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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Buschmannsland - Busembaum
Eigenschaften des Wildes und mit sehr scharfen
Sinnen, zeigen sie bei plötzlicher Gcfabr große
Geistesgegenwart. Ihre ausschließliche Bewaffnung
besteht in Bogen und vergifteten Pfeilen, deren
Spitzen aus Knochen-, Stein- oder Glassplittern,
selten aus Eisen bestehen. Bemerkenswert ist ihre Be-
gabung für Bemalung, wie die zahlreichen von ihnen
herrührenden Abbildungen der einheimischen Tiere
bezeugen, die man auf Felsen in den von ihnen be-
wohnten Gegenden findet. Die Idiome der verschie-
denen Vuschmannstämme zeigen so durchgreifende
Verschiedenheiten untereinander, daß sie kaum als
Dialekte bezeichnet werden können. In lautlicher
Hinsicht zeichnen sie sich besonders durch ihre Schnalz-
laute aus, die noch zahlreicher sein sollen als im
Hottentottischen. Was den Bau dieser Sprachen
betrifft, so kennen sie sowohl Präfir- als auch Suffir-
bildung. Charakteristisch für die Kulturstufe der V.
ist der Umstand, dah ihre Zahlenausdrücke nur bis
"zwei" reichen. Die wenigen, aus Strohhütten be-
stehenden Ortschaften zählen nie über 100 E. Der
Begriff der Obrigkeit ist ihnen fremd. Innerhalb
der Kapkolonie leben die V. zum Teil im Dienste der
Kolonisten, zum Teil auf unzugänglichen Gebirgen
oder in den öden Steppen. Alle Versuche, sie gleich
den Hottentotten in Lokationen zusammenzuziehen,
sind gescheitert. (S. Tafel: Afrikanische Völ-
kertypen, Fig. 16 u. 17.) - Vgl. Waitz, Anthro-
pologie der Naturvölker, Bd. 2 (Lpz. 1860); Fritsck,
Die Eingeborenen Südafrikas, ethnographisch und
anatomisch beschrieben (mit Atlas, Vresl. 1872):
Holub, Sieben Jahre in Südafrika (2 Bde., Wien
i?81); Natzel, Völkerkunde (Lpz. 1885).
Bufchmannsland, in der brit. Kapkolonie
das Hochplateau sin 1140 m Höhe), das den nord-
östl. Teil des Klcinnamalandcs, den nördl. Teil der
Distrikte Calvinia und Carnarvon umfaßt und von
dem periodischen Hartebccstfluß durchzogen wird. Es
ist eine fast wasscrlose Gegend, die aber nach rcich-
lichenNegenfällen mit vortrefflichem Gras sich bedeckt;
sie wird spärlich und nomadenhaft von Voers, Ko-
ranna, Nama und Buschmännern bewohnt.
Buschmeister, Surukuku (Lackel muta.^.),
eine sehr schön gezeichnete Giftschlange Brasiliens
von 2,5 m Länge und der Dicke eines Mannsschen-
kels. Sie ist den Klapperschlangen nahe verwandt,
besitzt jedoch anstatt der Klappern an der Schwanz-
spitze nur einige zugespitzte Schuppen und einen
Dorn. Ihr Biß soll unfehlbar tödlich sein.
Bufchschlüpfer (IroFioä^tinNe), Vogelfamilie,
zu der der Zaunkönig gchört.
Buschspittnc, s. Vogclspinne.
Vuschtehrad, s. Buschtichrad.
Buschtiehrad, Marktflecken im Gcrichtsbezirk
Kladno dcr österr. VezirkshauptmannschaftSmichow
in Böhmen, 16 kni nordwestlich von Prag an dcr
Linie Wejhybka-Kralup der Vuschtichradcr Bahn,
bat (1890) 3222, als Gemeinde 3267 E., Post,
Telegraph, ein kaiserl. Schloß (337 m) mit Herr-
schaft (2087 ba), Trümmer eines alten Schlosses,
in die jetzt ärmliche Häuschen eingebaut sind, eine
berühmte kaiserl. Brauerei (jährlich an 20000 1i!)
und bedeutende Steinkohlenwerke (früher im Privat-
besitz des Kaisers, seit 1882 durch Kauf in den Be-
sitz dcr Buschtiehradcr Eisenbahn-Akticnacsellschaft
übergegangen). Dcr Bahnhof liegt bci dem I km
nordwestlich gelegenen Dorfe Napitz (Napic, 625
czcch. E.), wo sich auch die wichtigsten Werke und
die Beamtenwobnungen befinden. Die ganze Um-
gegend nördlich ist sehr reich an Steinkohlen, zu
deren Vertrieb 1857 die Vuschtiehradcr Eisenbahn
(s. d.) gebaut wurde, die alle Kohlenwerke im sog.
Obern Reviere miteinander verbindet. Nahe bei
Napitz im Walde die scköne Kapelle St. Johannis.
Vnfchtiehradcr Eisenbahn, Böhmische
Nord westbahn, Privatbahn in 2 Linien: Litt. ^.
Prag-Priesen, 5. Nov. 1855 eröffnet, mit Zweig-
bahnen (Ende 1892) 183,70 km; Litt. V. Priesen-
Komotau-Eger, 1. Okt. 1886 eröffnet, mit Zweig-
linien (Ende 1892) 236,49 km, unter der General-
direktion der k. k. privilegierten A. E. in Prag. Die
Gesellschaft betreibt außerdem 18 Industrie- und 37
Kohlenbahnen mit einer Gesamtlänge von 46,95 km,
wovon 7,85 km fremdes Eigentum sind. 1882 kaufte
die Gesellschaft die bis dahin im Privatbesitz des
Kaisers von Österreich gewesenen Steinkohlenwerke
Buschtiehrad-Napitz für 6100 000 Fl. Der Besitz
umfaßt 1815 874 Quadratklafter Grubenfeld, dessen
Reinertrag den beiden Linien zu gleichen Teilen zu-
fällt. Die Rechnungsführung der beiden Linien ist
im übrigen getrennt. Nach dem neuen Statut von
1890 (§. 54) fällt aber der eine lOprozentige Divi-
dende übersteigende Reingewinn einer Linie zu glei-
chen Teilen den beiden Strecken zu. Die Aktien
Litt. ^. lauten auf 500 Fl. Konv.-Münze - 525 Fl.
österr. Währung, die Aktien Litt. L. auf 200 Fl.
österr. Währung. Das Aktienkapital bestand Ende
1892 auf Litt. ^. aus 20941 und auf Litt. Z. aus
86500 Aktien verschiedener Emissionen. Außerdem
sind von den Aktien Litt. ^. 659 Stück getilgt und
dafür Genußscheine ausgegeben, welche in den letz-
ten Jahren immer mit 5 Proz. eingelöst wurden.
Von der gesamten Prioritätenschuld im Betrage
von 40657850 Fl., von welcher etwa 5^ Mill. Fl.
getilgt sind, fällt auf Litt. ^. 45,i4 Proz., auf Litt.
^. 54,86 Proz. Seit dem 1. Okt. 1890 ist auf beiden
Linien für den Personenverkehr der Kreuzer-Zonen-
tarif eingeführt. Die gesamten Bruttoeinnahmen
betrugen auf Litt. ^.: 1891 3681530,37 Fl., 1892
3571062,94 Fl.; aus Litt. V. 1891 5262120,14 Fl.,
1892 5 233 962,85 Fl. Die Betriebsausgaben stellten
sich für Litt. ^. 1891 auf 1284959,76 Fl., 1892 auf
1259259,80 Fl.; für Litt. V. 1891 auf 1739237,07
Fl., 1892 auf 1776313,60 Fl. - Kurs der Aktien
Litt. ^. ult. 1886-92 in Leipzig: 120,-, 118,50,
137,s;5,170,75,200,25,200,-, 171,50 Proz.; Litt.L.
in Berlin desgleichen: 84,50, 84,70,131,50, 175,50,
215,90, 207,75, 189,90 Proz. - Dividende 1891:
Litt. ^. 10, Litt. L. 10'/2 Proz., 1892: Litt. ^.
82"/2,,Litt. L. lO'/i Proz.
Büse, öcringsbüse, ein Nordseefischerfahr-
zeug mit Großmast und Treibermast.
Buscmbaum (Busen bäum), Zerm., Jesuit,
geb. 1600 zu Notteln in Westfalen, lehrte seit 1640 zu
Köln die Moral, wurde später Rektor des Iesuiten-
! kollegs zu Münster und starb dort 31. Jan. 1668.
Berühmt ist sein Handbuch der Moral, "NeäuU^
tnoow^iae M0I-3.Ü8" (Münst. 1645), das, allgemein in
den Seminarien der Jesuiten gebraucht, in mehr als
70 Auflagen (neuerdings Löwen 1848) erschien. Der
Jesuit Lacroir erweiterte es auf acht Oktavbände
(Köln 1716-33); mit neuenZusätzen versahen es die
! Jesuiten Montausan (2 Bde., Lyon 1729), Alfonso
Liguori (3 Bde., Rom 1757) und Zaccaria (3 Bde.,
Vened. 1761). Das Werk wurde in Frankreich und
^ Österreich verboten. Als Damiens Mordversuch
auf Ludwig XV. (1757) den Jesuiten zur Last gelegt
und aus Lacroir' Erweiterung der "^säulia" nach-