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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bronzefarben - Bronzezeit
und lange seine Bindekrast behält, auch gut sati-
niert, da sich von solchem die überschüssige Bronze
leicht abwischen läßt. Beim Bronzieren fährt man
über jeden frischen Abdruck, der die Presse verläßt,
sofort mit Wattebausch oder Zascnpfotc, die man
in Bronze getaucht hat, und wischt später die über-
flüssige Bronze mit Walte, einem weichen Tuch oder
einer Bronzcbürste rein ab. Vielfach ist versucht
worden, das Aufstäuben der Bronze durch direk-
ten V. zu ersetzen. Solche Drucke erscheinen jedoch
matt, schmutzig und vbne das Feuer und den Metall-
glanz der durch Aufstäuben hergestellten Drucke.
Eine Vronzefarbe für direkten B. wird hergestellt
durch Verreiben von Bronze in einer Löiung von
Teil arab. Gummi in 2 Teile Glycerin, nach
Wohlfarths patentiertem Verfahren mit iTeil Bronze
und 2 Teilen Wasserglas. Da diese Farbe jedock
sehr schnell trocknet, ist rasches Drucken nötig. An
Stelle des Vergoldens mit Blattmctall, ebenso als
Vordruck zur Grundierung dunkler Flächen beim
Farbendruck in der Buchbinderei (s. d.) wird der B.
vielfach angewendet. Im Großbetrieb bronziertman
mit der Vronziermaschine, welche die Arbeit
nicht nur viel schneller verrichtet und viel Material
erspart, sondern auch die Arbeiter vor dem sehr
gesundheitsschädlichen Einatmen des Metallstaubes
schützt. Die beigefügte Abbildung zeigt die Maschine
offen, die während des Betriebes vollständig ge-
schlossen ist. Die Vronzemaschine bronziert starken
Karton sowie Seidcnpapier und stäubt rein ab. Die
Vorrichtung zum Auftragen der Bronze gestattet eine
genaue Regulierung des Bronzezuflusses nach Bedarf
und Bogengröße.
Bronzefarben sind feingepulverte Metalle oder
Metalllegierungen; sie wurden bereits Mitte des
18. Jahrh, von Huber in Fürth durch feines Zer-
reiben der Abfälle der Metallschlägerei oder Schaum-
goldfabrikation hergestellt; ihre seit der Zeit bedeu-
tend vervollkommnete Darstellung erfolgt gegen-
wärtig noch vorzugsweise in Fürth und Nürnberg.
Durch Anwendung verschiedener Metalllegierungen
von Kupfer und Zink und durch passend geleitete
Erwärmung, wodurch Anlauffarben entstehen, hat
man es in seiner Gewalt, eine Menge verschiedener
Farbentöne herzustellen. Die einzelnen Metallkom-
positionen werden zunächst zu Blech gewalzt und
dieses mittels eines Dampfhammers zwischen Häu-
ten so rein geschlagen, daß 1 k^ etwa 140 ^m deckt.
Das so verdünnte Mctall wird unter Zufluß von
heißem Fett mittels emcr Kratzbürste durch Metal!-
Vrockhaus' Konversatious-Lexikon.. 14. Aufl. III.
siebe getrieben. Das Durchgegangene wird auf
einer Neibmaschine weiter zerkleinert, bis es die ge-
wünschte Feinheit angenommen hat, worauf es unter
beständigem Umrühren in einem eisernen Kessel so
lange erwärmt wird, bis der verlangte Farbenton
erscheint, worauf das Erhitzen sofort zu unterbrechen
ist, da fönst andere Farben auftreten würden.
Kupferbronzefarben werden gewonnen durch Re-
duktion von Kupfervitriollösungen durch metalli-
sches Eisen, wobei man zur Vermeidung von Ver-
unreinigungen Eisenstäbe anwendet, die mit Fließ-
papier umwickelt sind. Das metallische Kupfer legt
sich als feiner Metallfchlamm auf dem Papier ab,
wird dann noch weiter zerrieben und nach dem Wa-
schen und Trocknen durch Erwärmen unter Zugabe
von etwas Fett oder Paraffin auf die gewünschte
Farbe gebracht. Weiße Bronzesarbe besteht aus
Zinn, das ebenso behandelt wird, wie oben ange-
geben, indes ohne erwärmt zu werden. Blaue
Bronzefarbe wird aus weißer hergestellt, indem diese
mit einer alkoholischen Lösung von Anilinblau über-
gössen und bis zum Verdunsten des Spiritus ge-
rührt wird. Die gröbern B. beißen Brokate (s. d.).
über die Behandlung der B. beim Bronzieren s. d.
Bronzegrün, s. Chromgrün.
Bronzekrankheit (engl. dr0U26ä-3km), s.Addi-
sonscke Krankheit.
Bronzeftein, s. Kupfer.
Bronzewaren nennt man die teils gegossenen,
teils geschmiedeten, teils getriebenen, bald gröber,
bald künstlerisch vollendet ausgeführten Arbeiten
in Kupferlegierungen verschiedenster Zusammen-
setzung, vornehmlich die zahlreichen Gegenstände
des Haushalts an Leuchtern, Lampen, Thür- und
Fenstergriffen, Auffätzen, Statuen, Figuren, Me-
daillen, Nippsachen, Ornamenten u. s. w. Diese
Industrie ist hoch entwickelt besonders in Paris
^Christofle & Co., Barbedienne, s. d.), Berlin (Aktien-
gesellschaft für Bronzewarenindustrie, Otto Schulz,
Kramme, Schäfer &Hauschner), Stuttgart (A.Stotz),
Neuyork (Tiffany), ferner in Wien, München, Köln,
Dresden, Lauchhammer, Geislingen in Württem-
berg und andern Orten. In Deutschland beschäf-
tigt die Herstellung von B. gegen 20000 Arbeiter,
der Jahresumsatz beträgt bis zu 30 Mill. M.
Bronzezeit nennt man nach dem zu Waffen
und Geräten fast ausfchliehlich verarbeiteten Ma-
terial die mittlere der drei großen Kulturperiodcn
in der Urgeschichte nach der Steinzeit und vor
der Eisenzeit. Die Bronze stammt wahrschein-
lich aus Asien, dann verbreitete sie sich durch
Phönizier, Griechen, Karthager und Etrusker immer
weiter nach Norden und blieb einige Jahrhunderte
im mittlern Europa das herrschende Material,
bis sie von dem wahrscheinlich auf denselben
Wegen allmählich vordringenden Eisen mehr und
mehr verdrängt wurde, nber den Beginn der V.
gehen die Ansichten auseinander; manche sehen die
ältesten Bronzen, die in Deutschland und Skandi-
navien gefuuden wurden, 1400 oder 1500 Jahre,
andere nur 800 oder 900 Jahre v. Chr. Das
Ende der V. ist sicherer zu bestimmen, aber in den
verschiedenen Ländern Europas sehr verschieden, da
die Eiscnkultnr nur ganz langsam von Süden und
Südosten nach Norden vordrang. So bat man in den
österr. Kronländern schon in der Hallstätter Zeit (s. d.)
viel Eisen, im mittlern Norddeutschland dürfte die
B. bis ins Ende des 5. Jahrh. v. Chr., in Däne-
mark bis in die letzten Jahrhunderte v. Chr. reichen.