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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bundestag - Bundschuh
des Bundes durch Matrikularbeiträge aufgebracht.
Für Streitigkeiten unter den verbündeten Staaten
oder mit dem Bunde wurde gewöhnlich ein schieds-
ren, s. d.). Der Verband hat einen völkerrechtlichen,
keinen staatsrechtlichen Charakter. Der Staatenbund
hat keine Einheit, er ist schwach nach innen und nach
ach^. Ev Henüat daher weder den Interessen noch
der nationalen Nachtentwicklung großer Völker.
Zuerst hat die Union der Vereinigten Staaten
von Amerika den Fortschritt aus dem Staaten-
bunde in die höhere Form des B. oder der Föde-
ration gemacht, indem Hamilton den Gedanken
aussprach und mit Hilfe der Konvention von 1787
zur Geltung brachte, daß zwar die staatliche Existenz
und Selbständigkeit der verbündeten Staaten er-
halten bleiben solle, aber trotzdem der Verband der-
selben als nationaler Gesamtstaat ausgebildet und
mit eigenen Organen für Gesetzgebung, Negierung,
Rechtspflege ausgestattet werde, die verschieden sind
von den entsprechenden Organen der verbündeten
Staaten. Damit wird auch die Gesamtheit zu einer
souveränen, lebensfähigen und mächtigen Staats-
person erhoben. Diese Verfassung wurde sodann
1848 von der Schweiz nachgebildet und mit den
Modifikationen, welche die deutschen monarchischen
Staaten und die preußisch-deutsche Entwicklung for-
derten, auch bei der Gründung des Norddeutschen
Bundes 1867 und des Deutschen Reichs 1871 an-
genommen. Der V. ist staatsrechtlich, nicht mehr
völkerrechtlich. Die Form nähert sich dem Ein-
heitsstaate, welcher eine Autonomie der Provin-
zen oder Kronländer verstattet (Österreich mit seinen
Kronländern, Ungarn mit seinen Nebenländern).
Die principielle Verschiedenheit des B. vom Ein-
heitsstaats liegt in der Organisation der Central-
gewalt, welche in letzterm einheitlich, in ersterm
föderativ ist. Im Deutschen Reich ist die Einheit
der verbündeten Regierungen Träger der souveränen
Centralgewalt, derart, daß dieselbe durch einen Re-
präsentanten, den Bundesrat, zur Ausübung ge-
langt. Der V. hat eine ihm eigene Gesetzgebung,
Regierung, Gerichte, eigenes Heer und Marine,
eigene Finanzen, eigene Diplomatie und Konsular-
vertretung im Auslande. DieFunktionen des Staates
sind geteilt zwischen V. und Einzelstaatcn, jedoch
so, daß die Nechtssetzung des erstem stets derjenigen
der letztern vorgeht ("Reichsrecht bricht Landes-
recht") und daß die Grenzen der Kompetenz durch
den V. gegenüber den Einzelstaaten gezogen werden,
demgemäß auch verändert werden können. Aller-
dings mögen bei der weitgezogenen autonomen
Selbständigkeit der Einzelstaaten leicht Reibungen
und Schwierigkeiten vorkommen. Indessen lassen
sich diese teils durch Kompetenzausscheidung, teils
durch richterliche Entscheidungen (Nordamerika),
teils durch verfassungsmäßige Mittel (Deutsches
Reich), insbesondere aber durch kluge Politik der
Centralgewalt zurüädämmen, und die Vorzüge der
Einrichtung, welche zugleich die Macht und Wirk-
samkeit des gemeinsamen nationalen Vaterlandes
und die Freiheit der einzelnen kleinern Länder sichert,
sind für die Völker so wertvoll, daß vor diesem In-
teresse alle Bedenken zurücktreten. Freilich scheint
die Form des B. doch nur eine Übergangsform zu
sein. Wenn das Streben nach voller Staatseinheit
erwacht und das Bewußtsein der innern Zusammen-
H^kMVH^^ ^s ganzen Volks erstarkt, so liegt die
Gefahr nabe, daß diese Form in die der vollen
Brockhaus' Konversations-Lexilon.. 14. Aufl. m.
Union umgewandelt werde. Die Einverleibung eines
bisher selbständigen, wennauch nur halbsouveränett
Partikularstaates in den Hauptstaat oder den Ge-
samtstaat wird Inkorporation genannt und, je
nachdem man sich auf den Standpunkt des letztern
stellt, auch als Annexion bezeichnet oder, wenn man
auf dem Standpunkte des erstern steht, der freiwillig
sich an den Hauptstaat oder Gesamtstaat anschließt,
Accession genannt. Beispiele für jene sind die
Annerion von Hannover, Kurhessen, Nassau, Frank-
furt, Schleswig-Holstein an Preußen 1866 und für
diese der Veitritt der ital. Mittelstaaten zum neu-
gebildeten Königreich Italien. Für die staatsrecht-
liche Wissenschaft ist der Begriff des B. immer noch
eine lebhaft umstrittene Kontroverse; bedeutende
Schriftsteller wie Seydel verwerfen denselben ganz
und erklären nur den Begriff "Staatenbund" als
dem Einheitsstaat gegenüber juristisch haltbar.
Litteratur. Außer den Werken überallgemeines
und deutsches Staatsrecht vgl. Vrie, Der V.
(1. Abteil., Lpz. 1874); Iellinek,' Die Lebre von den
Staatenverbindungen (Wien 1882); Westnkamp,
Staatenbund und B. (Lpz. 1892).
Bundestag, die Versammlung der Delegierten
eines Staatenbundes; speciell verstand man dar-
unter die von 1816 bis 1866 tagende Deutsche Bun-
desversammlung zu Frankfurt a. M. (s. Deutscher
Bund).
Bundestheologie, s. Föderaltheologie.
Bund für Bodenbesitzreform, s. Landliga.
Bundgarn, Fischereigerät, s. Neuse.
Nundgatter, s. Sägemaschinen.
Vundhaube, eine männliche Kopfbedeckung im
13., 14. und 15. Jahrh., die den Oberkopf eng uni-
schloß und vermittelst zweier
Laschen, die häusig beide Wan-
gen bedeckten, unter dem Kinn
geknotet ward. Sie wurde ge-
wöhnlich von Weiher Farbe,
zuweilen auch rot oder grün
oder buntstreifig getragen und
nicht selten längs dem Nande
mit einer schmalen Einfassung
verziert. Dante ist meist mit
einer B. dargestellt. Auch Lud-
wig XI. trug sie in spätern
Jahren immer. Im 16. Jahrh, wird sie zur Calotte
(s. d.). Die vorstehende Figur ist nach dem Grab-
male des Acciajuoli in der Certosa bei Florenz.
Bündig nennt man im Bauwesen zwei Gegen-
stände, die zusammen eine Fläche bilden. So ist ein
in der Flucht der Mauer abgeschnittener Balken mit
dieser bündig.
Bundlecund (spr. böndlkönnd),s.Bundelkhand.
Bündnis, s. Allianz.
Bundschuh, früber eine Art großer Schuhe, die
bis an die Knöchel reichten und mit Riemen gebunden
wurden. Sie waren in ältester Zeit oft nur aus Holz,
meist aber aus hartem Nindsleder und so Zeichen
des Bauernstandes, angeblich seit Karl d. Gr., wäh-
rend der Adel Stiefel trug. Bei den tumultuari-
schen Unruhen im 16. Jahrh, machten die Bauern,
wohl zuerst bei dem 1502 in Nntergrünbach im Bis-
tum Speier sich erhebenden Aufstande, den V. zu
ihrem Kriegs- und Wahrzeichen, weshalb man mij
diesem Namen auch die Ausstände während des
Bauernkrieges belegte. Einen V. machen, hieß im
16. Jahrh, "sich verschwören", auch von Zwei oder
drei Personen gebraucht, "VuMchkhn", Ewh^n.
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