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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bullion - Bülow (Alexander Friedr. Wilh. Ferd. von)
wurde. Seitdem das anerkannte Haupt der schweiz.
Kirche, trat V. gegen Bncers "Concordia" nnd
Luthers und I. Vrenz' Abendmahlslehre auf. Fried-
fertig und maßvoll, verfaßte er die erste Helvetische
oder zweite Vafeler Konfession (1536), verständigte
sich 1549 mit Calvin in Bezug auf die Abendmahls-
lehre, über den Züricher Konsensus, der die franz.-
und die deutsch-schweiz. Kirche vereinigte, und gab
1566 in der zweiten Helvetischen Konsession ein Be-
kenntnis, das lange maßgebend blieb. V. starb
17. Sept. 1575. Neben zahlreichen eigenen Schriften
gab er 1543 die Zwingiis heraus, für dessen Sache
cr als Pamphletist ("Salz zum Salat", 1532,
gegen den Luzerner Schriftsteller Salat) und Chro-
nist eintrat. Handschriftlich hinterlieh er u. a. "Ge-
schichte der Eidgenossen, besonders der Tiguriner"
(4 Vde.) und "Neformationsgeschichte" (hg.von Hot-
tinger und Vögelt, 3 Bde., gür. 1838-40). Auch
schrieb V. "Ein schön spil von Lucretia und Brutus"
(Bas. 1533; Strahb.1550), mit polit.und kirchlicher
Tendenz (Neudruck durch Vä'chtold in "den Schweiz.
Schauspielen des 16. Jahrh.", I, Zur. 1890). Von
sich selbst erzählt er in dem handschriftlichen "Dia-
rium". - Vgl. Pestalozzi, H. V., Lebcn und aus-
gewählte Schriften (Elberf. 1858); Christoffel, H. V.
und seine Gattin (Zür. 1875).
Bullion (spr. bülljönn) wird in England und
Nordamerika das ungcprägte Gold und Silber ge-
nannt, welches in Gestalt dicker Stäbe oder Barren
(s. d.) einen Handelsgegenstand ausmacht und unter
den Metallvorräten der größcrn Banken eine be-
sondere Rolle spielt.
Bullionausschuß (Lulliou. committee; spr.
bülljönn kommittih), die allgemein üblich gewor-
dene Bezeichnung des parlamentarischen Komitees,
das 1810 zur Untersuchung dcr engl. Valutavcrhä'lt-
:üsse (s. Vankrestriktion) niedergesetzt wurde und in
seinem Berichte, dem sog. Luilion Import (eigentlich
Ilsport 0n tiie luFli priee ol^oiäduiliou), die Grund-
sätze aufstellte, die fpäter mehr und mehr für die engl.
Bankpolitik und bis zu einem gewissen Grade auch
für die Pcelsche Vankakte (s. d.) maßgebend geworden
sind. Das Barrengold (dulliou) war damals mit
Rücksicht auf den frühern Münzpreis um ein Bedeu-
tendes gegen die uneinlöslichen Banknoten gestiegen.
Die Differenz des Wertes zwischen Papier und edlem
Metall hatte während desFranzösisch-Spanisch-Por-
tugicsischcn Krieges (1807-14) und der deutschen
Befreiungskriege ihren Höhepunkt erreicht. 1812
galten 100 Pfd. St. in Noten durchschnittlich
75 Pfd. St. 5 Sh. 3 Pence in Gold, 1813 nur
71 Pfd. St. 2 Sh., 1814 74 Pfd. St. 17 Sh. 6 Pence.
Gleichwohl aber bestritten die Direktoren der Bank,
daß die Noten entwertet seien; sie behaupteten, die
Noten könnten überhaupt nicht an Wert verlieren,
solange sie uur gegen unzweifelhaft solide, auf
reellen Geschäften beruhende Wechsel mit kurzer Ver-
fallzeit ausgegeben würden. Dem entgegen wies
der V. nach, daß nicht das Gold gestiegen, sondern
die Noten wirklich gesunken seien, daß zu viele Noten
im Umlauf seien und daß die Ausgabe derselben
durch die Einstellung dcr Einlösung ihre natürliche
Kontrolle verloren habe; man möge daher möglichst
bald, nämlich in 2 Jahren, die Barzahlung wieder
aufnehmen. Diese Ansichten wurden von dem V.
keineswegs zuerst, aber in einer eindrucksvollen,
wissenschaftlichen Form entwickelt, und derVnllion-
bericht erlangte daher als Programm einer streng
solidenVankpolitik auch außerhalb Englands großes
Ansehen. Man bezeichnet auch wohl die Anbänger
dieser Politik, die vor allem die unbedingte Einlös-
lichkeit der Banknoten sichern will, als Bullio-
nisten, im Gegensatz zu den Inflationisten
(s. d.), die durch reichliche, wenn auch weniger solide
Umlaufsmittel die Lage der Schuldner und der
Produzenten verbessern zu können glauben.
Bullionifteu, Vullion Report (spr. bülljönn
rippöhrt), s. Vullionausschuß.
Vullition (neulat.), das Vlascnwcrfcn, Auf-
wallen, Sieden; bullös, blasig.
Vullockmafchine, eine Schnellpresse (s. d.).
Bullrichs Salz, ein frübcr als Geheimmittel
empfohlenes, in wässeriger Lösung einzunehmendes
Salzgemisch, das aus doppeltkohlensaurem und
schwefelsauren: Natrium bestand; jetzt erhält man
in Droguenhandlungen unter obigem Namen meist
nur das doppeltkohlensaure Natrium.
Bull Nun (spr. rönn), Ncbcnflüßchen des Poto-
mac, südwestlich von Washington, bekannt durch die
an ihm 21. Juli 1861 und 29. und 30. Aug. 1862
geschlagenen, für das Vundeshecr unglücklichen
Schlachten. - Vgl. Ilio OouieäLrats 8tat63 ^i-iu^
k:iä tke I)atti6 olü. N. (Neuyork 1862).
Bullterrier (engl.), Hunderasse, s. Hunde.
Vuli^-trvV (spr. trih), s. Valata.
Bulmerincq, August von, Staatsrechtslehrer,
geb. 12. Aug. (31. Juli) 1822 in Riga, studierte in
Dorpat und Heidelberg die Rechte, habilitierte sich
1853 in Dorpat und wurde 1856 außerord., 1858
ord. Professor des Staats- und Völkerrechts. In
Dorpat wirkte V. für den geistigen und materiellen
Fortschritt dcr Ostseeprovinzen, regte hier den ersten
landwirtschaftlichen Kongreß und die erste Gewerbe-
ausstellnng an und begründete 1863 die "Bal-
tische Wochenschrift für Landwirtschaft, Gewerb-
fleiß und Handel". 1875 siedelte V. nach Deutsch-
land über und war 1877-87 als Berichterstatter
dcr Kommission für Seekriegsrccht bei dem Genter
Institut für internationales Recht thätig, 1887-88
dessen Präsident. Sein Rapport, der eine Darstel-
lung und Kritik des Prisenrcchts aller Länder und
ein allgemeines internationales Prisenrechtsregle-
ment giebt, erschien 1880 in Gent und erhielt 1887
die Schlußredaktion. 1876-81 lebte B. in Wies-
baden, seit 1882 war er Professor des Staatsrechts
und der Politik in Heidelberg; er starb 18. Aug.
1890 in Stuttgart. V. schrieb: "Das Asylrecht in
seiner geschichtlichen Entwicklung" (Dorp. 1853),
"Oo rmtui-H priucipioruui Hm-is iutor F6ut63 P03i-
tivi" (ebd. 1856), "Die Systematik des Völkerrechts"
(Bd. 1, ebd. 1858), "Praxis, Theorie und Kodifika-
tion des Völkerrechts" (Lpz. 1874), "Das Völker-
recht oder das internationale Recht" (als Teil von
Marquardsens "Handbuch des öffentlichen Rechts",
Freib. i. Br. 1884; auch gesondert erschienen, 2. Ausg.
1889), "Die Staatsstreitigkciten und ihre Entschei-
dung" (in Holtzendorffs "Handbuch des Völker-
rechts", Bd. 4, Hamb. 1889).
Buloug, s. Agar-Agar.
Bulor-Dagh, s. Volor-Dacch.
Bülow (Vogel), soviel wie Pirol (s. d.).
Bülow, Alexander Friedr. Wilh. Ferd. von,
mecklenb. Staatsminister, geb. 23. Febr. 1829 in
Ludwigslust, studierte seit 1847 in Heidelberg, Ber-
lin und Rostock die Rechte, beschäftigte sich später
mit Landwirtschaft und bewirtschaftete seit 1857
väterliche Güter. 1860 mit dem Lehngute Rodcn-
walde belehnt, übernahm er für einige Jahre als