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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brinz - Brioude
Brinz, Aloys von, Jurist und Politiker, geb.
26. Febr. 1820 zu Weiler im bayr. Allgäu, widmete
sich zu München und Berlin erst philol., dann jnrist.
Studien. Seit 1844 als Rechtspraktikant in Hiiün-
chen thätig, habilitierte er sich 1850 daselbst, wurde
185)2 auhcrord. Professor in Erlangen, erhielt hier
1854 die ord. Professur des röm. Rechts und über-
nahm 1857 dasselbe Lehramt in Prag. 1861 wurde
er in den böhm. Landtag gewählt und von diesem
als Abgeordneter in den Neichsrat entsandt, in
dem er als einer der bedeutendsten Redner nament-
lich die deutschen Interessen vertrat. 1866 wurde V.
als Professor des röm. Rechts nach Tübingen, 1871
nach München berufen. Dort starb er 13. Sept. 1887.
Sein Hauptwerk ist sein "Lehrbuch der Pandekten"
(2 Bde., Erlangen 1857-71; 2. Aufl., Vd. 1-4,:,
1873-92; 3. Aufl. des 1. Bandes 1884). Außerdem
sind zu nennen: "Zur Lehre von der Kompensation"
(Lpz.1849), "Kritische Blätter cwilistischcn Inhalts"
(Erlangen 1852-53), "Zum Nechte der boii^s ftäei
P088688i0" (Münch. 1875), "Zur couti'ÄvilläicHtio"
(ebd. 1877), "Zum Begrifs und Wesen der röm.
Provinz" (ebd. 1885), "Die Freigelassenen der I^ex
/Volia 36Mia" (Freiburg 1885).- Vgl. Adolf Exner,
Erinnerung an B. (Wien 1888).
Vrio (ital.), Feuer; daher con krio, musik. Vor-
trag s bezeich nun g: mit Feuer, mit Kraft (s. Vrioso).
Vriochowski-Infeln, s. Brjochow-Inseln.
Brion, Friederike Elisabeth, bekannt als Frie-
derike von Sesenhcim durch ihre Beziehungen
zu Goethe, geb. 19. April 1752 in Niederrödern
bei Selz im Elsah als sechstes Kind des dortigen
Pfarrers Johann Jakob V. (gest. 1787 in Sessen-
heim), der 1760 nach Sessenheim (26 km nordöstlich
von Straßburg) übersiedelte. Hier lernte sie Goethe
als Straßburger Student bei einem Besuche im
Okt. 1770 kennen, ward aufs tiefste von der Anmut
ihres Wesens angezogen und weihte ihr eine An-
zahl seiner schönsten Lieder. Sein Abschied (Aug.
1771), den sie nur schwer verwand, stürzte sie in
ein heftiges Nervensiebcr; genesen, wurde sie von
dem Dichter I. M. R. Lenz (s. d.) leidenschaftlich
umworben. Die Geschichte ihrer Liebe zu Goetbe
bildet eine der schönsten Episoden in Goethes "Dich-
tung und Wahrheit"; in vielen Goetheschen Frauen-
gestalten, in Gretchen, in Maria (in "Götz" und
"Clavigo") lebt ihr liebliches Bild poetisch verklärt
fort. Goethe sah Friederike nur noch, als er im
Herbst 1779 Karl August von Weimar nach der
Schweiz begleitete und 29. bis 30. Sept. von Straß-
burg aus einen kurzen Besuch in Sessenheim machte.
Friederike, die ihm ein liebevolles Andenken bewahrte
und trotz vieler Anträge unvermählt blieb, zog nach
des Vaters Tode mit ihrer jüngern Sckwester Sophie
zu ihrem Bruder Christian nach Rotbau ins Stein-
thal, wo er Pfarrer war, 1801 allein nach Diersburg
im Badischen zum Pfarrer Gottfried Marx, der
ihre ältere Schwester Maria Salomea ("Olivia" in
Goethes "Tnchwngun'o Wahrheit") geheiratet hatte,
und siedelte mit ihm 1805 auf dessen neue Pfarrei
in Meißenheim bei Lahr über. Hier starb sie 3. April
1813. Ein Denkstein mit Marmorbüste schmückt scit
1866 ihr Grab zu Meißenheim. 1880 wurde auf
einem Hügel bei Sessenheim die in "Dichtung und
Wahrheit" erwähnte Laube "Frieoerikens Ruhe"
neu aufgerichtet. - Vgl. Stöber, Der Dichter Lenz
und Friederite von Sesenheim (Basel 1842); Lucius
(Pskrrer in Sessenheim), F. B. von Sessenheim
(Straßb.1877; 2. Aufl. 1878); Falck, F. B. von
Sesenheim (Berl. 1884); Froitzheim, Friederike von
Sesenheim (Gotha 1893), eine Schmähschrift; vgl.
dagegen Düntzer, Friederike von Sesenheim im
Lichte der Wahrheit (Stuttg. 1893).
Vrion (spr. -öng), Gustave, franz. Maler, geb.
24. Okt. 1824 zu Rotbau in den Vogesen, bildete sich
in der von Gabriel Gusrin geleiteten Zeichenschule
zu Straßburg. Er schuf anmutige Genrebilder im
Sinn der deutschen Bauernmaler Vautier, Knaus
u. a., in denen er die Typen, Trachten und Sitten
seiner elsaß-lothr. Landsleute in Poet. Auffassung
wiedergab. Seine Motive sind vielfach ernsterer Na-
tur. Charakteristische Auffassung im Sinne der Dorf-
aeschickten jener Zeit, tüchtige malerische Technik und
eine der deutschen Empfindung sich nähernde Dar-
Mnngsart machten ihn auch in Deutschland beliebt.
Von seinen Bildern sind zu erwähnen: Begräbnis
in den Vogesen, Begräbnis am Rhein, Schwarz-
wälder Bauern an der wunderthätigcn Heilquelle,
Rheinflößer, Hochzeitszug im Elsaß (1860; Museum
in Stuttgart). B. starb 5. Nov. 1877 in Paris.
Brionische Inseln, 12 Kreideinscln in Istrien,
deren größte Vrioni heißt, zurVezirkshauptmann-
schaft und Gerichtsbezirk Pola gehörig, mit 83 ital.
E., vor der Einfahrt in den Hafen von Pola. Aus
einzelnen wird seit Jahrhunderten ein grauer Mar-
mor gebrochen, der als vortreffliches Baumaterial
an der ganzen Küste verwendet und in der jüngsten
Zeit auch nach Wien, München und Berlin versendet
wird. Da die B. I. den Kanal von Fasana beherr-
scben, der in den Hafen von Pola fübrt, so wurde
auf der Hauptinsel das große Fort Tegetthoff er-
baut und einzelne mit Befestigungen versehen.
Brionne (spr. -önn), Hauptstadt des Kantons
B. (160,3i ykm, 23 Gemeinden, 10915 E.) im Ar-
rondissement Bernay des franz. Dcpart. Eure, an
der Zweiglinie Oissel-Serquigny der Franz. West-
dahn, hat (1891) 2450, als Gemeinde 3577 E.,
Post, Telegraph; Tuchmanufaktur, Leinenbleiche,
Gerberei, Baumwollspinncrci und Ölmühlen. Hier
fand 1050 ein Konzil statt, auf welchem die Ve-
renaarsche Lehre verdammt wurde.
Vriord (spr. -ohr), Dorf im Kanton L'Huis, Ar-
rondissement Belley des franz. Depart. Ain, 9 km
am rechten Ufer der Rhone, hat (1891) 156, als
Gemeinde 547 E. und sehr viele röm. Altertümer
und Inschriften. Der alte Name ist Bredoria.
Nriöso (ital.), frisch, feurig, schwungvoll, als
musikalische Vortragsbezeichnung gebraucht wie con
dric> (s. Ki'io).
Brioude (spr. brluhd). 1) Arrondifsement im
franz. Depart. Haute-Loire, hat 1565,74 hkm, (1891)
78055 E., 107 Gemeinden und zerfällt in die
8 Kantone Auzon (165,68 yllm, 12426 E.), Blesle
(147,80 ^m, 4984 E.), V. (237,00 ykm, 14146 E.),
La-Chaise-Dieu (214,0? ykiu, 9658 E.), Langeac
(218,93 ykm, 13 518 E.), Lavoüte-Chilhac (184,12
qkm, 7882 E.), Paulhaguet (224,9nykm, 10 985 E.),
Pinols (173,15 ykm, 4456 E.). - 2) Hauptstadt des
Arrondissemcnts im franz. Depart. Haute-Loire, in
weiter Ebene, 2 1cm links vom Allier, an der Linie
St. Gcrmain des Fosse's-Nimes-Veaucaire (Ta-
rascon) der Franz. Mittelmeerbahn, Sitz eines Tri-
bunals erster Instanz und des Handels, hat (1891)
4732, als Gemeinde 4928 E., Post und Telegraph,
eine Kirche aus dem 12. und 13. Jahrh., ein Collöge
und Bibliothek und Barytfabrik, Manufakturen in
Passementerie, Tüll und Wollstoffen und Handel
mit Wein, Hanf, Antimon und Kohlen. 41<m ober-