Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

622
Brünne - Brunnen
Wissenschaft und des Gewerbcfleißcs, Gewerbe-
museum, das städtische Archiv mit alten Hand-
schriften und Druckwerken (Brünncr Etadtrechte),
1 Gewerbe-, 1 Musik-, 4 Gesang-, 1 Turn-, 1 Steno-
graphen- und 1 Kunstverein.
Industrie, Gewerbe, Handel. V.ist die wich-
tigste Fabrikstadt derÖstcrreichisch-NngarischenMon-
archie, daher das österr. "Manchester" genannt, für
Schafwollindustrie, besonders Tuche, die europ.Nuf
haben. Von besonderer Bedeutung ist auch die
Fabrikation von Leder, Spinnerei- und Weberei-
Maschinen, ferner von Spiritus, Fruchtessig, Zucker,
Al, Kratzen, Handschuhe, Schuhwaren, Segeltuch,
Kochgeschirr, endlich die Dampfmüllerei und Bier-
brauerei. Die gewerbliche Thätigkeit hat einen leb-
haften Handel zur Folge, und Vrünner Fabrikate, be-
sonders Tuche, Schafwollwaren und Emaillegeschirr,
werden nach allen Teilen Asterreichs und Deutsch-
lands, nach dem Orient, nach England und Amerika
ausgeführt. Auch hat V. besuchte große Märkte,
4 im Innern der Stadt und 3 in Alt-Vrünn. Der
Handel und das Geldgeschäft werden durch zahlreiche
Banken unterstützt, so die Mährische Eskomptebank,
Filialen der Österreichischen Nationalbank und der
Österreichischen Kreditanstalt für Handel und Ge-
werbe, 1 Sparkasse, 1 Hypothekenbank der Mark-
grafschaft Mähren, 1 Filiale der Anglo-Österreichi-
schen Bank, 1 Spar- und Vorschußkasse, 1 Filiale
der Prager "2ivn08t6Q8k3. daulcg." und 1 Leihbank.
Auch besteht eine Handels- und Gewerbekammer.
Verkehrswesen. Der Verkehr wird vermittelt
durch die Linien V.-Olmütz-Sternberg (115,82 km)
und B.-Lundenburg (60km) der Kaiser-Ferdinands-
Nordbahn, sowie Wien-V.-Prag-Vodenbach, V.-
Segen Gottes Okrisko (76 km), V.-Tischnowitz
(29 km) und V.-Bisenz-Vlarapaß (164 km) der
Österr.-Ungar. Etaatsbahn. Außerdem bestehen
Dampftrambahnlinienvom Vahnhofnach Karthaus,
Schreibwald und zum neuen Friedhof, Omnibus
und 130 Droschken, 7 Post- und Telegraphenämter,
Fernsprechcinrichtung mit 175,66 km Leitungen, 512
Teilnehmern, ein Staats-Telephonnetz mit Verbin-
dung mit Wien und Prag.
Umgebung. Im W. der Stadt erhebt sich der
Spielberg (288 m) mit prächtigen Parkanlagen.
Auf ihm liegt eine Citadelle, ursprünglich Festung
und markgräfl. Schloß, 1740-1855 Staatsgefäng-
nis, jetzt Kaserne. Hier starb 1749 der bekannte
Pandurenoberst von Trenck als Gefangener und saß
1822-30 der ital. Dichter Graf Silvio Pellico ge-
fangen, der diese Jahre in seinem Werk "1.6 mW
priFioui" beschrieben hat. (Vgl. Trapp, Der Spiel-
berg in V., historisch beschrieben, Brunn 1873.) In der
Nähe des Spiclbergs der Franzensberg (s. oben
unter Anlagen u. s. w.). Zu erwähnen ist auch der
Augartcn, ein sehr schöner Park, in engl. Geschmacke
angelegt, der vom Kaiser Joseph II. für Besucher ge-
öffnet wurde. Ein anderer Vergnügungsort jenseit
der Schwarza ist der etwas entferntere Schreibwald
mit der bürgerlichen Schießstätte.
Geschichte. Die Stadt B. bestand bereits 884
(der Spielberg war im 10. Jahrh, schon ein festes
Schloß) und hat mehrmals schwere Belagerungen
erfahren, so 1428 durch die Hussiten, 1467 durch
König Georg von Böhmen, der die Einwohner
wegen ihrer Parteinahme für den Ungarkönig Mat-
thias Corvinus züchtigen wollte, und im Dreißig-
jährigen Kriege durch die Schweden unter Torsten-
son, die aber 1645 unvcrrichteter Sache abziehen
mußten. Für diese tapfere Verteidigung erhielt B.
große Vorrechte. Nach der Kapitulation zu Ulm,
20. Okt. 1805, und der Einnahme Wiens verlegte
Napoleon den Kriegsschauplatz in die Nähe von B.,
bis die Schlacht bei dem nahen Austerlitz den Preß-
burger Frieden herbeiführte. 1809 sprengten die
Franzosen die bedeutendsten Befestigungswerke des
Spielbergs. Im Kriege von 1866 wurde^B. 12. Juli
von Truppen der preuß. Ersten Armee unter Prinz
Friedrich Karl besetzt und 13. Juli das tönigl.
Hauptquartier dorthin verlegt. - Vgl. d'Elvert, Ver-
such einer Geschichte B.s (Brunn 1828); Deutsch,
Führer durch V. und Umgebung (ebd. 1865); Hanäk,
Die königl. Landeshauptstadt B. und die Umgebung
(ebd. 1880); V. Statist. Bericht über die wichtigsten
demograph.Verhältnisse(Wicn1887); Trautenberger,
Die Chronik der Landeshauptstadt V. (Bd. 1, Brunn).
Brünne, eine Schutzwaffe, vom frühen Mittel-
alter bis zu dessen Ausgange in Gebrauch, war
ursprünglich wohl ein aus derbem Stoff gefertigtes,
mit Platten von Horn oder Metall belegtes Schutz-
gewand, später vorzugsweise aus SlcäMngen her-
gestellt, die gewöhnlich auf Leder, Filz, Loden u. dgl.
übereinandergreifend aufgenäht, mit der Zeit aber
ineinander verflochten wurden. Die V. hatte zuerst
die Form eines mit Ärmeln versehenen, bis zu den
Knien reichenden Rockes oder Hemdes, mit Ka-
puze, die den Kopf schützte. Als der Schädel durch
die Eisenhaube geschützt wurde, ward die V. an
deren unterm Nande befestigt; sie schrumpfte mit
der Zeit noch weiter zusammen und schützte später
nur noch den Hals. Volle Klarheit über die B.
sowie über ihr Verhältnis zum Halsberc, der
größtenteils demselben Zweck wie die V. diente und
vielleicht nur der französische, aber dem Deutschen
entnommene Ausdruck für V. ist, hat, trotzdem die
Dichter die V. oft erwähnen, noch nicht gewonnen
werden können.
Brunnen im eigentlichen Sinne sind Sammcl-
einrichtungen für die Wasserversorgung (s. d.). Sie
waren schon in früher Zeit Gegenstand künstlerischer
Ausstattung. Reste solcher haben sich von allen an-
tiken Völkern erhalten, namentlich in Pompeji, wo sie
teils plastisch, teils mit Mosaik geschmückt erscheinen.
Die Mohammedaner liebten, wie alle orient. Völker,
B. inmitten ihrer Höfe, wofür der Löwenbrunncn
in der Alhambra als Beispiel gelten kann. Nament-
lich im Mittelalter verwendete man viel Sorgfalt
auf den Schmuck der B., da sie ursprünglich kirch-
liche Bedeutung hatten, wie denn der Kantharus
(s. d.), das Reinigungsbecken inmitten des Vor-
hofcs der Kirchen, ebenso wie das Taufbecken in
der Kirche selbst vielfach mit B. in Verbindung ge-
bracht wurden. Aber auch die auf Märkten zu
Nutzzwccken aufgestellten V. erhielten in got. Zeit
kunstvolle Ausstattung. Der 1408 errichtete B.
auf dem Altstadtmarkt zu Vraunschweig (s. Tafel:
Brunnen I, Fig. 3), der Schöne B. zu Nürnberg,
ein edles Werk des 14. Jahrh. (f. Fig. 4), zeigen
eine mehr plastische und eine vorwiegend architek-
tonische Auffassung, wie letztere der B. zu Freiburg
i. Vr. und zahlreiche andere schlanke Spitzsäulcn mit
Baldachinen und Statuen in den Formen der Gotik
wiederholen. In Italien dagegen stellen die V.
meist breite Becken und Schalen dar, so der V. zu
Perugia (1374-1380), die Foitte Gaja zu Siena
(Anfang des 15. Jahrh.). - Die Renaissance schuf
eine große Anzahl von kunstreichen B. in fast allen
Ländern, besonders in Italien. Sie bildete ver-