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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brokmer Land - Brombeerfalter

früher einen weit größern Umfang und bis zur Mitte des 14. Jahrts., wo die B. nach dem Beispiele anderer fries. Landschaften unter gewissen Bedingungen einen Häuptling ernannten, eine rein demokratische Verfassung. Neben den allgemeinen fries. Gesetzen hatten sie noch, wie die übrigen fries. Landschaften, ihre besondern Willküren, die wegen ihres reichen Inhalts sowie ihres hohen Alters zu den wichtigsten Rechtsquellen und Denkmälern der altfries. Sprache gehören. Dieses sog. Brokmer Landrecht stammt aus der letzten Hälfte des 13. Jahrh. und wurde von Wiarda, "Willküren der B." (Berl. 1820), besser von Karl von Richthofen in den "Fries. Rechtsquellen" (ebd. 1840) und in "Lex Frisonium" (Leeuwarden 1866) herausgegeben.

Brokmer Land, Brokmer Landrecht, s. Brokmannen.

Brölthalbahn, s. Deutsche Eisenbahnen.

Brom (Bromium, vom grch. bromos = Gestank; chem. Zeichen oder Symbol Br; Atomgewicht = 80), ein von dem franz. Chemiker Balard 1826 entdecktes nichtmetallisches, dem Chlor und Jod nahe verwandtes einwertiges Element, findet sich mit Natrium und Magnesium verbunden in geringer Menge im Meerwasser (1 l davon enthält 0,061 g B.) Dagegen kommt es in größerer Menge vor im Wasser des Toten Meers (1 l enthält je nach der Tiefe bis zu 7,093 g B.), in den Mutterlaugen mehrerer Salinen, z. B. der von Schönebeck bei Magdeburg, Neusalzwerk bei Minden und von Kreuznach, ferner in der Mutterlauge von der Verarbeitung der Staßfurter und Leopoldshaller Kalisalze (insbesondere der Carnallits und Kainits). Endlich ist B. ein Bestandteil der Sole mehrerer nordamerik. Salinen, namentlich im County Onondaga des Staates Neuyork. Man gewinnt es aus den letzten Mutterlaugen nach Abscheidung der meisten übrigen Salze durch Destillation mit Schwefelsäure und Braunstein in Sandsteingefäßen und Verdichtung der sich hierbei entwickelnden Dämpfe in einem Kühlapparat. Das B. ist bei gewöhnlicher Temperatur eine dunkelrotbraune Flüssigkeit, deren chlorähnlich riechende Dämpfe die Respirationsorgane auf das heftigste angreifen (Bromschnupfen). Es hat ein spec. Gewicht von 3,19 bei 0°, siedet bei +63° C. und erstarrt bei -7,3° C. zu einer bleigrauen, blätterigen, graphitähnlichen Masse, löst sich in 33 Teilen Wasser. Unterhalb 4° verbindet es sich mit Wasser zu einem roten krystallinischen Hydrat, Br2 + 10 H2O. Bei Gegenwart von Wasser wirkt B. stark oxydierend und verhält sich daher gegen Farbstoffe ähnlich dem Chlor. Man verwendet es anstatt des Jods in der Photographie und als Medikament, außerdem seit einiger Zeit (in Form von Brommethyl, Bromäthyl und Bromamyl) zur Erzeugung gewisser Teerfarben (Hofmanns Blau, Anthracenrot, Eosin), ferner vielfach in der chem. Analyse zu solchen Operationen, bei denen man sich sonst des viel unbequemer zu handhabenden Chlors bediente, sowie als Desinfektionsmittel, am vorteilhaftesten für diesen Zweck in der Form von Bromkieselgur oder Bromum solidificatum (mit B. getränkte und in Stangen geformte Infusorienerde). Staßfurt und Leopoldshall liefern jährlich etwa 300, Nordamerika 200 t B. Der Preis des B., welcher bei Beginn der Staßfurter Produktion 50-60 M. pro Kilogramm betrug, ist jetzt auf 3-4 M. heruntergegangen.

Bromalhydrat (Bromalum hydratum), dem Chloralhydrat entsprechende Verbindung von der Konstitution CBr2.CH(OH)2, in welcher das Chlor desselben durch Brom ersetzt ist. Das B. bildet nadelförmige Krystalle, in Wasser und in Alkohol leicht löslich, bei 53,5° C. schmelzend; Geruch und Geschmack sind dem des Chloralhydrats ähnlich. Das B. wird jetzt zuweilen als nervenberuhigendes Mittel bei Chorea und Epilepsie gebraucht; man verkauft es mit 160 M. pro Kilogramm.

Bromammonium, Ammoniumbromid, NH4Br, ist ein dem Salmiak sehr ähnliches, in farblosen Würfeln krystallisierendes, in Wasser sehr leicht lösliches Salz, das durch Sättigung von wässerigem Ammoniak mit Bromwasserstoffsäure erhalten wird.

Bromargyrit, Mineral, s. Bromit.

Bromat, Bezeichnung für bromsaure Salze.

Bromäther, Bromäthyl, Äthylbromid, eine ätherisch riechende Flüssigkeit von der Zusammensetzung C2H5Br und entsteht bei der Einwirkung von Brom auf Alkohol bei Gegenwart von amorphem Phosphor. B. siedet schon bei 39° und brennt mit grüner Flamme, die Bromdämpfe ausstößt. Reiner B. wird als eins der besten Betäubungsmittel bei schmerzhaften Operationen, besonders in der Zahnheilkunde, geschätzt. Es darf nicht mit dem schädlich wirkenden Bromäthylen, Äthylenbromid, C2H4Br2, verwechselt werden, das eine aus Brom und Äthylen (s. d.) entstehende, erst bei 131° siedende Flüssigkeit ist.

Bromäthyl, s. Bromäther.

Bromäthylen, s. Äthylen und Bromäther.

Bromatographie (grch.), Beschreibung der Nahrungsmittel; Bromatologie, Lehre von den Nahrungsmitteln.

Brombeere, Brombeerstrauch, gehört zur Gattung Rubus der Familie der Rosaceen (s. d.) und ist von der Himbeere durch den mehrjährigen Stengel unterschieden; auch löst sich die Sammelfrucht nicht von dem kugelförmigen Blütenboden ab, wie es bei der Himbeere der Fall ist; die Früchte der kultivierten B. sind schwarz. (S. Tafel: Beerenobst, Fig. 14.) Die in Deutschland in lichten Wäldern und auf steinigen Äckern wild wachsenden B., wie Rubus fructicosus L. und caesius L. (die Ackerbrombeere, s. Tafel: Rosifloren II, Fig.,2), werden nicht kultiviert; die Kultur der aus Nordamerika eingeführten zottigen B. (Rubus villosus Ait.), die durch Kreuzung mit andern Arten (Rubus canadensis L. u. a.) Mischlingsformen gebildet hat, nimmt immer mehr an Umfang zu; die am meisten empfohlenen Sorten sind: Lawton (New-Rochelle), Dorchester, Hittatinny, Missouri-Mammut, Wilsons-Early und einige andere. Der Strauch kommt in jedem guten Gartenboden fort, verlangt aber einen warmen Standort; am meisten lohnt die Kultur an einem Heckenspalier in südl. Lage; hier müssen die jungen Triebe sorgfältig aufgebunden werden; zur Verjüngung und Auslichtung des Stockes wird das älteste Holz in jedem Jahre ausgeschnitten, worauf die kräftigen jungen Triebe ungeschnitten gleichmäßig am Spalier verteilt werden. Die Verwertung der Frucht als frisches Obst, zur Saftbereitung ist beachtenswert; namentlich aber die Weinbereitung aus der B.; der Wein ist bordeauxähnlich. Die Vermehrung der B. erfolgt durch Niederlegen der krautigen Triebspitzen in frischen Boden oder durch Wurzelstecklinge im warmen Vermehrungsbeet.

Brombeerfalter (Thecla rubi L.), europ. Schmetterling aus der Gruppe der Bläulinge, spannt