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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bußpsalmen - Bustamente
Vußpsalmen beißen in der katb. Kirche die
sieben Psalmen 6, 31, 37, 50, 101, 129, 142 (nach
der Zählung der Vulgata), entsprechend den sieben
Wochentagen. Der 50. (Ni36rei-o) und der 129. (v6
In'nt'nuäiZ) dienen auch zu Gebeten für Verstorbene.
Das "Ni50V6i-6" (s. d.) ist oft komponiert worden.
Vußfat'ramcnt, s. Buße (S. 791 d).
Bußstationen oder Vußgrade, s. Buße
(3. 791 d) und Kirchenbuße.
Bußtag, früher gewöhnlich Vuh-, Vet-
und Fasttag genannt, ein kirchlich angeordneter
Festtag, dcr vor andern den Menschen veranlassen
soll, über sich und sein Verhältnis zu Gott nach-
zudenken und Buße zu thun. Besondere Vettage
gab es schon bei den Römern, wenn große linglücks-
fällc den Staat bedrohten oder trafen, zur Sühnung
dcr zürnenden Gottheit. Auch die Lange Nacht bei
den Juden ist ein solcbcr V. In der christl. Kirche
werden regelmäßige Vußzeiten (äiez roMtiounm)
und außerordentliche für besondere Notfälle (äieg
"upplicationum) unterschieden. Als feststehende
Vuß-, Bet- und Fastenzeit galt in der alten Kirche
die österliche Fastenzeit (Huluii-^esiinll), wozu bald
die Advcntszeit und im Mittelalter noch zwei andere
Vußzeiten, zwischen Ostern und Pfingsten sowie im
Herbst gefügt wurden. Hieraus gingen die sog.
Quatcmbcrtage (s. Quatemberfasten) hervor, sodah
alle vier Jahreszeiten ihre Vußzeiten hatten. Deren
Beobachtung ist in der evang. Kirche allmählich
überall zu Gunsten der von den Landcsobrigkeiten
angeordneten Landcsbu ß tage verschwunden. In
Beziehung auf diese herrschte die größte Mannig-
faltigkeit. Mecklenburg hatte vierV.: Freitag nach
Invocavit, Karfreitag, 5. Sonntag nach Trinitatis,
Freitag vor 1. Advent. Zwei V. hatten Sachsen
(die Freitage vor Oculi und vor dem letzten Sonn-
tage nach Trinitatis), Weimar und Gotha (gemein-
sam Karfreitag und Freitag nach dem 1. Advent).
Nur einen A.: Großherzogtum Hessen (Palm-
sonntag), Baden (letzter Sonntag nach Trinitatis),
Braunschwcig (Mittwoch nach 7. Nov.), Bayern
und Württemberg (gemeinsam Invocavit), Preußen
und Anhalt (gemeinsam Mittwoch nach Iubilate),
Oldenburg (Freitag vor Invocavit), die Schweiz
(^onntcH nach 14. Sept.). Auch viele ganz kleine
Gebiete, z. B. die fünf hannov. Konsistorialbezirke,
battcn eigene B., die nur zum Teil mit andern zu-
sammenfielen. Diese Zustände wurden, wenigstens
für Norddeutschland, beseitigt durch das prcuß. Ge-
setz vom 12. März 1893, nach welchem für Preußen,
mit Ausnahme der hohcnzoll. Lande, der B. vom
Mittwoch nach Iubilate auf den Mittwoch vor dem
letzten Trinitatisfonntag verlegt wird. Dieser 1893
in Kraft getretenen Ordnung haben sich angeschlossen:
das Königreich Sachsen (dessen anderer V. jetzt auf
den Mittwoch vor Oculi fällt), die sächs. Herzog-
tümer, Vraunschweig, Anhalt, beide Schwarzburg,
Reuß j. L., Waldeck, Schaumburg-Lippe und die drei
Hansestädte. InOldenburgundLippe-Dctmoldmuß
erst noch der Zusammentritt der Synode (1895) ab-
gewartet werden. Ausgeschlossen haben sich und ihre
bisherigen V. beibehalten: die beiden Mecklenburg,
Reuß ä. L. und die süddeutschen Staaten. Um dem
neuen norddeutschen B. den Charakter eines kirch-
lichen Feiertags zu geben, haben die kath. Bischöfe
einen kath. Heiligentag auf ihn verlegt. In Osterreich
feiert die rcform. Kirche einen gemeinsamen V. am
ciften Adventssonntag, während den luth. Gemein-
den 1963 freigestellt ist, dcn, wie dcr vorige, unter
Joseph II. für sie angeordnetenB. von dem ursprüng-
lich dafür festgesetzten 8. Dez. auf einen der Advents-
sonntage zu verlegen.
Butzurmancn, s. Vaßurmancn.
Bufsy - Nabutin (spr. büssi rabütäng), Roger,
Graf von, franz. General und Schriftsteller, geb.
18. April 1618 zu Epiry (Depart. Nicvre), Vetter
der Frau von Eevignö, diente seit seinem 12. Jahre
im Regiment seines Vaters und stieg rasch bis zum
Generallieutenant empor, verfeindete sich mit dem
Marschall Turenne und mußte die Armee verlassen.
Er ging nun an dcn Hof, wo ihm ein Spottgedicht
auf die Liebschaft Ludwigs XIV. mit der LaVallie're
die königl. Ungnade zuzog, sodaß er, vorgeblich
wegen seiner "llistmi-c; Hiiioin'ou36 ä63 O3.11I68"
(zuerst gedruckt in Lüttich 1665 u. ö.; neue Ausg..
4 Bde., Par. 1876, mit (5'inleitungund Anmerkungen
von Boitcau), ein Jahr lang in die Bastille gesetzt,
sodann auf seine Güter verbannt wurde und erst nach
16 Jahren wieder in Versailles erscheinen durfte.
Später kehrte B. nach Burgund zurück. Hier schrieb
er seine " NömoireZ " (2 Bde., 1696; neu hg. von
Lalanne 1857) und "I,6tti-68" (7 Bde., Par. 1697
u. 1709; gute Ausg. von Lalanne, 5 Bde., 1858-
59). Er starb 9. April 1693 zu Autun.
Vußzucht, s. Kirchcnzucht.
Bustamente, Anastasio, mcxik. Präsident, geb.
27. Juli 1780 bei Queretaro in Mexiko, studierte
Medizin und ließ sich als Arzt in San Luis Potosi
nieder. 1821 schloß er sich im Aufstand gegen
Spanien an Iturbide an und wurde von ihm
zum Divisionsgeneral und Befehlshaber der innern
Provinzen ernannt. 1827 ward er von den auf-
rührerischen columbischen Truppcn zum General er-
wählt, aber bald von den Scinigen wieder ver-
lassen. V. floh zu den Peruanern, mit denen er nun
gegen Columbia focht, bis der Friede zwischen Co-
lumbia und Peru 1829 scincr Laufbahn hier ein
Ziel setzte. Am 26. Jan. 1829 wählte ihn der merik.
Kongreß, beeinflusst von dcr aristokratisch-kirchlichen
Partei zum Präsidenten dcr Republik Mexiko. Die
demokratische Partei erregte jedoch einen Aufstand
in der Hauptstadt und rief den General Guerrero
zum Präsidenten aus, während man V. die Vicc-
präsidentschaft ließ. Guerrero wurde wegen seiner
Lässigkeit im Kampfe gegen die Spanier bald wieder
abgesetzt und die höchste ausübende Gewalt einst-
weilen (1. Jan. 1830) B. übertragen. Nachdem er
mebrere Aufstände 1830 unterdrückt hatte, brack
3. Jan. 1832 zu Veracruz cin neuer Aufruhr aus,
an dessen Spitze sich der General Santa-Anna be-
fand. V. wurde von letzterm im Okt. 1832 bei
Puebla geschlagen, worauf der verbannte frühere
Präsident Pedrazza die Negierung wieder übernahm,
der aber schon 1834 Santa-Anna weichen mußte.
Nach des letztern Gefangennahme durch die Texaner
(1836) kehrte V. nach Mexiko zurück und führte
1837-41 abermals die Präsidentschaft. Auch dies-
mal hatte er mit innern Aufständen zu kämpfen;
dazu kamen noch Zwistigkeiten mit der franz. Re-
gierung, welche von April 1838 bis März 1839
die merik. Häfen der Ostküste blockieren lieh. Im
Sommer 1841 erhob sich gegen ihn ein neuer Auf-
stand, welchem sich bald darauf Santa-Anna an-
schloß. Wäbrend B. die Hauptstadt verließ, um
gegen die Aufrührer zu ziehen, empörte sich auch diese,
sodaß er sich 30. Sept. 1841 gezwungen sah, die Re-
gierung niederzulegen, welche nun Santa-Anna wie-
der übernahm. B. starb 6. März 1853 zu Queretaro.