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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: B. v.,; Buzlaupass; Buzot; Buzu; Buzzard Bay; Byblis; Byblos; Bychow; Byelaws; Bylander; Bylandt-Rheydt,; Bylaws; Bylbrief; Bylinen

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Buzlaupaß - Bylinen

Trinkbrunnen werden zum Trinken, die übrigen zum Baden und zwar gegen Frauenkrankheiten, Magen-, Darm-, Blasen- und Steinleiden benutzt. (Zahl der Kurgäste 18881276 Personen.) Auf dem nahen Szilaser Berge (348 m) gedeiht guter Wein. – Vgl. Der Kurort B. in Ungarn (Budapest 1883).

Buzlaupass, s. Bodza.

Buzot (spr. büsoh), François Nicolas Léonard, franz. Politiker, geb. 1. März 1760 zu Evreux, war Advokat in seiner Vaterstadt und wurde 1789 in die États généraux und die Nationalversammlung gewählt, dann Sept. 1792 vom Departement Eure in den Nationalkonvent gesandt. Er trat als eifriger Girondist mit Mut dem Schreckensregiment Dantons entgegen. In den Sturz der Gironde einbegriffen, wurde er 8. Juli 1793 durch Konventsdekret verurteilt; doch entging er der Verhaftung durch die Flucht nach dem südl. Frankreich, wo er die Seele des girondistischen Aufstandes wurde. Er endete wohl durch eigene Hand; am 7. Juli 1794 fand man bei St. Emilion seinen und Pétions Leichnam. B. ist bekannt durch sein Verhältnis zur Madame Roland (s. d.), die, im Mai 1793 verhaftet, aus dem Gefängnis die leidenschaftlichsten Briefe an ihn sandte; auch soll sie sein polit. Verhalten beeinflußt haben. Seine «Mémoirs sur la révolution française» gab ungenügend Guadet (Par. 1823) heraus, besser Dauban (ebd. 1866). – Vgl. Dauban, Étude sur Mme. Roland et son temps (Par. 1864); Vatel, Charlotte de Corday et les Girondins (3 Bde., ebd. 1872).

Buzu, Dorf, s. Bosau.

Buzzard Bay (spr. bössărd beh), Meerbusen an der Südküste des amerik. Staates Massachusetts, 48 km lang und 11 km breit, ist durch die Elisabeth-Inseln vom Vineyard-Sund getrennt und enthält die Häfen New-Bedford, Fair-Haven, Mattapoisett und Wareham.

B. v., Abkürzung für: bene vale, lebe wohl; bene valĕat, er lebe wohl; bene vixit, er hat wohl gelebt; bonus vir, guter Mann; beāta virgo, gebenedeite Jungfrau (Maria); balnĕum vapōris, Dampfbad (auf Rezepten).

Byblis, der 199. Planetoid.

Byblos bei den Griechen, im Alten Testament Gebal genannt, uralte Stadt in Phönizien, die auf einer Anhöhe unweit des Meers zwischen Tripolis und Berytus lag und durch den prachtvollen Tempel des Adonis berühmt war. Salomo bezog von hier Künstler für den Tempelbau zu Jerusalem. Die Stadt hatte eigene Fürsten bis zur Zeit des Pompejus, der den letzten hinrichten lieft. Jetzt heißt der Ort Dschebail, hat nur 600 E., und ist von Trümmern aus den Zeiten der Römer wie der Kreuzzüge, sowie von ausgedehnten Totenstätten mit phöniz. und ägypt. Altertümern umgeben. Die Feste, die aus dem Mittelalter herrührt, besteht aus mächtigen, nach altphöniz. Art behauenen und gefügten Quadern. Die St. Johanniskirche aus dem 12. Jahrh. ist jetzt im Besitz der Maroniten.

Bychow. 1) Kreis im westl. Teil des russ. Gouvernements Mohilew, hat 4672,6 qkm, 86547 E., meist Weißrussen, Ackerbau und Waldindustrie. – 2) B. oder Staryj B., d. i. Alt-Bychow, Kreisstadt im Kreis B., 62 km südlich von Mohilew, rechts am Dnjepr, hat (1889) 6331 E., wovon die Hälfte Israeliten, Post und Telegraph, 3 russ. und 1 kath. Kirche, 1 Synagoge, 1 Kreisschule, Acker- und Gartenbau, Anfertigung von Bastmatten. - B., seit dem 14. Jahrh. bekannt, gehörte anfangs zum Fürstentum Kiew, kam im 15. Jahrh. unter poln., 1772 unter russ. Herrschaft und wurde 1773 Kreisstadt. Zu poln. Zeit war es stark befestigt.

Byelaws oder Bylaws (engl., spr. beilahs, wahrscheinlich von byr-, altnorweg. für Wohnstätte, Stadt, und laws = Gesetze), in England Verordnungen, welche eine Korporation für das ihr zugewiesene Gebiet erläßt. Ein Stadtrat (Borough Council, s. Municipal Corporations) ebenso wie ein Grafschaftsrat (County Council, s. d.) darf für das Gebiet der Stadt, bez. der Grafschaft derartige Verordnungen erlassen, welche indessen dem Minister des Innern und teilweise der Centralbehörde für Lokalverwaltung (Local Government Board) unterbreitet werden müssen. Die Eisenbahngesellschaften haben gleichfalls das Recht, B. zu erlassen; die letztern müssen vom Handelsamt (Board of Trade) genehmigt werden.

Bylander, Fahrzeug, s. Bilander.

Bylandt-Rheydt, Arthur, Graf, österr. Kriegsminister, geb. 5. Mai 1821, trat 1837 als Kadett in österr. Dienste, erwarb 1849 das Militär-Verdienstkreuz, widmete sich dann ganz der militär. Technik, insbesondere der Mathematik, avancierte in der Artillerie bis zum Oberstlieutenant, wurde 1869 als Oberst bei der Errichtung des militärtechnischen Komitees dessen Präsident und blieb in dieser Eigenschaft bis zu seiner Berufung an die Spitze der Kriegsverwaltung. Am 4. Mai 1870 wurde B. Generalmajor, bald darauf Inhaber des 9.Artillerieregiments, 1874 Feldmarschalllieutenant, 1882 Feldzeugmeister. Er war 1876‒88 Reichskriegsminister, in welcher Stellung er das Heer vollständig reorganisierte. Er starb 21. Febr. 1891 in Wien.

Bylaws, s. Byelaws.

Bylbrief, s. Bielbrief.

Bylinen (Sing. Bylina, Plur. Byliny) ist die Bezeichnung der eigentlichen Heldenlieder der großrussischen epischen Volkspoesie (die ebenfalls epischen Charakter zeigenden geistlichen Lieder heißen «Duchovnyje stichi»). Diese Volksepik hat sich im nördl. Großrußland, namentlich im Gouvernement Olonez und dem benachbarten Gouvernement Archangel bis auf den heutigen Tag erhalten. Im 18. Jahrh. sammelte der Kosak Kirscha Danilow 61 B. (hg. von Kalajdowitsch: «Drevnija russkija stichotvorenija», 1818, nachdem bereits 1804 26 der Lieder unter demselben Titel erschienen waren). Bedeutendere Sammlungen fallen in die neueste Zeit: die von Rybnikow (4 Bde., Mosk., Petersb. u. Petrozawodsk 1861‒67), von Kirjejewskij (Mosk. 1868‒74; 10 Lieferungen), von Hilferding, («Onežskija byliny»), Petersb. 1873). Die Bewahrer und Verbreiter dieser epischen Lieder sind namentlich Leute sitzender Lebensweise, Schneider, Schuhmacher, die in den Bauernhäusern zeitweise arbeiten; die Zahl der Lieder, welche diese Rhapsoden kennen, ist oft sehr bedeutend. Die Bylina hat stets eine bestimmte Versform; der Inhalt zerfällt in zwei Hauptbestandteile, einen typischen, der vom Sänger nicht verändert wird und die Beschreibung wie die Reden der Helden enthält, und einen veränderlichen, der den Gang der Handlung darstellt. Die Helden der B. heißen Bogatyri (Sing. Bogatyr, entlehnt aus dem türkisch-persischen bahader, «tapfer, Held»). Man hat die B. nach Zeitperioden (in welche die einzelnen Helden fallen oder fallen sollen) und nach Ortscyklen eingeteilt: 1) ältere Helden