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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bronchialkrampf - Bronchophonie

und mit mehr oder minder reichlichem, schleimigem oder schleimig-eiterigem Sekret bedeckt erscheint, welches unter Husten ausgeworfen oder in den Bronchien zurückgehalten wird. Der B. gehört zu den häufigsten Krankheiten, namentlich besitzen Kinder und Greise sowie schlecht ernährte, schlaffe und verzärtelte Personen eine große Neigung zu bronchitischen Schleimhautentzündungen, wogegen kräftige, gut genährte und abgehärtete Individuen seltener von ihnen befallen werden. Am häufigsten wird der B. verursacht durch Erkältung, namentlich durch Einwirkung eines plötzlichen und unvermittelten Temperaturwechsels auf die äußere Haut, durch einen kalten Trunk bei erhitztem Körper und Durchkältung der Füße bei nassem Schuhwerk, ferner durch Einatmung von staubiger, zu kalter oder zu heißer Luft sowie von schädlichen Gasen und Dämpfen, weshalb manche Gewerke (wie Steinhauer, Bäcker, Müller und Metallarbeiter) fast durchweg an Bronchitis leiden. Weiterhin entsteht der B. häufig infolge von andauernden mechan. Blutstauungen in den Lungen, wie dies bei Herzkranken, bei Lungenemphysem und chronischen Lungenentzündungen gewöhnlich der Fall ist, sowie im Verlaufe mancher Infektionskrankheiten, wie der Masern, Pocken und des Typhus, als unmittelbare Folge einer krankhaften Blutbeschaffenheit. Epidemisch endlich tritt B. als sog. Grippe (s. d.) auf.

Der akute Katarrh der Bronchien beginnt meist unter Frösteln, Abgeschlagenheit, frequentem Puls und Appetitlosigkeit (sog. Katarrhfieber) und giebt sich im weitern Verlauf durch das Gefühl von Wundsein und Kratzen auf der Brust, Beklemmung, mehr oder minder heftigem Husten und anfangs spärlichem glasigem und zähem, später reichlichem schleimig-eiterigem Auswurf zu erkennen. Bei zweckmäßigem Verhalten tritt in der Regel schon nach wenigen Tagen Genesung ein. Nur bei kleinen Kindern, Greisen und sehr geschwächten Individuen gesellt sich leicht eine Lähmung der Bronchialmuskeln hinzu, infolge deren der angesammelte Schleim nur unvollständig nach außen entleert wird und unter Benommenheit, Delirien und andern Symptomen der Kohlensäurevergiftung des Blutes leicht der Tod durch Erstickung (sog. Stickfluß) erfolgen kann; bei kleinen Kindern ist deshalb der akute Katarrh der feinern Bronchien (Bronchitis capillaris) stets als eine gefährliche Krankheit zu betrachten.

Der chronische B. entsteht fast immer aus vernachlässigten und verschleppten Katarrhen und äußert sich entweder als sog. Bronchienschleimfluß (Blennorrhöe der Bronchien oder Bronchorrhöe), wobei ohne besondere Beschwerden enorme Mengen eines dünnflüssigen schleimig-eiterigen Sekrets entleert werden, oder als sog. trockner B., wobei trotz äußerst heftiger und qualvoller Hustenanfälle nur sehr geringe Mengen eines sehr zähen und grauen Schleims expektoriert werden und in dessen Gefolge sich häufig das sog. Emphysem (s. d.) der Lungen entwickelt. Bisweilen wird der Auswurf beim chronischen B. infolge fauliger Zersetzung des Sekrets in den Bronchien höchst übelriechend (sog. putride Bronchitis) und veranlaßt weitere schwere Lungenkrankheiten. Durch andauernde Verstopfung und Überfüllung der Luftröhrenäste mit Auswurf kann es zur dauernden Erweiterung der Bronchien kommen, welche ihrerseits wiederum manche Beschwerden zur Folge hat (s. Bronchiektasie).

Die Behandlung hat beim akuten B. vor allem für ein geeignetes diätetisches Verhalten, besonders für reine, gleichmäßig warme Luft zu sorgen, unter Umständen das vorhandene Fieber herabzusetzen und den Auswurf durch expektorierende Mittel (Ipecacuanha, Salmiak, Apomorphin u. a.) zu befördern; auch pflegt eine mäßige Anregung der Schweißsekretion durch heißen Thee, heiße Milch u. dgl. nützlich zu wirken. Gegen den chronischen Katarrh sind der Gebrauch der alkalischen und alkalisch-salinischen Quellen (Ems, Selters, Obersalzbrunn, Soden, Kissingen, Reinerz, Lippspringe u. a.), methodische Inhalationen von zerstäubter Sole und alkalischen Mineralwässern, sowie längere Milch-, Molken- und Traubenkuren am meisten zu empfehlen. Gegen sehr veraltete Katarrhe leistet ein längerer Aufenthalt in einem geschützten Alpenkurort oder an waldiger Seeküste, während des Winters in einem milden südl. Klima oft gute Dienste. Bei quälendem trocknem Husten sind die narkotischen Mittel nicht zu entbehren. Wird der Auswurf übelriechend, so sind Einatmungen von Karbolsäure oder Terpentinöldämpfen am Platze. Verzärtelte Personen, namentlich Kinder, die Neigung zu B. haben, müssen durch vorsichtige Gewöhnung an Temperatureinflüsse, durch kalte Abwaschungen, Bäder u. dgl. ihren Körper abzuhärten suchen (s. Abhärtung).

Bronchialkrampf, s. Bronchialasthma.

Bronchialkrupp, die kruppöse Entzündung der Schleimhaut der Bronchien (s. d.), wobei eigentümlich ästige, den Fadennudeln ähnliche Gerinnsel ausgehustet werden (s. Krupp).

Bronchialsteine, s. Lungensteine.

Bronchiektasie (grch.) oder Luftröhrenerweiterung, krankhafte Erweiterung der Luftröhrenäste, wobei dieselben entweder in ihrem ganzen Verlaufe gleichmäßig cylindrisch erweitert oder nur an einzelnen Stellen sackartig ausgebuchtet erscheinen, entsteht am häufigsten im Verlaufe chronischer Bronchialkatarrhe, namentlich alter Leute, und giebt sich außer gewissen physik. Kennzeichen durch periodisch auftretende heftige Hustenanfälle und starke Entleerung eines dünnflüssigen, graugrünen, meist übelriechenden Auswurfs zu erkennen. Die Behandlung entspricht der des chronischen Bronchialkatarrhs (s. d.).

Bronchien (grch.) oder Luftröhrenäste nennt man die Äste und Zweige, in welche sich die Luftröhre (s. d.) in der Höhe des dritten oder vierten Brustwirbels teilt (sog. Bifurkation der Luftröhre) und die sich in der Lunge baumförmig verzweigen und an ihren feinsten, im Durchmesser 0,2 mm messenden Endigungen zahlreiche bläschenartige Ausbuchtungen, die sog. Lungenbläschen oder Lungenalveolen, tragen (s. Lunge). Gleich der Luftröhre sind die B. cylindrische Röhren, aus einer glatten, mit zahllosen Flimmerzellen versehenen Schleimhaut gebildet, welche nach außen durch elastische Fasern und kleine Knorpelplättchen verstärkt werden und zudem eine ziemlich kräftige Muskelschicht besitzen, durch deren Zusammenziehung der abgesonderte Schleim sowie der eingeatmete Staub nach außen, nach dem Kehlkopf zu, entfernt werden. Ihre häufigste Krankheit ist die katarrhalische Entzündung, der Bronchialkatarrh (s. d.), der die gewöhnlichste Ursache des Hustens bildet. (S. Tafel: Die Brusteingeweide des Menschen I, II.)

Bronchienschleimfluß, s. Bronchialkatarrh.

Bronchitis (grch.), s. Bronchialkatarrh.

Bronchophonie (grch.), die eigentümliche Auskultationserscheinung, daß man beim Behorchen kranker Lungenstellen die Stimme des Kranken ebenso