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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brunnenstube - Brunner
unreine und schädliche Abwässer oder Gase ein, so
steht dem Vrunneneigentümcr die Klage auf Unter-
lassung und Schadenersatz zu. Auf dem eigenen
Grundstück darf man Brunnen anlegen, auch wenn
dadurch dem Nachbar das Wasser entzogen wird,
sofern nicht in der Absicht zu schädigen gehandelt
ist, auch darf nach Preuß.Allg. Landrecht der Brun-
nen nicht innerhalb dreier Werkschuhe von des Nach-
bars Grenze angelegt werden. Dagegen haftet der
Bergwerkseigentümer, welcher öffentlichen oder Pri-
vatbrunnen durch seinen Betrieb das Wasser entzieht,
für Schadenersatz. Die Benutzung eines fremden
Brunnens für den Haushalt und die Zwecke des
eigenen Grundstücks kommt als Grunddienftbarkeit
(Servitut) vor. Schon der Besitz einer solckcn Dienst-
barkeit wird geschützt. Vorsätzliche Vergiftung von
Brunnen, welche zum Gebrauch anderer dienen, oder
vorsätzliche Beimischung von Stoffen, welche, wie
dem Thäter bekannt ist, die menschliche Gesundheit
zu zerstören geeignet sind, wird nach dem Deutschen
Strafgesetzb. §. 324 mit Zuchthaus bis 10 Jahren,
und wenn dadurch der Tod eines Menschen verur-
. sacht ist, mit Zuchthaus nicht unter 10 Jahren oder
mit lebenslänglichem Zuchthaus bestraft; entspre-
chende fahrlässige Handlungen, wenn ein Schaden
entstanden ist, mit Gefängnis bis 1 Jahr, oder von
1 Monat bis 3 Jahren (§. 326)-. unterlassene Be-
deckung von Brunnen, wenn dabei Gefahr für andere
entsteht, oder Ausbesserungen von Brunnen ohne
die erforderlichen Sicherungsmaßregeln werden als
Übertretung (z. 367, Nr. 12 u. 14) bestraft.
Brunnenstube, s. Wasserversorgung.
Brunnenvergiftung tritt ein, wenn giftige
Stoffe, wie Abgänge aus chem. Fabriken, Zeug-
druckereicn u. s. w., in großer Nähe von Brunnen
abfließen und in das Wasser der letztern geraten,
oder aus benachbarten Senkgruben, Begräbnis-
Plätzen u. s. w. die in fauliger Zerfetzung befind-
lichen organischen Stoffe bis in den Brunnen
durchsickern. Insbesondere ist die Verunreinigung
der Brunnen mit menschlichen Abfallsstoffen und
Iauchebestandteilen durch mangelhaft angelegte Ab-
orte und durchlässige Latrinen sehr bedeutungsvoll
für die örtliche Ausbreitung des Typhus; gelangt
nur ein geringerer Teil der Darmausleerung eines
Typhösen mit dem specifischen Typhusgift, wodurch
der Geschmack des Wassers nur wenig oder gar
nicht alteriert wird, in einen Brunnen oder eine
Wasserleitung, so können durch den Genuß dieses
Wassers zahlreiche Typhusfälle veranlaßt werden.
Ganz dasselbe gilt auch von der Cholera. Weiter-
hin hat man auch in einzelnen Fällen Bleivergif-
tung (s. d.) durch bleierne Pumpenrohre entstehen
sehen. Es ist deshalb Aufgabe der Medizinal-
polizei, auf solche Gefahren aufmerksam zu sein und
jene schädlichen Einflüsse von den in Gebrauch be-
findlichen Brunnen abzuhalten, ganz besonders aber
für zweckmäßige Anlage und Iindurchlässigkeit der
Senkgruben und Aborte besorgt zu sein. In zwei-
felhaften Fällen muß die chem. Untersuchung über
das Vorhandensein solcher schädlicher Stoffe ent-
scheiden (s. Wasser). Bei Ausbreitung gewisser Seu-
chen, wie der Pest, der Cholera, wiederholte sich
oft die Erscheinung, daß das Volk auf die unbegrün-
dete Meinung verfiel, die allgemeine Erkrankung
sei durch eine absichtliche Vergiftung der Brunnen
herbeigeführt. Namentlich im Mittelalter wurde
dieser Irrtum zu Zeiten, in denen die Pest und der
sog. Schwarze Tod herrschten, für den fanatischen
Pöbel Veranlassung, die Totengräber und Ärzte als
Urheber des Übels zu beschuldigen. Eine noch
schlimmere Folge dieses Vorurteils waren in der
Mitte des 14. Jahrh, zur Pestzeit die schrecklichen
Judenverfolgungen, die kaum durch die Bann-
sprüche des Papstes Clemens VI. unterdrückt wer-
den konnten. Es sollten damals angeblich die Brun-
nen, ja sogar die Luft von den Juden vergiftet worden
fein, um, wie man meinte, die Christenheit zu ver-
tilgen. - über die Bestrafung der V. nach dem
Deutschen Reichs-Strafgesetzbuch s. Vrunnenrecht.
Brunner, Heinrich, Rechtshistorikcr, geb. zu
Wels in Oberösterreich 21. Juni 1840, studierte in
Wien, habilitierte sich daselbst 1865, ging in dem-
selben Jahre als Privatdocent nach Lemberg, wurde
hier 1866 außerord., 1868 ord. Professor, 1870 in
Prag, 1872 in Straßburg, 1873 in Berlin. 1884
wurde er Mitglied der königlich prcuß. Akademie der
Wissenschaften; auch ist er Mitglied der Centraldirek-
tion der "NoQiiin6iitH (^i-mHQias Iiiztorica.". Seine
Werke sind: "Zeugen- und Inquisilionsbeweis der
karoling. Zeit" (Wien 1866), "Wort und Form im
altfranz. Prozeß" (ebd. 1868), "Das anglonormann.
Erbfolgefyftem" (Lpz. 1869), "Die Entstehung der
Schwurgerichte" (Berl. 1872), "Das franz. Inhaber-
papicr des Mittelalters" (ebd. 1879), "Zur Rechts-
geschichte der röm. und german. Urkunde" (Bd. 1,
ebd. 1880), "Beiträge zur Geschickte und Dogmatik
der Wertpapiere" (in der "Zeitschrift für das gesamte
Handelsrecht", Bd. 22 u. 23), der Abschnitt uder
"Wertpapiere" in Endemanns "Handbuch des Han-
delsrechts", Bd. 2 (Stuttg. 1882), "Geschichlä und
Quellen des deutschen Rechts" (in von boltz^nd^sfs
"Encyklopädie der Rechtswissenschaft", 5. Aufl., Lpz.
1890), "Überblick über die Geschichte der franz., nor-
mann. und engl. Rcchtsquellen" (ebd.), "Deutsche
Rechtsgcschichtc" (Bd. 1 u. 2, ebd. 1887-92). Außer-
dem Abhandlungen in den Sitzungsberichten der
Berliner und der Wiener Akademie, in der "Zeit-
schrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte",
deren germanistische Abteilung B. mit Rich. Schrö-
der redigiert, und andern Fachblättern.
Brunner, Sebastian, kath. Theolog und Schrift-
steller, geb. 10. Dez. 1814 zu Wien, studierte da-
selbst, empfing 1838 die Priesterweihe, wirkte dann
als Kaplan an verschiedenen Orten und 10 Jahre
als Kooperator in Wien. Von 1843 bis 1848 wurde
er von Metternich für Zusammenstellung und Be-
urteilung der Gesandtschaftsberichte über die reli-
giöse und fociale Bewegung verwendet. Seine An-
schauungen über die Zustände in Deutschland ent-
wickelte er in dem Romane "Die Prinzenschule zu
Möpselglück" (2 Bde., Regensb. 1847). Von 1848
bis 1865 gab B. die "Wiener Kirchenzeitung"
heraus: seit 1853 war er Prediger an der Universi-
tätskirchc, welche Stelle er 1857 wieder aufgab.
1865 wurde er zum apostolischen Protonotar und
päpstl. Hausprälaten ernannt. Er starb 26. Nov.
1893 in Währing bei Wien. B.s Schriftstellern
bewegt sich ganz in ultramontanen Anschauungen.
Seine ersten Dichtungen: "Der Babenberger Ehren-
preis" (2. Aufl., Regensb. 1846) und "Die Welt
ein Epos" (3. Aufl., ebd. 1846), fanden geringe Be-
achtung. Mehr Aufmerksamkeit erregten einige sei-
ner in Versen abgefaßten satir. Schriften. Dahin
gehört: "Der NedclnmcM L^" (Mo^nsb. 1.845',
3. Aufl. 1852), ein Angriff auf die Hegelsche schule.
Ferner die Schriften: "Der deutsche Hiob^, "Blöde
Ritter. Galerie deutscher Reichspfiffe", "Schreiber-