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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Budin - Budmani
ihre Lösung angewendet haben, juristisch absolut un-
lösbar; nur die Politik und die Thatsachen können
hier die Entscheidung bieten, wie denn Bismarck in
Preußen während der sog. Konfliktsperiode (1862-
66) ohne V. gewirtschaftet hat, und dieser Zustand
in Dänemark unter dem Ministerium Estrup von
1885 bis 1894 andauerte.
Wie der Staat als ein einheitliches Wirtschafts-
objekt erscheint, so ist auch das V. als eine alle Ein-
nahmen und Ausgaben umfassende Einheit zu be-
trachten, namentlich auch mit Bezug auf die Rechte
der Kammern. Die Ausscheidung besonderer V.
für einzelne Verwaltungszweige <z. V. für eine
Amortisationskasse oder für Anstalten oder Staats-
betriebe, die sich aus eigenen Einnahmen erhalten)
ist daher nur als eine formale Zweckmäßigkeitsein'
richtung zulässig. Die ordentlichen und dauern-
den Einnahmen und Ausgaben sind allerdings von
den einmaligen und außerordentlichen zu
sondern, aber die Aufstellung getrennter ordentlicher
und außerordentlicher B. durch besondere Gesetze, wie
sie unter dem franz. Kaiserreich eingefübrt war, kann
nur dazu dienen, die Einsicht in die wirkliche Finanz-
lage des Staates zu erschweren. Deficit ist der Über-
schuß der ordentlichen und außerordentlichen Aus-
gaben über die aus eigenen Mitteln des Staates (ohne
Benutzung des Kredits) stießenden Einnahmen. Nur
solche außerordentliche Ausgaben, die eine im engern
oder weitern SinneproduktiveKapitalanlage begrün-
den, können von dem Deficit in Abrechnung gebracht
werden. - Auch für die Gemeinden, Kreise u. s. w.
werden B. aufgestellt, die der vorgängigen Geneh-
migung durch lokale Vertretungskörperschaften un-
terliegen. In Frankreich werden infolge des straffen
Centralisationssystems die sämtlichen Einnahmen
und Ausgaben der Departements und die auf Steuer-
zuschlägen (c6iitim68 aääitiouußis) beruhenden der
Gemeinden zu einem, dem Staatsbudget angehäng-
ten V. (dem "V. Lur r6880ui'c68 Lpecialss") vereinigt.
- Vgl. von Czörnig, Das österreichische V. für 1862
in Vergleichung mit jenen der vorzüglichern andern
europ. Staaten (3. Aufl., 2 Bde., Wien 1862; Bd. 1:
"Systematische Darstellnng der B. von Großbritan-
nien, Frankreich und Preußen"); Gneist, V. und
Gesetz (Berl. 1867); ders., Gesetz und V. (1879);
Laband, Das Vudgetrecht (Berl. 1871); Seidler,
V. und Vudgetrecht (Wien 1885); von Martitz, Der
Vegrifj des constitutionellen Gesetzes, in der Tü-
binger "Zeitschrift für die gesamte Staatswisfcn-
schaft", Jahrg. 1886; Iellinek, Gesetz und Verord-
nung (Freib. i. Vr. 1887); Hänel, Das Gesetz im for-
mellen und materiellen Sinne (Lpz. 1888).
Budin, czech. Nu6xnö uaä hin-i, Stadt im
Gerichtsbezirk Libochowitz der östcrr. Vezirksbaupt-
mannschaft Raudnitz in Böhmen, nordwestlich von
Prag, rechts an der Eger, hat (1890) 1610
czech. E., Post, Telegraph, 2 alte Kirchen (die De-
kanatstirche und die Mariaschnec am Fricdrwfc)
mit schönen Grabdenkmälern, eine got. Granitsäule
mit der Jahreszahl 1271 nahe dem Fricdhofe, ein
Denkzeichen aus der Zeit der Tempelherren, fer-
ner eine Säge-, Kunstmühle, Ziegelei, Spiritus-
brennerei und Brauerei.
Bi'tdingen. 1) Kreis in der Hess. Provinz Ober-
Hessen (s. d.), hat 49l,2o cikin, (1890) 37959 (18775
männl., 19184 weibl.) E. - 2) Kreisstadtim Kreis
V., am Secmcnbach und an der Linie Gießen-Geln-
hausen der Oberhess. Eisenbahn, noch mit Ring-
mauern und Türmen umgeben, ist Residenz des
Fürsten von Isenburg-Vüdingen und hat (1890)
2776 E., darunter 40 Altkatholiken und 120 Is-
racliten, Post zweiter Klasse, Telegraph, Kreisamt,
Amtsgericht (Landgericht Gießen), Zollamt; fürstl.
Schloß, grohbcrzogl. Gymnasium (1601 gestiftet, Di-
rektor Dr. Wittmann, 10 Lehrer, 9 Klassen, 170
Schüler) und höhere Mädchenschule. In der Nähe
der HofHerrnbag, wo 1737 GrafZinzendorfeine
Vrüdergemeine stiftete, sowie der Weiler Marien-
born, wo er Seminar und Druckerei errichtete.
Büdinger, Mar, Geschichtsforscher, geb. I.April
1828 zu Cassel, studierte in Marburg, Bonn und
Berlin Philologie und Geschichte und habilitierte
sich 1851 in Marburg. Bald darauf wandte er sich
nach Wien, wo er im Dez. 1859 an der Heraus-
gabe der Reicbstagsakten teilnahm. Seit herbst
1861 wirkte B. als ord. Professor der Geschichte zu
Zürich und folgte im Herbst 1872 einem Ruf an die
Universität Wien. Seinen Ruf als Geschichtsforscher
begründete er namentlich durch die "Osterr. Ge-
sa ichte bis zum Ausgange des 13. Jahrh." (Bd. 1,
Lpz. 1858). In Verbindung mit dieser Arbeit stehen:
"Zur Kritit altbayr. Geschichte" (Wien 1857) und
"Zur Kritik altbödm. Geschichte" (ebd. 1857). Ferner
veröffentlichte er: "Nber Gcrberts wissenschaftliche
und polit. Stellung" (Abteil. 1, Cassel 1851), "König
Richard III. von England" (Wien 1858), "Über-
setzungen aus Nestors russ. Annalen" (1861), "Die
Normannen und ihre Staatengründungcn" (1860),
"Die Köniamhofer Handschrift und ihr neuester
Verteidiger" (Wien 1859), worin er vom Standpunkte
des Historikers aus die Unechthcit dieser altböhm.
Sprachdenkmäler nachzuweisen suchte; "Von dem
Bewußtsein der Kulturübertragnng" (Zür. 1864),
"Von den Anfängen des Schulzwangs" (ebd. 1865),
"Ein Buch ungar. Geschickte" (Lpz. 1866), "Das
mittelgriech. Volksepos" (ebd. 1866), "Skizzen zur
Geschichte päpstl. Machtentwickelung", Lebensbe-
schreibungen Wellingtons (ebd. 1869) und Lafayettes
(ebd. 1870), "Vorlesungen über engl. Verfasfungs-
geschickte" (Wien 1880), "Don Carlos' Haft
und Tod" (ebd. 1891). Außerdem gab er die
unter seiner Leitung von Mitgliedern des Züricher
Historischen Seminars verfaßten "Untersuchungen
zur röm. Kaisergeschichte" (3 Bde., Lpz. 1868-71)
und "Untersuchungen zur mittlern Geschichte" (Bd.
1 u. 2, Abteil. 1, ebd. 1871) heraus, und veröffentlichte
selbst eine Reihe von kritischen und universalhistor.
Abhandlungen, darunter "Catull und der Patriciat"
(in den "Sitzungsberichten der Wiener Akademie",
1890), "Cicero und der Patriciat", "Der Patriciat
und das Fehderccht", "Poesie und Urkunde bei Thu-
cridides" (in den "Denkschriften der Akademie der
Wissenschaften", Wien 1881,1886,1890-91), "Die
röm. Spiele und der Patriciat", "Über den Zu-
sammenhang einiger phönitischcr Colonialgrün-
dungen milder Exodus der Hebräer", dies in lat.
Sprache (in den "Sitzungsberichten der Wiener Aka-
demie", 1891).
VuäissH, lat. Name für Vautzen.
Büdissin, früher amtlicher Name von Vautzen.
Vudja(Budscha),afrik.Volksstamm,s.Bischarin.
Budmäni, Peter, Slawist, geb. 28. Okt. 1835
zu Ragusa, studierte in Wien, erhielt 1868 eine An-
stellung am Gymnasium in Ragusa, wurde 1870
zum Professor ernannt, 1883 zur Fortsetzung des
von der Akademie in Agranl herausgegebenen kroat.-
serb.Wörterbuchs nach Agram berufen. Er veröffent-
lichte: "(^r2.iiiiii2.ti(:2. äeiia lin^uH Lerdo-oroktH"