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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brohktau - Brokmannen

züglichen Schauspielerin Augustine Suzanne B. (1807-87), besuchte das Pariser Konservatorium und trat 1839 auf dem Théâtre français im "Tartufe" und in "Les Rivaux d'eux-mêmes" auf. Wegen ihres anmutigen und lebhaften Spiels wurde sie sofort engagiert und entzückte bald ganz Paris. 1866 zog sie sich vom Theater zurück. Seit 1856 war sie Lehrerin der Deklamation am Konservatorium. Sie starb 15. Febr. 1893 in Paris. Auch als Verfasserin dramat. Proverbes für den Salon ist sie mit Glück aufgetreten. Ihr Gatte war de Gheest, früher belg. Gesandtschaftssekretär in Paris (gest. 1885).

Ihre Schwester, Madeleine B., geb. 21. Okt. 1833 zu Paris, trat 1850 zuerst am Théâtre français auf, erregte aber mehr Aufsehen durch Schönheit und Anmut als durch schauspielerisches Talent, das im modernen Sittenstück noch am wirksamsten war. Sie heiratete 1853 den Schriftsteller Mario Uchard (s. d.) und zog sich 1886 von der Bühne zurück.

Brohktau, s. Brooktau.

Brohl, Dorf im Kreis Ahrweiler des preuß. Reg.-Bez. Koblenz, in 56 m Höhe, an der Einmündung des Brohlbachs in den Rhein und an der Linie Frankfurt-Köln der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 1214 E., Post, Telegraph, Dampferstation, neue kath. Kirche in got. Stil, Papierfabrik, Traß- und Tuffsteinbrüche, Traßmühlen und Steinhauerei. 5 km aufwärts im Brohlthal auf einem einzelnen Kegel die kleine vielfensterige Schweppenburg (95 m), wahrscheinlich aus dem 16. Jahrh., mit einem hier gefundenen röm. Altar im Garten. 3 km von der Burg das kleine Bad Tönnisstein (125 m) mit einer kohlensäurehaltigen Quelle, ähnlich dem Selterswasser, 1700 zuerst gefaßt.

Broich heißen 23 Ortschaften in der preuß. Rheinprovinz. Die größte, ein Dorf im Kreis Mülheim a. d. Ruhr des Reg.-Bez. Düsseldorf, gegenüber von Mülheim, links der Ruhr, an der Linie Essen-Kettwig-Mülheim der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 4515 (2283 männl., 2232 weibl.) E., Telegraph, Dampfstraßenbahn nach Duisburg, Bürgermeisterei; königl. Eisenbahnhauptwerkstätte (700 Arbeiter), Maschinenfabrik, Holzschleiferei, Cellulose- und Papierfabrikation, Draht- und Hanfseilerei, Gerberei und Mascbinenölfabrik. Dabei das alte Schloß B., bis 1850 hessen-darmstädtisches Eigentum, wo die Königin Luise von Preußen in ihrer Jugend wiederholt mit ihrer Großmutter weilte.

Broihahn, s. Broyhan.

Brokat (vom ital. broccato, "gestickt"; frz. brocart; engl. brocade), schwere seidene Stoffe, die in Gros de Tours- oder geripptem Grund ein mit Gold- bez. Silberlahn oder mit Gold- bez. Silbergespinst (mit Gold- oder Silberdraht umwundene Seidenfäden) eingewebtes Muster zeigen und früher namentlich in Paris, Lyon, Tours, Venedig und Genua zur Herstellung kostbarer Meßgewänder, Westen, Hauben, Kleider und Möbelüberzüge erzeugt wurden; jetzt nennt man B. überhaupt schwere, mit Figuren, Blumen u. s. w. reich durchwebte Seidenstoffe. An die Stelle der harten Gold- und Sildergespinste sind neuerdings die Cyprischen Gold- und Silberfäden getreten, bei denen ein Rohseidenfaden mit schraubenlinig verlaufenden schmalen Streifchen eines Teguments bedeckt ist, das aus einer feinen tierischen Membran (Goldschlägerhaut) und echtem Blattgold oder Blattsilber besteht; die Brokatstoffe werden hierdurch weicher, wie gewisse Waren aus den ostasiat. Ländern von alters her es waren.

Brokat, ein hauptsächlich in Nürnberg und Fürth dargestelltes grobes Metallpulver aus einer Legierung von Kupfer und Zinn oder Zink, das teils für sich als Streusandsurrogat oder zu dekorativen Zwecken in den Handel gebracht, teils durch Stampfwerke zu Bronzepulver verarbeitet wird, aus dem man die Bronzefarben (s. d.) darstellt. (Vgl. Amtlicher Bericbt über die Wiener Weltausstellung von 1873, Bd. 3, Abteil. 2, Braunschw. 1875; Morgenstern, Die Fürther Metallschlägerei, 1890.) Eine andere Sorte von Brokatfarben wird in Amberg aus gepochtem und gemahlenem Glimmer, der darauf mit alkoholischen Anilinfarben in den verschiedensten Tönen gefärbt wird, angefertigt. Zur Ausführung der Brokatanstriche giebt man zunächst in Ölfarbe einen Grund, dessen Farbe der des B. entspricht, überzieht diesen mit Leinölfirnis, läßt antrocknen und bestäubt mit dem B.; nach dem vollständigen Trocknen des Firnisses wird der nicht haftende Teil des B. mit einem weichen Pinsel fortgenommen. Ähnliche Effekte wie die Brokatfarben geben auch verschiedene Wolframfarben.

Brokatell, ein dem Brokat ähnliches Halbseidenzeug aus Seide und Baumwolle, mit großen erhabenen Blumen.

Brokatglas, s. Glas.

Brokatpapier, eine Art Buntpapier, das hergestellt wird, indem man ein farbig grundiertes Papier einem Muster entsprechend mit Eiweiß, Gummi oder Dextrin bedruckt (mittels Schablone bemalt) und das Dessin sodann mit Gold-, bez. Silberpulver einstäubt oder mit Blattgold, bez. Blattsilber belegt, nach dem Trocknen das überschüssige Gold oder Silber wegwischt und, um den Figuren höhern Glanz zu geben, das Papier satiniert.

Broker, engl. Bezeichnung für einen Makler; Stock-Broker, Fondsmakler; Bill-Broker, Wechselmakler; Bullion-Broker, Makler in Edelmetallen. Die B. haben keine privilegierte Stellung und sind auch keinen besondern Vorschriften unterworfen. Sie werden in neuerer Zeit nicht mehr vereidigt und haben an der Londoner Effektenbörse (s. Börse) nur gegen eine jährliche Zahlung von der Citybehörde die Erlaubnis zu erwirken, daß sie als B. an der Börse handeln dürfen. Die frühere Vorschrift, daß B. keine Geschäfte für eigene Rechnung machen dürfen, besteht zwar nicht mehr, doch ist es auch heute noch gegen den Geist und die Usance der Londoner Effektenbörse, daß B. für eigene Rechnung kaufen oder verkaufen. Eintragungen im Buche eines B. über abgeschlossene Geschäfte gelten als schriftliche Verträge der Parteien, zwischen welchen der B. das Geschäft zu stande gebracht hat.

Brokki, in der nordischen Mythologie ein Zwerg, Bruder des Eitri. Loki, im Besitz der goldenen Haare der Sif, des Schiffes Skidbladnir und des Speeres Gungnir, wettete mit B. um sein Haupt, wenn B.s Bruder gleich treffliche Dinge schmieden könne. Trotzdem Loki des Eitri Arbeit zu vereiteln suchte, kamen der goldene Eber des Frey, der Ring Draupnir und Thors Hammer Mjölnir zu stande. Die Götter, als Schiedsrichter, hielten Mjölnir für den trefflichsten Gegenstand. Als B. nun Lokis Haupt abzuschneiden versuchte, versagte das Messer. Da nahm er eine Pfrieme, durchstach Lokis Lippen und nähte ihm den Mund zu.

Brokmannen, fries. Stamm, in der Gegend von Aurich in Hannover. Das noch jetzt so genannte Brokmer Land, das acht Kirchspiele umfaßt, hatte