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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brüel (Ludw. Aug.) - Brügge
rower Eisenbahn (Nebenbetrieb), hat (1890) 2103 E., Post, Telegraph, Amtsgericht (Landgericht Güstrow).
Brüel, Ludw. Aug., welfischer Politiker, geb. 20. Dez. 1818 in Hannover, studierte Jurisprudenz zu Göttingen und Berlin, arbeitete beim Konsistorium in Hannover und im Justizministerium, dann im Kultusministerium, zuletzt, seit 1863, als General-(Unter-Staats-)Sekretär. Nach der Annexion Hannovers blieb B. zur Überleitung der Geschäfte noch bis 1868 als Direktor des Kultus-Departements im Amt, worauf er aus dem Staatsdienste schied und sich ganz der Thätigkeit auf kommunalem und parlamentarischem Gebiet widmete. Seit 1870 ist er ununterbrochen Vorsteher des Bürgerkollegiums der Stadt Hannover. In der hannov. Landessynode, in der er seit deren Bestehen (1869) Vorsitzender des Ständigen Ausschusses ist, wirkte er für größere Selbständigkeit der hannov. Landeskirche. Auch im preuß. Abgeordnetenhause, dem B. seit 1870 als Vertreter des Wahlkreises Pelle angehört, widmete er sich hauptsächlich den kirchlichen Interessen, und zwar in streng konservativem Sinne. Als welfisch-prot. Hospitant der Centrumspartei stand er im Kulturkampf stets auf Seite des Centrums. Dem Reichstage gehörte B. 1876-84 (als Vertreter der Stadt Hannover) und wieder 1890-93 (für den 15. hannov. Wahlkreis) an. Er schrieb: "Die Gerichtsbarkeit in Ehesachen" (Hannov. 1853), "Zur Lehre von den Kirchen- und Schullasten im Königreich Hannover" (ebd. 1855); "Der Gesetzentwurf betr. die Einrichtung und Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen" (ebd. 1869), "Die Selbständigkeit der evang.-luth. Landeskirche Hannovers" (1870).
Brueys (spr. brüäß), David August de, franz. Lustspieldichter, s. Palaprat (Jean).
Brug., bei zoolog. Bezeichnungen Abkürzung für Jean Guillaume Bruguières (s. d.).
Brugères Pulver (spr. brüschährs), auch Abels Pulver, s. Explosivstoffe. l
Bruges (spr. brühsch), franz. Name für Brügge (s. d.).
Brugg. 1) Bezirk im schweiz. Kanton Aargau, hat (1888) 16423 E., darunter 821 Katholiken und 26 Israeliten in 35 Gemeinden. - 2) Hauptstadt des Bezirks B., in 334 m Höhe, 19 km nordöstlich von Aarau, in freundlicher, wein- und kornreicher, sehr gewerbfleißiger Gegend an der Aare, die hier durch ein enges Felsbett strömt und von einer Steinbrücke (16. Jahrh.) mit einem Bogen überspannt wird, an den Linien Zürich-Turgi-Aarau und B.-Basel (58 km, Bötzbergbahn) der Schweiz. Nordostbahn, hat (1888) 1572 E., darunter 166 Katholiken, Post, Telegraph, eine 1504 geweihte Kirche, ein altertümliches Rathaus, eine Sekundär- und Elementarschule sowie mehrere Fabriken und ist eidgenössischer Waffenplatz für die Genietruppen. Der "schwarze Turm" an der Brücke ist spätröm. Ursprungs, die obere Hälfte im 15. Jahrh. erneuert. - Auf der Halbinsel zwischen der Aare und der Reuß gründeten die Römer die Stadt Vindonissa, eine der ansehnlichsten helvet. Städte, später Bischofssitz, die der Zerstörung durch die Alamannen, Hunnen und Franken erlag. Auf dem Boden der röm. Stadt liegen jetzt die Ortschaften B., Windisch, Altenburg, Oberburg und die ehemalige Abtei Königsfelden, an der Stelle, wo 1308 König Albrecht I. von Joh. Parricida ermordet wurde. Zum Andenken an den Ermordeten gründete seine Gemahlin Elisabeth mit ihrer Tochter, der Königin Agnes von Ungarn, 1310 hier ein Minoriten- und Klarissinnenkloster. Die Abtei wurde 1528 aufgehoben; das Gebäude, Hospital, später Irrenanstalt, wurde 1872 zu einer großartigen Heilanstalt für Geisteskranke umgebaut. Der Chor der Kirche hat Glasgemälde aus dem 14. Jahrh. und im hintern Teil das Grabmal des bei Sempach gefallenen Herzogs Leopold. Schon im 10. Jahrh. war B. ein ummauerter Ort und einer der Sitze der Grafen von Habsburg, deren Stammburg 3 km südwestlich, oberhalb des Schwefelbades Schinznach liegt; 1284 erhielt die Stadt Marktrecht, 1415 kam sie an Bern und 1444 wurde sie in dem alten Züricherkriege von den Freiherren von Falkenstein überfallen und nochmals eingeäschert (Mordnacht von B.).
Brügge (frz. Bruges), Hauptstadt der belg. Provinz Westflandern, liegt 15 km von der Meeresküste entfernt in einer fruchtbaren Ebene, an der Linie Brüssel-Ostende der Belg. Staatsbahnen (122 km), die hier nach Blankenberghe und Heyst (23 km) abzweigt, den Privatbahnen B.-Kortryk (52 km) und B.-Eecloo-Gent (48 km) und der Vicinalbahn B.-Sluis. B. umfließen 3 Kanäle von Gent (SO.) und von Sluis (NO.), um zusammen als Ostender Kanal westwärts zum Meere zu gehen. Auch im Innern ist B. von 3 Wasseradern durchzogen. Die Bevölkerung beläuft sich (1890) auf 47497 Seelen, darunter fast ein Drittel Arme, die Stadt könnte aber bei ihrem Umfange von ungefähr 9 km, wie einst zu ihrer Blüte, 200000 E. fassen. Die breiten Straßen, die große Zahl altertümlicher Häuser deuten noch auf die ehemalige Größe. Es giebt 54 Brücken, darunter 12 Holz- und Wendbrücken zum Durchlaß der Fahrzeuge.
Die wichtigsten Bauten sind: der Bahnhof, die viereckige Halle auf dem großen Platze (aus dem 14. Jahrh., im 16. Jahrh. erneut) mit einem 107 m hohen Turme und berühmten Glockenspiel; das neuerdings restaurierte got. Stadthaus, aus dem Ende des 14. Jahrh., dessen 33 Bildsäulen der flandr. Grafen und Gräfinnen 1792 von den Franzosen verbrannt, in neuester Zeit wiederhergestellt worden sind; der Justizpalast, erbaut an der Stelle, wo einst der Palast der Grafen von Flandern stand, heutzutage nur durch den in Holz geschnitzten Kamin im Audienzzimmer des Franc-de-Bruges merkwürdig; die Liebfrauenkirche, frühgotisch, mit einem Spitzturme von 120 m Höhe, einer Madonna mit dem Kinde in Marmor, wohl fälschlich Michelangelo zugeschrieben, mehrern wertvollen Gemälden von Seghers, de Crayer, van Oost, E. Quellyn, und den Grabmälern Karls des Kühnen und seiner Tochter Maria von Burgund; die Kathedrale, ein frühgot. Backsteinbau aus dem 13. und 14. Jahrh., unscheinbar von außen, aber um so reicher im Innern ausgestattet, mit Bildern von Pourbus, D. Bouts u. a.; die Kapelle des heiligen Blutes mit vorzüglichen Glasmalereien (s. Tafel: Glasmalerei I, Fig. 7), ein zweistöckiger Bau, die untere Kirche 1150 erbaut, die obere aus dem 15. Jahrh., 1829-39 prächtig restauriert; in dieser Kirche legte, der Tradition zufolge, Dietrich von Elsaß 1150 einige aus Palästina mitgebrachte Tropfen des Blutes Christi nieder, ein Akt, dessen 700jähriges Jubiläum 1850 mit allem Aufwand kirchlichen Pompes gefeiert