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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Buguruslan - Bühler
lOOOWotjaken; Ackerbau und Viehzucht. - 2) Kreis-
stadt im Kreis V., 301 km nordöstlich von Samara,
an dcr Vuguliüinka (zum Gebiet der Kama gehörig),
hat (1889) 12845 E., 3 Kircben, eine Kommunal-
bank, einen Jahrmarkt im September, auf dem ein
bedeutender Austausch russ. Fabrikate gegen mittel-
asiat. Waren stattfindet. - B., 1745 gegründet,
wurde 1781 Kreisstadt und gehörte 1796 - 1850
zum Gouvernement Orenburg.
Buguruslan. 1) Kreis im östl. Teil des russ.
Gouvernements Samara, hat 19 424,9 c^km, 358 278
E., die neben Russen aus Mordwinen (50 000),
Tschuwaschen (25 000), Tataren (15 000), Basch-
kiren (7000) bestehen: Acker-, Melonen- und Tabak-
bau, Vieh- und Bienenzucht. - 2) Kreisstadt im
Kreis V., 287 km ostnordöstlich von Samara, auf
einer Hochebene, die auf drei Seiten von ziemlich
hohen Bergen umgeben ist, an der Mündung der
Tarckanka in den Kinel, und an der Eisenbahn Sa-
mara-Ufa, hat (1889) 20511 E., 2 Kirchen, 1 Kloster,
1 Kreisscbule, Acker-, Gemüsebau, Handel mit Talg,
Leder, Vich, 2 Jahrmärkte.-B., 1748 gegründet,war
1802-50 Kreisstadt im Gouvernement Orenburg.
Bühel, Hans von, s. Büheler.
Büheler, Zaus der, oder Hans von Bühel,
Dichter, aus dem Elsaß, lebte 1412 in Diensten
des Kölner Erzbischofs Friedrich III. von Saar-
wcrden auf dessen Schlosse Poppelsdorf. Er bear-
beitete poetisch zwei ältere volksmäßige Romane.
"Die Königstochter von Frankreich" (1400) erzählt
dieselbe Sage wie Mai und Beastor und später das
Volksbuch von der geduldigen Helena, ist aber in
England und Frankreich lokalisiert und mit polit.,
denEngländern günstigen Anspielungen ausgestattet
(hg. von Merzdorf, Öldenb. 1867). Das kleinere
Werk, "Dioclctians Leben" (1412: hg. von Keller,
Quedlinb. 1841), enthält die Geschichte der Sieben
weisen Meister (s. d.), die V. in deutscher Prosa vorlag.
B. schließt sich eng an seiue Vorlagen an, ohne auf
Auswahl und neue Einzelzüge zu verzichten. - Vgl.
Selig in den "Straßburger Studien", Bd. 3 (1888).
Buhl, Franz Armand, Parlamentarier, geb.
2. Aug. 1837 zu Ettlingen, studierte in Heidelberg
Naturwissenschaften und widmete sich dann der
Verwaltung seines Gutes zu Deideshcim in der
Pfalz, wo er Mitinhaber der Weinfirma F. P. Buhl
ist. Er gehörte seit 1871 als Vertreter des Wahl-
kreises Homburg-Kusel dem Deutschen Reichstage
an, wo er sich der nationalliber^len Partei anschloß
und namentlich für die Interessen der deutschen
Weinkultur eintrat. Er bewirkte 1873 die Annahme
eines Gesetzes gegen die Reblaus, 1881 die Ein-
führung eines Zolls auf fremde Trauben und hatte
1892 Anteil an dem Zustandekommen des Wein-
gesetzes. Auch sonst war er besonders in volkswirt-
schaftlichen und socialpolit. Fragen thätig, in denen
er häufig das Kommissionsreferat hatte. Insbeson-
dere batte, cr an der Ausgestaltung der Krauken-
und Unfallversicherung sowie der Invaliditäts- und
Altersversicherung großen Anteil. 1887-90 war
V. erster Vicepräsident des Reichstags. Bei den
Neichstagswahlen im Juni 1893 kandidierte er nicht
wieder. Im Okt. 1885 wurde er zum lebenslänglichen
Mitglied der bayr. Kammer der Reichsräte ernannt.
Buhl, Ludw. von, Physiolog, geb. 4. Jan. 1816
zu München, studierte in München, Wien, und
nachdem er 1842-44 als Assistent am Kranken-
hause in München gewirkt hatte, noch in Paris
Medizin. Nach München Zurückgekehrt, habilitierte
er sich 1847 daselbst für Physik. Diagnostik, pathol.
Anatomie und Mikroskopie. Zum Zwecke diagnost.
Untersuchungen war ihm die innere Abteilung des
Krankenhauses überlassen worden. Im Vereiu mit
Thiersch richtete er die pathol.-anatom. Demonstra-
tionen ein, wobei letzterer mehr die chirurgischen, B.
hingegen die innern Fälle behandelte. Nach Thierschs
Abgang übernahm B. die Prosektur, wurde 1850
zum außerord. und 1859 zum ord. Professor der
allgemeinen Pathologie und der pathol. Anatomie
ernannt, und seit 1875 stand das neuerrichtete pa-
tbol. Institut ganz unter V.s Leitung. B. starb
30. Juli 1880 in München. Seine bedeutendste Arbeit
ist die Schrift: "Lungenentzündung, Tuberkulose und
Schwindsucht"(Münch. 1872;2.Aufl. 1874). Außer-
dem hat er eine große Anzahl von Abhandlungen
über Typhus, Cholera, Leberkrankheiten, Kindbett-
sieber u. s. w. veröffentlicht. B. gilt als Entdecker
des konstanten Vorkommens von Pilzen in der
Diphtheritis und hat zuerst auf eine neue Pilzkrank-
heit im Magen und Darmkanal, die sog. Intcstinal-
mykosis, aufmerksam gemacht. Sein Denkmal in
München wurde 31. Mai 1884 enthüllt.
Bühl. 1) Amtsbezirk im bad. Kreis Baden, hat
(1890) 29911 (14513 männl., 15398 weibl.) E.,
darunter 610 Evangelische und 265 Israeliten, 5845
Haushaltungen und 29 Gemeinden. - 2) Hauptstadt
des Amtsbezirks V., 12 1cm im SW. von Baden-
Baden, im fruchtbaren sog. "Goldenen Lande", am
Sandbach, der hier Vüllott heißt, am Ausgange
eines Schwarzwaldthales und an der Linie Karls-
ruhe-Appenweier der Bad. Staatsbahnen und der
Dampfstraßenbahn Kehl-V. (39,i km), ist Sitz eines
Bezirksamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht
Ofsenburg), einer Domänenverwaltung, einer Be-
zirksforstei und hat (1890) 3002 (1437 männl., 1565
weibl.) E., darunter 235 Evangelische und 258 Is-
raeliten, Post zweiter Klasse, Telegraph; eine kath.,
eine evang. Kirche, eine Synagoge, ein aus der alten
kath. Kirche umgebautes schönes Rathaus, Steuer-
cinnehmerei, eine Industrie-, Gewerbe- und land-
wirtschaftliche Schule; Baumwollspiunerei, Zwir-
nerei, Färberei, Tricotstrickerei, Gerbereien und
Vlumenfabrikation; ansebnlichc Wochen- und Jahr-
märkte, bedeutenden Kandcl mit Obst (Kirschen,
Pflaumen, Heidelbeeren), Kanf, Flachs, Frucht, Ka-
stanien und Vieh, große Weinhandlungen, nament-
lich für den berühmten Affenthaler Notwein. 4 kin
nordöstlich Affenthal (Weinbau): Östlich durch
das Vühlerthal mit den berühmten Gerthel-
bach-Wasserfällen und bedeutenden Holzsäge-
werken nach den Luftkurorten Sand, Plättig und
.hundscck. Nabe bei B. das schön gelegene Kavpel-
windeck mit der Burgruine Win deck, sett 12. Jahrh.
Eigentum des Geschlechts der Windecker, 1370 ver-
wüstet, seit 1723 vadisch. Südlich von V. die viel-
desuchte Wallfahrtskirche Marialiuden.
Bühl. 1) Dorf im Kreis und Kanton Gebweiw
des Bezirks Oberelsah, 3 km nordwestlich von Geb-
weiler, im Lauchthal (Vlumenthal), an der Neben-
linie Vollweiler-Lautenbach der Elsaß-Lothring.
Eisenbahnen, hat (1890) 3168 (1438 männl., 1730
weibl.) kath. E., Post, Telegraph; großartige Woll-
lämmerei, Spinnerei und Weberei (33 000 Spin-
deln, 900 mechan. Webstühle), Baumwollspinnerei
und Weberei. - 2) Bad im Unterelsasi, s. Barr.
Bühler, Joh. Georg, Sanskritforscher, geb.
19. Juli 1837 zu Borste! bei Nienburg in der preuß.
Provinz Hannover, studierte 1855-58 zu Göttingen,