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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Breslau (Stadt)

255 601 M. Vermögen), Handlungsdienerinstitut (1108 Mitglieder).

Verkehrswesen. B. hat 4 Bahnhöfe und liegt an den Linien B.-Grenze-Halbstadt (100,39 km), B.-Glogau-Cüstrin-Stettin (352,4 km, die im Freiburger Bahnhof münden), B.-Liegnitz-Sagan-Berlin (329,2 km). bez. B.-Liegnitz-Kohlfurt-Berlin (359,9 km, Märkischer und Oberschlesischer Centralbahnhof), B.-Posen-Stargard (336,8 km), B.-Mittelwalde-Grenze (129,90 km), B.-Ströbel (40,2 km) und B.-Cosel-Oderberg, bez. Oswiecim (277,4 km, Oberschlesischer Centralbahnhof), B.-Oels-Sosnowice (214,4 km) und B.-Hundsfeld-Trebnitz (26,5 km, Märkischer und Oderthor-Bahnhof) der Preuß. Staatsbahnen; ferner besteht eine Güterbahn (1 km) von B.-Oderthor nach Oderhafen und eine solche nach der Verladestelle bei Pöpelwitz an der Oder, sowie eine Verbindungsbahn zwischen den einzelnen Bahnhöfen. Eine neue viergleisige Verbindungsbahn zur Umleitung durchgehender Güterzüge auf der Südseite der Stadt befindet sich im Bau. Demnächst soll auch die Verbindungsbahn für den Personenverkehr umgebaut und das Empfangsgebäude des Oberschlesischen Centralbahnhofs erweitert werden. Die Pferdebahn (seit 1877) hatte 1891 27,306 km Betriebslänge, 86 Wagen, 337 Pferde und beförderte 8 202 343 Personen; das Aktienkapital betrug 2 Mill. M., Einnahme 908 841 M., Dividende 7 Proz. Die elektrische Straßenbahn (Gesamtbetrieb eröffnet 1.Juli 1893) hat 17,66 km Betriebslänge, 40 Motor- und 20 Anhängewagen und befährt die Linien Scheitnig-Sonnenplatz-Gräbschen und Scheitnig-Sonnenplatz-Morgenau. Kapital: 3 150 000 M.

Post und Telegraph. B. hatte Ende 1891 30 Post-, 16 Telegraphenanstalten (einschließlich Pöpelwitz und den 3 Bahnpostämtern) und 270 Briefkästen; die Zahl der eingegangenen Briefe, Postkarten, Drucksachen und Warenproben betrug 26 472 498, Pakete ohne Wertangabe 1 597 785, Briefe und Pakete mit Wertangabe 226 162, Postnachnahmesendungen und Aufträge 129 548; auf Postanweisungen wurden ausgezahlt 120,245 Mill. M., eingezahlt 49 Mill. M.; die Zahl der aufgegebenen Briefe, Postkarten u. s. w. 38 110 930, der Briefe und Pakete mit Wertangabe 47 772. Der Telegrammverkehr umfaßte 829 831 Stück (im Eingang 43 342, im Ausgang 396 411). Die Fernsprecheinrichtung (seit 1. Sept. 1881) hat ein Leitungsnetz von 1329 km und 1574 Stadtfernsprechstellen (4 542 603 Verbindungen).

Der Schiffsverkehr wird in Ermangelung eines Oderhafens durch Verladevorrichtungen und Schienengleise nach den Bahnhöfen vermittelt. Die Gesamtfrequenz stellt sich (1891) auf 9832 beladene Kähne mit 1 310 702 t Ladung, darunter Steinkohlen (800 000 t), Zucker, Getreide, Ziegel, Eisen, Düngemittel, Mehl, Petroleum, Spiritus und Erze; der Floßverkehr beträgt (1891) 51 000 Stämme. Ein Umschlagsverkehr findet statt in Pöpelwitz, im Hafen der Rechten Oderuferbahn und dem der Frankfurter Gütereisenbahngesellschaft. Ferner bestehen 2 Dampferlinien für Personenbeförderung, so flußaufwärts von der Sandbrücke aus nach dem Zoologischen Garten, Zedlitz und dem Oderschlößchen (1891: 188 200 beförderte Personen); flußabwärts von der Königsbrücke aus nach Pöpelwitz, Oswitz, Maselwitz und Ohlau.

Umgebung. Außer dem erwähnten Promenadengürtel dienen noch die meisten der öffentlichen Plätze mit ihren Parkanlagen und die Umgebung der Erholung und dem Vergnügen, so der schöne Botanische Garten (s. oben) in der Sandvorstadt, der großartige Scheitniger Park, an einem Oderarm stromauf, der Eichenpark in Pöpelwitz, vor dem Nikolaithor (westl.) und der Zoologische Garten im O. der Stadt. Einige Kilometer von B. bei Kanth liegt das Dorf Krieblowitz, wo Blücher 12. Sept. 1819 starb und unter 3 Linden begraben wurde. Sein Grab ist jetzt durch eine Grabkapelle aus Granit geschmückt.

Geschichte. Die Anfänge von B. knüpfen sich an die bischöfl. Kirche (1000) und an die herzogl. Burg (1017), welche beide auf die Dominsel, als den ältesten Kern der Niederlassung, weisen. Dieselbe war sowohl nach der Bevölkerung wie nach der Ortsanlage ursprünglich polnisch und entwickelte sich im 11. und 12. Jahrh. hauptsächlich unter dem Schutze der Kirche. Zuerst entstanden die großen Stifter zu Unserer Lieben Frauen auf dem Sande und zu St. Vincenz auf dem rechten Oderufer, dann ging die Ansiedelung auf das linke Ufer hinüber, die Oder abwärts und die ursprünglich der Sandinsel gegenüber mündende Ohlau aufwärts. An der Oder bildete sich eine deutsche Kolonie mit geschlossenem Kaufhaus, an der Ohlau eine wallonische, teilweise aus Webern bestehend. Erst die Niederbrennung der linksuferigen Ansiedelungen durch die Mongolen 1241 gab Raum zur Bildung einer Stadt zu deutschem Recht mit dem Ring als Mittelpunkt. Dieselbe erhielt 1261 das Magdeburger Recht, sie sog die wallon. und poln. Elemente bald völlig auf. Durch die Vermittelung Friedrich Barbarossas hatte Schlesien 1163 eigene poln. Herzöge erhalten; dieselben germanisierten sich rasch, voran die Breslauer Linie. Im 14. Jahrh. kamen sie alle unter die Lehnshoheit der böhm. Luxemburger; 1335-1741 stand B. unmittelbar unter der Krone Böhmen. Es entwickelte sich jetzt rasch zu einem mächtigen deutschen Handelsplatz an der Pforte des slaw. Ostens. Neue Straßen legten sich um den ältesten Stadtkern, um den künstlich die Ohlau gezogen worden war, und wurden in weitem Umkreis von einer zweiten Mauer eingeschlossen. Das herrliche Rathaus, die großen Kirchen wurden im 14. Jahrh. begonnen, im 15. vollendet. Die innere Verfassung entwickelte sich unter heftigen Kämpfen, die in dem Aufstand von 1418 ihren Höhepunkt erreichten, zu einem aristokratischen Regimente des Kaufmanns. Aber die Hussitenkriege und ihre Nachwirkungen trennten Schlesien und namentlich B., das durchaus zum geistigen und polit. Mittelpunkte des Landes emporgewachsen war, innerlich von dem wieder slawisierten Böhmen; in leidenschaftlicher Feindseligkeit gegen das hussit. Czechentum trieb die Stadt jahrzehntelang hohe Politik, um sich schließlich aus Haß gegen den Czechen Georg von Podiebrad dem Magyaren Matthias Corvinus in die Arme zu werfen. 1527 kam sie mit dem übrigen Schlesien unter die Herrschaft des Hauses Habsburg. Damals hatte sie bereits in raschem Eifer den Protestantismus eingeführt und behauptete ihn der habsburg. Hauspolitik zum Trotze durch alle Fährlichkeiten des 16. und 17. Jahrh. Doch blieb in den Vorstädten, die unter den großen geistlichen Stiftungen standen, der Katholicismus bestehen, und beide Konfessionen lebten sich leidlich nebeneinander ein. Auch bewahrte sie sich die innere Selbständigkeit, sogar die eigene Garnison und Freiheit von jeder österr. Ein-^[folgende Seite]