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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bret Harte; Breteuil; Bretigny; Břetislaw Ⅰ.; Breton

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Breteuil - Breton

spätern Franz Ⅰ. von Frankreich. Hierauf wurde das Herzogtum B. mit Einwilligung der Stände, nachdem ihnen die Aufrechterhaltung ihrer Gerechtsame versprochen worden, 1532 Frankreich einverleibt; doch behielt es bis zur Revolution einen eigenen Landtag. Während der Revolutionskriege war die B. der Schauplatz eines blutigen Bürgerkrieges gegen den Republikanismus, und noch 1832 tauchten hier Bewegungen zu Gunsten der ältern Bourbonen auf.

Litteratur. Lobinean und Morice, Histoire de B. (5 Bde., Par. 1707‒46); Roujoux, Histoire des rois et des ducs de B. (4 Bde., ebd. 1828‒29); de Kerorguen, Recherches sur les états de B. (2 Bde., ebd. 1875); Carné, Les états de B. et l’administration de cette province jusqu’en 1789 (2 Bde., 2. Aufl., ebd. 1875); Le Saint, La B. ancienne et moderne (2. Aufl., Limoges 1879); Dupuy, Histoire de la réunion de la B. à la France (2 Bde., Par. 1880); Rütimeyer, Die B. (Bas. 1882); Loth, L’émigration bretonne en Armorique (Par. 1883); Black, Normandy and Brittany (8. Aufl., Lond. 1884); Joanne, Bretagne (Par. 1886); B. Girard, La B. maritime (Rochefort-sur-Mer 1889).

Breteuil (spr. brĕtöj), Hauptstadt des Kantons B. (229,08 qkm, 14 Gemeinden, 9231 E.) im Arrondissement Evreux des franz. Depart. Eure, an einem Teiche und an der Linie Verneuil-Evreux der Franz. Westbahn, hat (1891) 1503, als Gemeinde 2210 E., Post, Telegraph, Eisengruben, Hochöfen und Fabriken für militär. Ausrüstungsgegenstände. B. wurde 1060 von Wilhelm dem Eroberer gegründet.

Breteuil (spr. brĕtöj), Henri Charles Joseph, Marquis Letonnelier de, franz. Politiker, geb. 17. Sept. 1848 in Paris, trat in die Armee ein, wurde 1875 Kapitän im Regiment Chasseurs à Cheval und nahm 1876 seinen Abschied, um sich ganz der Politik zu widmen. Seit 1877 Mitglied der Deputiertenkammer, schloß er sich den Monarchisten an und beteiligte sich namentlich an den Debatten über auswärtige Politik. Da er den vom Papst empfohlenen Anschluß an die republikanische Regierungsform nicht billigte, legte er Aug. 1892 sein Mandat nieder.

Breteuil (spr. brĕtöj), Louis Auguste le Tonnelier, Baron von, franz. Staatsmann, geb. 1733 zu Preuilly in Touraine, trat zuerst in Kriegsdienste und wurde 1758 von Ludwig ⅩⅤ. als Gesandter an den Hof des Kurfürsten von Köln geschickt. 1760 ging er als Gesandter nach Petersburg, dann nach Stockholm, wo er bei den wichtigen Verhandlungen des Reichstags von 1769 mit Erfolg für das Interesse der franz. Partei wirkte. Bald darauf wurde er Gesandter in Holland, dann in Neapel und 1775 in Wien. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich ward er 1783 Minister des königl. Hauses, milderte das ihm unterstehende Wesen der Staatsgefängnisse, zog sich jedoch als eifriger Verteidiger der absoluten Gewalt viele Gegner zu, sodaß er 1787 sein Amt niederlegen mußte. Nach Neckers Fall im Juli 1789, an dem er Anteil hatte, ward er wieder auf ganz kurze Zeit Minister. Als Ludwig ⅩⅥ. seinen Rat, sich mit den Truppen nach Compiègne zurückzuziehen, verwarf, verließ er Frankreich und ging nach Solothurn, wo er 1790 von dem Könige die Vollmacht erhielt, mit den auswärtigen Höfen über die Maßregeln zur Wiederherstellung des königl. Ansehens in Frankreich zu unterhandeln. Der Konvent setzte ihn deshalb in Anklagestand. Seit 1792 nahm B. seinen Aufenthalt in Hamburg, bis er 1802 die Erlaubnis zur Rückkehr nach Frankreich erhielt, wo er 2. Nov. 1807 starb.

Breteuil-sur-Noye (spr. brĕtöj ßür noá), Hauptstadt des Kantons B. (173,33 qkm, 23 Gemeinden, 11539 E.) im Arrondissement Clermont des franz. Depart. Oise, 30 km nordnordwestlich von Clermont, an der Linie Paris-Boulogne-Calais der Franz. Nordbahn, hat (1891) 2972, als Gemeinde 3108 E., Post, Telegraph; Fabrikation von Leder, Schuhzeug, Papier, Fayence und Ackerbaumaschinen. Dabei die Ruinen einer im 6. Jahrh. gegründeten Abtei von Notre-Dame d’Anteuil und 1 km im SO. beim Dorfe Vendeuil-Caply die Reste von Bratuspantium, der von Cäsar genommenen Hauptstadt der Bellovaker.

Bret Harte, Francis, s. Harte.

Bretigny (spr. -tinjih), Dorf im Kanton und Arrondissement Chartres im franz. Depart. Eure-et-Loir, ist bekannt durch den 8. Mai 1360 daselbst zwischen Johann Ⅱ. von Frankreich und Eduard Ⅲ. von England abgeschlossenen Frieden, der 24. Okt. 1360 ratifiziert wurde. Frankreich trat darin außer Guyenne und Gascogne auch Poitou, Saintonge, La Rochelle, Agen, Périgord, Limoges, Quercy, Bigorre, Tarbes, Gaure, Angoulême, Rouergue, Montreuil, Ponthieu, Calais und Guisne an England ab und verpflichtete sich für die Freilassung des Königs Johann 3000 Goldstücke zu zahlen. – Vgl. Cosneau, Les grands traités de la guerre de cent ans (Par. 1889).

Břetislaw Ⅰ. (spr. brsche-), Herzog von Böhmen, genannt der böhm. Achilles (1034‒55), eroberte noch als Prinz 1029 Mähren, das er bei Lebzeiten seines Vaters Udalrich verwaltete. Als Herzog von Böhmen unternahm er 1039 einen Zug gegen Polen, das er unterwarf. Minder glücklich war B. in seinen Kämpfen gegen den deutschen Kaiser Heinrich Ⅲ., dem er sich 1041 unterwerfen und zu Regensburg den Lehnseid schwören mußte. Vor seinem Tode sprach er den Wunsch aus, daß stets das älteste Glied des Přemyslidenhauses den Thron innehaben sollte (Senioratsgesetz), und dieser Grundsatz galt, wenn auch oft verletzt, bis 1216 und gab Anlaß zu häufigen Thronstreitigkeiten.

Breton, Kap, s. Kap Breton.

Breton (spr. -tóng), Jules Adolphe, franz. Maler, geb. 1. Mai 1827 zu Courrières im Depart. Pas-de-Calais, war Schüler von Devigne und Drolling. Seine Bilder tragen mit wenigen Ausnahmen, wie die Aufrichtung eines großen Crucifixes (1859) und die Wallfahrt (1869), einen idyllischen Charakter; es sind besonders Scenen des Hirtenlebens, des bäuerlichen Lebens auf dem Felde. Die Behandlungsweise ist realistisch, aber von einer innerlichen Auffassung und großen Unbefangenheit. Durch seine Segnung der Felder (1857, jetzt im Luxembourg) kam er zu voller Anerkennung. Fortschreitend gelangte er zu immer größerer Einfachheit. Zu nennen sind: Die Weinlese (1864), Schnitterinnen nach der untergehenden Sonne schauend (1865, Hauptwerk), Kartoffelernte (1868), Wäscherinnen in der Bretagne (1870; s. Tafel: Französische Kunst Ⅵ, Fig. 4), Johanmsfest (1875), Gesang der Lerche (1886). Seit 1872 begann B. Bäuerinnen der Grafschaft Artois in Lebensgröße darzustellen, so die Ährenleserin (1877; im Luxembourg). Man hat von B. auch einen Band farbenreicher Gedichte: «Les champs et la mer» (1875).