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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brutwärme - Brya ebenus

Brutwärme, s. Brüten (S. 636 b).

Brutzeit, die Jahreszeit, in der das Tier brütet.

Bruun, Christian Walther, dän. Geschichtsforscher und Bibliograph, geb. 10. Dez. 1831 zu Kopenhagen, ist seit 1863 Bibliothekar der königl. Bibliothek daselbst. Zu seinen bibliogr. Arbeiten gehören: Bibliotheca Danica, systematisk Fortegnelse over oen danske Litteratur 1482-1830" (4 Bde., 1872-79) und "Aarsberetninger fra det store kongl. Bibliothek" (3 Bde., 1870-90), enthaltend eine Beschreibung der dort befindlichen illuminierten Handschriften; zugleich hat er mehrere Schriften aus der Reformationszeit herausgegeben und "Holbergs Epistler" (5 Bde., 1865-76) mit erklärenden Anmerkungen. Als Geschichtschreiber hat er sich besonders der Geschichte der dän. Seekriege (Werke über Niels Juel, Curt Adelaer, Cbristian IV. und Peder Willemoes) und der königl. Machtbefugnisse ("Gunde Rosenkrantz", 1885, "Kaj Lykke", 1886, "Enevœldens Indförelse i Danmark", 1887) gewidmet.

Bruun, Philipp Jak., russ. Geschichts- und Altertumsforscher, geb. 18. Aug. 1804 in Frederikshamn in Finland, studierte in Dorpat, Deutschland und Frankreich, war 1832-54 Professor der Geschichte und Staatswissenschaften am Richelieu-Lyceum in Odessa, 1366-71 Professor an der Universität daselbst und starb 3. Juni 1880. Von seinen Schriften sind die bedeutendsten: "Notices historiques et topographiques concernant les colonies italiennes en Gazarie" (Petersb. 1866), "Essai de concordance entre les opinions contradictoires relatives à la Scythie d'Herodote" (ebd. 1873). Eine Sammlung von Abhandlungen über die Pontusländer erschien nach seinem Tode in russ. Sprache u. d. T. "Cernomorje. Sbornik izslědovanij po istoričeskoj geografii Južnoj Rossii" (2 Bde., Odessa 1879-80); auch gab er Joh. Schiltbergers "Reise in Europa, Asien und Afrika 1394-1424"(russisch 1866; deutsch 1869 und englisch 1879) heraus.

Brüx. 1) Bezirkshauptmannschaft in Böhmen, hat 312,35 qkm, (1890) 53 725 (27 242 männl., 26 483 weibl.) E., darunter 52 393 Katholiken, 560 Evangelische und 743 Israeliten, 25 Gemeinden mit 70 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke B. Und Katharinaberg. - 2) Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft B., in 238 m Höhe, an der Biela und den Linien Prag-B.(132 km), Pilsen- B. (143 km) und B.-Moldau (33,4 km) der Österr. Staatsbahnen und Aussig-Komotau der Aussig-Teplitzer Bahn, ist Sitz eines Kreis- und Handelsgerichts, eines Bezirksgerichts (264 qkm, 21 Gemeinden, 61 Ortschaften, 48 379 E.), eines Steueramtes, Revierbergamtes (Förderung 1890: 7 331 905 t Braunkohlen), eines Dekanats, einer Komturei des ritterlichen Kreuzherrenordens mit dem roten Stern, und hat (1890) 14 136, als Gemeinde 14 894 (7557 männl., 7337 weibl.) E., darunter 14 145 Katholiken, 110 Augsburgischen Bekenntnisses und 626 Israeliten, in Garnison (146 Mann) die 4. Eskadron des 1. böhm. Dragonerregiments "Kaiser Franz", Post-, Telegraphen- und Fernsprechamt. Auf dem Schloßberg"(411 m) befinden sich die Ruinen der 1651 gesprengten Feste "Landeswart" und Reste der alten Stadtmauern, in den Anlagen ein 1882 enthülltes Denkmal Kaiser Josephs II. Von den Gebäuden sind erwähnenswert das prachtvolle neue Rathaus, die von Meister Beneš von Laun 1517 erbaute, vollständig renovierte, schöne Dechanteikirche in got. dekorativem Stil mit sehenswerten Kirchenstühlen und interessanten Reliefbildern an den Emporen, das Minoriten- und Kapuzinerkloster und die Kreuzherrenkommenda. Es bestehen ein Staatsobergymnasium, je achtklassige Knaben- und Madchenbürger- und Volksschulen, je fünfklassige deutsche und czech. Volksschulen sowie eine Handelsfortbildungs- und gewerbliche Lehrlingsschule; ferner eine städtische Sparkasse, gewerbliche Spar- und Vorschußkasse und ein landwirtschaftlicher Spar- und Vorschußverein, endlich mehrere Bergbaugesellschaften: k. k. Bergdirektion (Förderung 1890: 223 064 t), Brünner Kohlenbergbaugesellschaft (346 227 t), Germania-Gewerkschaft (93 052 t), Johann-Tiefbaugewerkschaft (37 416 t), Mariahilfzeche (25 744 t), Maria-Opferungszeche (44 795t), Nordböhmische Kohlenwerksgesellschaft (431 899 t), Saxoniagewerkschaft (79 781 t), Theresia-Tiefbaugewerkschaft (55 215 t) und Victoria-Tiefbaugewerkschaft (209 632 t). Die bedeutende Industrie erstreckt sich besonders auf Zuckerfabrikation und -Raffinerie, welche durch den ausgedehnten Rübenbau in der Umgegend unterstützt werden, sowie auf Eisengießerei und Fabrikation von landwirtschaftlichen und andern Maschinen, Pottasche und Emaillegeschirr; weiter bestehen 1 Spiritusbrennerei, 2 Dampfmühlen, 1 Dampfbrauerei (56 000 hl Produktion) und 1 Kreuzherrenkommenda-Brauerei. In der Umgebung sind großartige Braunkohlenlager, in deren einem der berühmte "Brüxer Schädel" (ein Seitenstück des Neanderthal-Schädels) gefunden wurde, der "Brüxer Sprudel" und die berühmten Bitterwasserquellen von Püllna und Seidschütz (s. d.).

Bruxelles (spr. brüssäll), franz. Name für Brüssel.

Bruyèreholz (spr. brüĭähr-), Erikaholz, das Wurzelholz der in Südeuropa einheimischen Erica arborea L. Dasselbe nimmt leicht schöne Politur an und wird in der Drechslerei (zu Pfeifenköpfen) und in der Kunsttischlerei benutzt; sein Verbrauch nimmt aber ab. Deutschlands Einfuhr betrug 1889: 6445 Doppelcentner, 1890: 5161 Doppelcentner, 1891: 4049 Doppelcentner (davon 3416 Doppelcentner aus Italien).

Bruyn (spr. breun), Barthel, Kölner Maler, geb. 1493, gest. zwischen 1553 und 1556. Zu seinen ersten, im niederländ. Geschmack gehaltenen, sorgfältig ausgeführten Bildern zählen: Anbetung der heil. drei Könige, Marter der heil. Ursula (im Kölner Museum). Später geriet er, wie die meisten seiner Zeitgenossen, unter den Einfluß der ital. Kunst; die Bilder auf dem Hochaltar im St. Victorsdome zu Xanten, die Kreuzigung in St. Andreas und das Abendmahl in St. Severin zu Köln zeigen ein erfolgloses Streben nach ital. Formenschönheit und Monumentalität. Die eigentliche Bedeutung B.s liegt in der Porträtmalerei, in der er den Besten seiner Zeit nahe kommt. Zu seinen Bildnissen, von denen eine große Anzahl im Kölner Museum aufbewahrt wird, geboren der Bürgermeister von Broviller (daselbst), J. van Ryth (in Berlin). - Vgl. Firmenich-Richartz, Bartholomäus B. und seine Schule (Lpz. 1891).

Bryaceen, Familie der Laubmoose (s. d.).

Brya ebenus DC., auf den Antillen einheimischer Baum aus der Familie der Leguminosen (s. d.), Abteilung der Papilionaceen. Das Holz hat eine olivengrüne Farbe und zeigt hellere und dunklere Längsstreifen, ist äußerst dicht und hart und nimmt eine schöne Politur an, es kommt als falsches oder grünes Ebenholz (s. d.) in den Handel und dient hauptsächlich zu feinen Tischlerarbeiten.