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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bucheckern; Bucheckernöl; Bucheggberg-Kriegstetten; Bucheinband

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Bucheckern - Bucheinband

auf den Ostsee-Inseln). In Deutschland liebt sie bereits mehr die frischen Gebirgshänge als die Ebenen. Sie eignet sich namentlich für den Hochwald-, weniger für Mittel- und Niederwaldbetrieb. Für letztern ist sie wegen der geringen Ausschlagfähigkeit der Stöcke und des langsamen Wuchses der Äusschläge wenig tauglich, als Oberholz im Mittelwalde beschattet sie mit ihrer dichten Krone das Unterholz zu stark. Der Buchenhochwald wird fast immer im Femelschlagbetrieb (s. d.) bewirtschaftet. Reiche Samenjahre (s. d.) sind indessen ziemlich selten, im mittlern Deutschland treten sie nicht häufiger als alle 8 - 10 Jahre auf. Obgleich die Wurzeln der B. ziemlich flach verlaufen, ist sie doch sturmfester als z. B. die Fichte.

Feinden und Gefahren ist die B. weniger ausgesetzt als die Nadelhölzer, doch nicht frei davon. Vielfach leidet sie durch Spätfröste. Überhälter (s. d.) erkranken gewöhnlich durch Rindenbrand (s. d.). Die jungen Pflanzen werden durch Blattfraß verschiedener Rüsselkäfer beschädigt, namentlich aber in den Saatschulen oft durch einen Pilz, Phytophthora omnivora de Bary, zerstört (Buchenkeimlingskrankheit). Buchenverjüngungen, nämlich die Bestände der jüngsten Altersklasse, werden durch Fraß der Mäuse, die am untern Stammteil die Rinde abschälen, häufig stark beschädigt, ganz besonders geschieht dies durch die Feldmaus (Arvicola arvalis Pall.). Im spätern Alter tritt nicht selten der Buchenkrebs auf, eine die Stämme verändernde Krankheit, die meist durch einen parasitischen Pilz, Nectria ditissima R. Hart., in äußerlich ähnlicher Weise auch durch Einwirkungen des Frostes oder durch die zweier Läuse, Lachnus exsiccator R. Hart. und Chermes fagi R. Hart., hervorgerufen wird. In Norddeutschland werden oft ganze Waldstrecken durch die Raupe des Rotschwanzes (Dasychira pudibunda L.) entlaubt, indessen ohne besonders nachteilige Folgen. Im Holz alter B., namentlich in alten Ästen, tritt der sog. Zunderschwamm auf (Polyporus fomentarius Fr.), er veranlaßt eine Weißfäule.

Eine sehr beliebte Varietät der gemeinen B. ist die rotblätterige Blutbuche (Fagus purpurea), ferner finden sich noch Varietäten mit fiederlappigen, schmal- und spitzlappigen und anders gestalteten Blättern (Fagus incisa, asplenifolia, cristata u. s. w.). Von den vier amerik. Buchenarten wird in Gärten bei uns nur Fagus ferruginea Ait. angebaut; sie zeichnet sich durch große Blätter und röteres Holz aus.

Die Weißbuche oder der Hornbaum (s. d.) gehört nicht zur Gattung Fagus, sondern zu Carpinus.

Die forstlich technische Speciallitteratur über B. ist ziemlich reich, davon zu nennen: Grebe, Der Buchen-Hochwaldbetrieb (Eisenach 1856); Knorr, Studien über die Buchenwirtschaft (Nordhausen 1863); Exner, Studien über Rotbuchenholz (Wien 1875); Baur, Die Rotbuche in Bezug auf Ertrag, Zuwachs und Form (Berl. 1881); Die industrielle Verwertung des Rotbuchenholzes (Wien 1884); R. Hartig und R. Weber, Das Holz der Rotbuche in anatom.-physiol., chem. und forstlicher Richtung (Berl. 1888); Schumacher, Die Buchennutzholzverwertung in Preußen (ebd. 1888).

Bucheckern, Bucheln oder Buchnüsse sind die Früchte der gemeinen Rotbuche, die spitzdreikantig und mit einer glatten, braunen, lederartigen Schale versehen sind. Sie besitzen frisch einen süßen, nußartigen Geschmack und man kann, obschon sie ein flüchtiges, narkotisch-giftiges Princip (Fagin), wenn auch nur in sehr geringer Menge, enthalten sollen, eine ziemliche Menge genießen. Man braucht die B. zur Mästung des Viehs, vorzüglich der Schweine; doch soll der Speck davon weich, schwammig und nicht haltbar werden, was aber durch damit verbundene Eichel- oder Erbsenmast gehoben wird. Auch alles Federvieh, besonders die Truthühner, frißt gequetschte B. gern und wird davon schnell fett. Das aus den B. kalt gepreßte, gutgeklärte, reine Öl (Bucheckernöl) ist wohlschmeckend und läßt sich gut an Speisen verwenden, da es sich lange hält, ohne ranzig zu werden. Das unreinere Öl wird zum Brennen und in Gewerben verbraucht. Die nach dem Auspressen übriggebliebenen Ölkuchen geben ein gutes Mastfutter. Manche Fabriken, in denen Kakaomasse bereitet wird, fälschen mit B., da sie hierbei dem Kakao erst sein Fett, das sie als Kakaobutter besonders verwerten, entziehen und dann durch das Öl der B. wieder ersetzen können.

Bucheckernöl, s. Bucheckern.

Bucheggberg-Kriegstetten, Bezirk im schweiz. Kanton Solothurn, hat (1888) 17498 E., darunter 7667 Katholiken in 10 Kirch- und 47 polit. Gemeinden. Sitz der Bezirksbehörden ist Solothurn (s. d.).

Bucheinband (hierzu die Tafel: Bucheinbände) nennt man die innere Verbindung der einzelnen Teile und die äußere Hülle eines Buches (s. d. und Buchbinderei). Soll zwar dessen Inhalt stets die Hauptsache sein, so hat man doch schon früh, seinem Werte entsprechend, der Hülle reichen künstlerischen Schmuck gegeben, der namentlich bei veralteten, aber prächtig gebundenen Büchern höher geschätzt wird als der Inhalt. Museen wie auch Private (Bibliophilen) kaufen und sammeln diese Bücher um ihrer Einbände willen. Die noch erhaltenen Einbände aus alter Zeit zeigen die Anwendung höchster Kunstübung. Bei Buchdeckeln aus der Karolingerzeit, z. B. dem zu den deutschen Reichskleinodien gehörenden Evangeliarium Karls d. Gr., sind die hölzernen Decken mit Metallplatten von Gold und Silber belegt und diese mit getriebener Arbeit, mit Edelstein und Email verziert. Andere aus dem 10. und 11. Jahrh. haben geschnitzte Elfenbeintafeln mit figürlichen Reliefs. Da die Bücher im Mittelalter gelegt und nicht wie heute auf die schmale Seite gestellt und in die Repositorien eingeschoben wurden, so konnten sie zur größern Festigung bronzene Ecken und Mittelstücke erhalten, die zu weiterer Verzierung mit Laub, Figuren und Knöpfen versehen wurden. Das den Überzug der Holzdecken bildende Leder wurde seinerzeit figürlich wie ornamental verziert, und zwar in leichtem Relief durch Schneiden, Heben und Punzieren, was im nassen Zustande des Leders ausgeführt wurde. (S. Lederschnitt.) Als sich nach Erfindung der Buchdruckerkunst die Bücher unverhältnismäßig vervielfachten, ornamentierte man in Gold, Farbe oder auch ohne eine Färbung (Blindpressung) durch Pressen mit größern Stanzen, in welche die Verzierung vertieft hineingeschnitten war. Im 16. Jahrh. wurde das Flachornament am meisten als Deckenverzierung angewendet, auch die Ledermosaik (s. d.) sehr gepflegt. Mit seltenem Kunstverständnis verzierte der um die Buchdruckervergoldekunst äußerst verdiente Italiener Thomaso Maioli Einbanddecken vorzugsweise durch Band- und Cartouchenmuster in Blindpressung, die von Goldlinien eingefaßt und mit goldenen Blättern