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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brüggemann - Brugmansia
wurde; die Kirche von Jerusalem, spätgotisch, mit
einer Nachbildung des heiligen Grabes, von Anselm
Adornes erbaut; die St. Iakobskirche, 1457-1518
erbaut, mit vielen Gemälden; das geräumige bischöfl.
Seminar, früher die Dünen-Abtei; das St. Io-
hannspital, in dessen Kapitelsaal nebst mehrern wert-
vollen Gemälden (darunter sechs von Memling) der
Ncliquienkasten der heil. Ursula aufbewahrt wird,
auf dessen Flächen Memling das Martyrium der
11000 Kolner Jungfrauen gemalt hat, und den die
Stadt als ihr kostbarstes Kunstwerk betrachtet. V.
hat ein Marmorstandbild Memlings (errichtet 1871),
einVronzestandbildJohannvanEycks, einStandbild
des in B. geborenen Mathematikers Simon Stevin,
und ein 1887 errichtetes Denkmal der Anführer der
Brüqgcr in der Sporenschlacht (1302) bei Courtrai
(Kortrijk), Peter de Koninck und Johann Vreidel.
. B. ist Sitz eines Bischofs seit 1559 und des Pro-
vinzialgouvcrnements von Westflandern und besitzt
eine Kunstakademie (1719 errichtet, 1795 neu er-
baut, mit einer Gemäldegalerie), ein Museum, eine
öffentliche Bibliothek (580 Handschriften), ein Kon-
servatorium, zahlreiche Wohlthätigkeitsanstalten,
zwei große Krankenhäuser. Die Haupterzeugnisse der
Brügger Gewerbethätigkeit sind Linnen-, Woll-,
Baumwoll- und gemischte Zeuge, Spitzen. Bier-
brauerei, Branntweinbrennerei und Schissbau bilden
gleichfalls wichtige Erwcrbszweige. Doch ist B. im
ganzen als Industrie- und Handelsstadt em toter
Platz. 1889 liefen im Hafen ein 59 Schisse (34
Dampfer) mit 14500 t und aus 60 Schiffe (35
Dampfer) mit 14 819 t.
Die Geschichte der unter allen Städten des
Landes am meisten mittelalterlichen Stadt läßt sich
bis ins 3. Jahrh, verfolgen, in welchem der heil.
Chrysolus den Bewohnern derselben das Evange-
lium gepredigt haben soll. Schon im 10. Jahrh,
war der Handel Flanderns mit England sehr be-
deutend. Später entwickelte sich derselbe derart,
daß sich (vor 1240) ein großer, sowohl vläm. wie
engl. Kaufleute umfassender Gildenverein bildete,
die sog. Londoner oder Vlämische Hanse, deren
Hauptsitz V. war, wo der sog. "Graf" der Hanse,
immer gewählt aus den Brügger Gilden, residierte;
die Londoner Hanse bestand fort bis 1426. Der
Reichtum der Stadt im Mittclalter war außerordent-
lich. Im 14. Jahrh, war V. Mittelpunkt des Welt-
handels im nördl. Europa. Doch bewirkte bald die
allmähliche Versandung der Häfen von Sluis und
Damme, welcher die durch innere Unruhen und Meu-
tereien allzu sehr beschäftigten Bürger nicht abzu-
helfen bemüht waren, das Sinken ihrer Größe und
den Aufschwung ihrer Nebenbuhlerin Antwerpen.
Die Empörung der Bürger (1488), die mit der Ge-
fanaennehmung Kaiser Maximilians in der noch jetzt
vorhandenen Cranenburg und einer strengen Be-
strafung der Stadt endigte, übten auf den Handel
eine höchst verderbliche Wirkung, und nur das Woll-
monopol, das 1560, nach dem Verluste von Calais,
für die Engländer eine hohe Bedeutung erreichte,
bewahrte ihn vor dem gänzlichen Verfall. Ebenso
nachteilig wirkten die massenhaften Auswanderun-
gen während der Ncligionswirren unter Philipps II.
blutiger Regierung. Die Vrügger Tapeten hatten
am Ende des 16. Jahrh, den größten Ruf in Europa,
und die Gobeliumanufakturcn in Paris wurden von
einem Vrüggcr Fabrikanten errichtet. Zu V. wur-
den der Maler van Oost, der Buchdrucker Colard
Mansion und dcr Kriminalist Damhouder geboren.
Brüggemann, Hans, Bildschnitzer aus drm
Anfang des 16. Jahrh., geb. zu Husum. Sein Wert
ist der 1515-21 gefertigte Altar im Dom zu Schles-
wig, ursprünglich für die Klosterkirche zu Vordcsholm
bestimmt. Derselbe zeigt in Relief 20 Scenen aus
der Passionsgeschichte. - Vgl. A. Sach, Hans V.
(Schlesw. 1865).
Vrugger, Fricdr., Bildhauer, geb. 13. Jan. 1815
zu München, wurde durch Schwanthalcr auf die
Antike hingewiesen. Nachdem er auf der Münchener
Akademie studiert, hielt er sich 1841-43 in Italien
auf. In Rom entstand ein jugendlicher Theseus
und ein Relief: Odysseus bei Kalypso. Nach seiner
Rückkehr trug ihm König Ludwig I. mehrere Mar-
morbüsten für die Ruhmcshalle, dann eine Reihe
Bronzestatuen auf: Gluck für München (1848), Hans
Jakob Fuggcr für Augsburg (1857), Ludwig der
Reiche für Landshut, Kurfürst Max Emanuel für
München, Feldmarschall Wrcde für Heidelberg. Auch
fertigte er das Grabdenkmal des Geschichtschreibers
Joh. von Müller in Cassel und die sieben Marmor-
statuen von Bildhauern für die Glyptothek; ferner
unter König Max II. die bronzenen Etatuen von
Schelling und die des Monarchen selbst für Bay-
reuth. Erwähnenswert sind außerdem' Penelope,
Chiron den jungen Achilles in der Musik unterrich-
tend, Odipus und Antigone, Bacchus auf einen
Panther gestützt, Frauen mit Panthern spielend,
Dädalus und Ikarus. Für Odessa fertigte V. eine
Statue des Feldmarschalls Fürsten Michael Wo-
ronzow. Er starb 9. April 1870 in München.
Brugmann, Friedr. Karl, Sprachforscher, geb.
16. März 1849 in Wiesbaden, studierte 1867-71 in
Halle und Leipzig Philologie und Sprachwissenschaft,
wurde1872 Gymnasiallehrer inWiesbadcnund 1873
in Leipzig. 1877 habilitierte er sich an der Universität
Leipzig für Sanskrit und vergleichende Sprach-
wissenschaft und wurde 1882 zum außerord. Pro-
fessor befördert. 1884 wurde er als ord. Professor
für vergleichende Sprachwissenschaft nach Freiburg
in Baden berufen und kehrte 1887 als ord. Pro-
fessor dcr indogerman. Sprachwissenschaft nach
Leipzig zurück. Außer zahlreichen Aufsätzen in
Fachzettschriften veröffentlichte B.: "Ein Problem
der Homerischen Textkritik und der vergleichenden
Sprachwissenschaft" (Lpz. 1876), "Morphologische
Untersuchungen auf dem Gebiete der indogerman.
Sprachen" (mit H. Osthoff, 5 Bde., Lpz. 1878-
90), "Litauische Volkslieder und Märchen aus dem
preuß. und russ. Litauen" (mit A. Leskien, Strahb.
1882), "Zum heutigen Stand der Sprachwissenschaft"
(ebd.1885), "Griech. Grammatik" (I. Müllers "Hand-
buch der klassischen Altertumswissenschaft", Bd. 2,
Nördl. 1885; 2. Aufl., Münch. 1890), "Grundriß
dcr vergleichenden Grammatik dcr indogerman.
Sprachen" (Bd. 1 u. 2, Straßb. 1886-92). Durch
seine Aufsätze in Bd. 9 von Curtius' "Studien"
("^3.83.113 80UKU3 in der indogerman. Grundsprache"
und "Zur Geschichte der stammabstufenden Dekli-
nation") wurde die viel umstrittene Frage des indo-
german. Vokalismus in Fluß gebracht. Hervor-
zuheben ist außerdem B.s Aufsatz "Zur Frage nach
den Vcrwandtschaftsverhältnissen der indogerman.
Sprachen" (in Techmers "InternationalerZeitschrift
für allgemeine Sprachwissenschaft", I). V. giebt (mit
Streitberg) die Zeitschrift "Indogerman. Forschun-
gen" (Bd. 1, Straßb. 1892) heraus.
NrnFina.Q8i9. 2??., Pflanzengattung aus der
Familie der Nafflcsiaccen (s. d.) mit nur 2 auf den In-