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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Budäus - Buddeus

vor den deutschen "Gästen". Dann nannte man auch das Castrum des heutigen Schloßbergs Buda, zu deutsch "Ofen" (s. d.). Nach und nach verblieb der letztere dem Schlosse und der sich bildenden Stadt am rechten Ufer, während die Stadt am linken Ufer den slaw. Namen Pest behielt. Als Ofen seit 1444 eine Festung und unter Matthias Corvinus Residenz geworden war, überflügelte es Pest. Von 1541 bis 1686 war Ofen der Sitz eines Pascha, litt schrecklich unter sechs schweren Belagerungen, und Pest blieb unansehnlich. Nach der Vertreibung der Türken durch Karl von Lothringen (2. Sept. 1086) wurden beide königl. Freistädte. Maria Theresia, die 1771 das Schloß erbaut hatte, verlegte 1777 die Universität von Tyrnau nach Ofen. 1723 kamen auch die höchsten Justizbehörden hierher. Joseph II. erbaute das weitläufige Neugebäude und verlegte die Universität von Ofen nach Pest (1784). Seitdem wuchs Pest, zumal im 19. Jahrh., durch die Entwicklung des Handels, vorzüglich der großen Donau-Dampfschiffahrt, obgleich es 1838 und 1876 von furchtbaren Überschwemmungen heimgesucht wurde. Im ungar. Aufstande 1848-49 Sitz der revolutionären Regierung und des Ungarischen Reichstages war Pest wie auch Ofen vom Jan. bis Aug. 1849 teils in den Händen Kossuths und Dembinstis, teils im Besitze der österr. Armee unter Windischgrätz; seit dem Ausgleich spielt es als Hauptstadt des ungar. Staates eine bedeutende polit. Rolle. Ein neuer Abschnitt in der Geschichte beider Orte begann 1874 mit ihrer Vereinigung. - Vgl. Hevesi, B. und seine Umgebungen (Budapest 1873); Sturm, Kulturbilder aus B. (Lpz. 1876); Heksch, Illustrierter Führer durch B. und Umgebungen (Wien 1882); B. im J. 1885. Führer durch die Landesausstellung (ebd. 1885); besonders aber die reichhaltigen Publikationen des hauptstädtischen Bureaus (unter Leitung des Statistikers Joseph Körösi). Berichte der königl. Fabrikinspektoren; der Jahresbericht des königlich ungar. Handelsministers, in deutschem Auszug von Mandello.

Budäus, eigentlich Guillaume Budé, franz. Gelehrter, geb. 1467 zu Paris, aus adligem Geschlecht, studierte zu Paris und Orléans die klassische Litteratur, besonders unter Hermonymos und Andr. Joh. Laskaris die griech. Sprache. Ludwig XII. schickte ihn als Gesandten an Papst Julius II., König Franz I. stiftete auf B.' Veranlassung das Collège de France, und unter B.' und Laskaris' Anleitung die Bibliothek zu Fontainebleau. Durch B. allein ließ sich Franz I. von einem gänzlichen Verbote der Buchdruckerei abhalten, auf das die Sorbonne 1533 angetragen hatte. B. starb als königl. Bibliothekar 22. Aug. 1549. Von seinen vielen gelehrten Werken philos., philol. und jurist. Inhalts werden am meisten geschätzt die Abhandlung "De asse et partibus ejus" (Vened. 1522) und "Commentarii linguae graecae" (ebd. 1548). sowohl sein lat. als franz. Stil ist kraftvoll, aber oft durch griech. Konstruktionen verwickelt. Seine sämtlichen Werke erschienen 1557 (4 Bde., Basel); sein Leben beschrieb L. Regius (Le Roy) (Par. 1540). B. war unter dem Verdachte der Hinneigung zum Calvinismus gestorben. Seine Witwe trat in Genf offen zum Calvinismus über, während ihre Söhne in Frankreich der Sache der Reformation dienten. Nach der Bluthochzeit mußten alle Mitglieder der Familie flüchten. Ein Teil wandte sich nach der Schweiz und führte den alten Namen fort (vgl. Ferney). Ein anderer Teil ließ sich unter dem Namen Budde in Pommern nieder; erst Johann Franz B. änderte nebst seinen Brüdern ihn in Buddeus (s. d.). - Vgl. Rebitté, G. Budé (Par. 1846); E. de Budé, Vie de Guillaume Budé (ebd. 1884); d'Hozier, La maison de Budé.

Budberg, Andreas Eberhard von, geb. 1750 in Magnushof bei Riga, trat früh in russ. Kriegsdienste und wurde 1783 vom Generalfeldmarschall Browne der Kaiserin Katharina II. als Diplomat empfohlen. Von Alexander I. wurde B. ins Conseil berufen und 1806 zum Minister des Departements der auswärtigen Angelegenheiten ernannt. Als solcher stimmte er gegen die Ratifikation des zwischen Oubril und Clarke geschlossenen Friedens von Rußland mit Frankreich; 1807 begleitete er Alexander I. nach Tilsit, erhielt 1808 den erbetenen Abschied und starb 13. (1.) Sept. 1812 in Petersburg. Für die Geschichte der Diplomatie ist sein Briefwechsel mit Katharina II. und Alexander I. von Bedeutung.

Budde, Johann Friedrich, Rechtsgelehrter, geb. 23. Juni 1815 zu Herford in Westfalen, habilitierte sich 1838 in Bonn, ging 1847 als ord. Professor nach Halle, 1850 nach Rostock und trat 1853 in die richterliche Laufbahn über. Seit 1879 war B. erster Präsident des mecklenb. Oberlandesgerichts daselbst. Er starb 7. Jan. 1894 in Rostock. B. schrieb "Über Rechtlosigkeit, Ehrlosigkeit und Echtlosigkeit" (Bonn 1842) und gab mit Buchka "Entscheidungen des großherzoglich mecklenb. Oberappellationsgerichts zu Rostock" (9 Bde., Wismar 1855-79) sowie mit Blanck und Birkmeyer die "Mecklenb. Zeitschrift für Rechtspflege und Rechtswissenschaft" (ebd. 1881 fg.) heraus.

Buddenbrock, Wilh. Dietrich von, preuß. Feldmarschall, geb. 15. März 1672 zu Tilsewürschen in Litauen, besuchte mehrere Jahre hindurch Universitäten und trat 1690 in brandenb. Reiterdienst, focht 1704 im Spanischen Erbfolgekriege und 1715 in Polen. Er gehörte zu den nächsten Vertrauten des Königs Friedrich Wilhelm I., war Mitglied des Tabakkollegiums und erwarb sich Verdienste um die Ausbildung der preuß. Offiziere sowie der Reiterei. Unter König Friedrich II. focht B. mit Auszeichnung in den Schlachten der Schlesischen Kriege, besonders bei Chotusitz, bei Hohenfriedberg und bei Soor, wurde danach zum Gouverneur von Breslau ernannt und starb in dieser Stellung 28. März 1757.

Sein Sohn, Johann Jobst Heinrich Wilhelm von B., geb. 1707, wurde Page, dann Adjutant Friedrichs d. Gr. und 1759 an die Spitze des preuß. Kadettenkorps berufen, um dessen Organisation er sich große Verdienste erwarb, 1765 außerdem mit der Leitung der neuerrichteten Académie militaire beauftragt. B. starb als Generallieutenant 27. Nov. 1781 zu Berlin. - Vgl. Crousaz, Geschichte des preuß. Kadettenkorps (Berl. 1857).

Buddeus,Joh. Franz, Gelehrter, ein Nachkomme des franz. Gelehrten Budäus (s. d.), geb. 25. Juni 1667 zu Anklam, ward 1689 Adjunkt der philos. Fakultät in Wittenberg, 1693 Professor der Moralphilosophie zu Halle, 1705 Professor der Theologie zu Jena, 1713 Kirchenrat zu Gotha und starb 19. Nov. 1729. Unter seinen Schriften, in denen er eine vermittelnde Stellung zwischen den Orthodoxen und den Pietisten einnimmt, und welche ihn zum Teil in lebhafte Streitigkeiten, namentlich mit dem Philosophen Wolff verflochten, sind die bedeutendsten: "Historia juris naturalis" (Halle 1695), "Synopsis juris naturae et gentium" (ebd. 1695), "Elementa