 angelegt und war seitdem häufig das Kampfobjekt zwischen den Niederländern, Spaniern und Franzosen. Am merkwürdigsten waren die Überrumpelungen durch die Niederländer 1577, durch die Spanier 1581 und durch Moritz von Oranien 1590 mittels eines Torfschiffs, in welchem man 70 Niederländer verborgen hatte. Spinola eroberte B. 1625 nach zehn-, und Friedrich Heinrich von Oranien 1637 nach viermonatiger Belagerung, worauf die Befestigung verstärkt und die Citadelle angelegt wurde. Während des Revolutionskrieges bemeisterte sich 25. Febr. 1793 Dumouriez der Stadt und Festung, wurde aber durch die bei Neerwinden 18. März verlorene Schlacht genötigt, 4. April B. wieder aufzugeben. Im Sept. 1794 wurde die Festung von der Armee Pichegrus berannt; doch fiel sie erst, nachdem ganz Holland im Winter 1795 erobert war. Als im Dez. 1813 bei der Annäherung der russ. Avantgarde unter Benkendorff die franz. Garnison einen Ausfall machte, machte die Bürgerschaft den ausgezogenen Truppen die Rückkehr in die Festung unmöglich; auch mißlang der Versuch der Franzosen, 20. und 21. Dez. dieselbe von Antwerpen aus wiederzunehmen. Das Kompromiß von B., ein Vertrag des niederländ. Adels unter Führung Brederodes, Karls von Mansfeld und Ludwigs von Nassau zur Bekämpfung des span. Einflusses und der Inquisition, wurde Febr. 1566 unterzeichnet und bildet den Beginn des niederländ. Aufstandes gegen Spanien. Zu B. wurden zwei Kongresse gehalten-, der erste 1575, zwi-^[folgende Seite]