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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Byron; Byronstraße; Byssacēen; Byssolīth; Byssus; Byssusdrüse; Bystré; Bystritz

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Byron (Henry James) - Bystritz

so gut wie verschollen, zu. Die Kunde ihres Todes (16. Mai 1860) frischte die Erinnerung auf. Während der letzten Lebensjahre hatte sie Freunden vertrauliche Mitteilungen über die angebliche Ursache ihrer Ehescheidung gemacht, auch Papiere über den Gegenstand hinterlassen, aber keine Veröffentlichung angeordnet. Unter jenen Personen befand sich Mrs. Beecher-Stowe. Als dann 1868 das Buch der Gräfin Guiccioli über Lord B. erschien, hielt sich Mrs. Stowe verpflichtet, durch die «Wahre Geschichte von Lady B.s Leben» Lord B.s Gattin gegen dessen Geliebte zu rechtfertigen. Ihre Erzählung in «Macmillan’s Magazine» (Sept. 1869), die wahrscheinlich auf den bei B. beliebten, affektierten Selbstanschuldigungen beruhte, behauptete nun, daß Lady B. ihren Gemahl der Blutschande mit seiner verheirateten Schwester angeklagt und dieses Verhältnis als Ursache der Trennung bezeichnet habe. Bald erhoben sich gewichtige Stimmen gegen die Glaubwürdigkeit dieser mit umständlichster Breite gemachten Enthüllung, z. B. «The true story of Lord and Lady B. as told by the Countess of Blessington, in answer to Mrs B. Stowe» (1869). Zahlreiche innere Widersprüche wurden nachgewiesen; urkundliche Gegenbeweise kamen von den verschiedensten Seiten hinzu, sodaß die Unwahrheit der Anklage völlig erwiesen ist. Unglück und Auflösung der Ehe waren wohl einfach in der entschiedenen Unverträglichkeit der Naturen beider Gatten begründet.

Beider einzige Tochter, Ada, heiratete 1835 William Graf Lovelace und starb 27. Nov. 1852. Sie hinterließ zwei Söhne und eine Tochter. Der ältere Sohn, Byron Noel, geb. 12. Mai 1836, trat in die Marine, diente nur kurze Zeit und starb, nachdem er beim Tode seiner Großmutter Lady B. die Baronie Wentworth geerbt, nach einem wilden Leben als Arbeiter in einem Londoner Dock 1. Sept. 1862. Der zweite Sohn, Ralph Gordon Noel Milbanke, geb. 2. Juli 1839, folgte seinem Bruder bei dessen Tode als Lord Wentworth.

Den Lordtitel erbte B.s Vetter, George Anson B. (geb. 8. März 1789), der sich als brit. Marinekapitän durch eine Südseereise bekannt machte, 1862 Admiral wurde und 2. März 1866 starb. Ihm folgte sein ältester Sohn, George Anson B., geb. 30. Juli 1818, und diesem, der 29. Nov. 1870 kinderlos starb, sein Neffe, George Frederick William B., geb. 1855, jetziger Lord B.

Byron (spr. beir’n), Henry James, engl. Theaterschriftsteller, geb. 1834 in Manchester, wurde dort und in London erzogen und entwickelte früh ein hervorragendes Talent für das burleske Drama, in dem er 1858 mit seiner auf dem Strandtheater in London aufgeführten Posse «Fra Diavolo» mit Glück auftrat. Viele ähnliche Erzeugnisse, wie «Maid and magpie», «Aladdin», «Esmeralda», «The Lady of Lyons», «Babes in the wood», «Lucia di Lammermore», «Little Don Giovanni», «Mazeppa travestie», «Puss in a new pair of boots», «Dundreary married and done for», «Sonnambula travestie», «Daisy farm» schlossen sich an. Auch mit Lustspielen: «War to the knife», «A hundred thousands pounds», «Not such a fool as he looks», «An American lady», «Old sailors» (1880), vor allen mit «Our boys» (1880), auf dem Vaudevilletheater in London mehr als tausendmal aufgeführt, und «Bow bells» (1881) errang B. große Erfolge. Sein bestes Stück ist «Cyrill’s success» (1868). Er selbst erschien auf der Bühne seit 1869. Auch war B. Mitarbeiter mehrerer Zeitschriften, schrieb den zuerst im «Temple Bar Magazine» veröffentlichten Roman «Paid in full» (3 Bde., 1865), leitete einige Zeit das Londoner Witzblatt «Fun» und gab «Bits of Burlesque, being extracts from the extravaganzas of H. J. B.» (1877) heraus. Er starb 11. April 1884.

Byron (spr. beir’n), John, engl. Weltumsegler, geb. 8. Nov. 1723 auf dem Familiensitze Newstead-Abbey in der Grafschaft Nottingham, stammte aus einer adligen Familie und war der Großvater des Dichters Lord B. Als zweiter Sohn des Hauses zum Marinedienst bestimmt, schiffte sich B., 17 J. alt, mit Anson (s. d.) zur Reise um die Welt ein. Doch sein Schiff litt im Mai 1741 an der westl. Küste von Patagonien Schiffbruch. Mit 145 Mann rettete er sich in einem Boote. Nachdem die Mannschaft fast zur Hälfte dem Hunger erlegen, die übrigen eine andere Richtung eingeschlagen, wurde er mit noch dreien gefangen genommen und erst 1745 als span. Kriegsgefangener ausgewechselt. Die von ihm erduldeten Drangsale schilderte er in «Narrative, containing an account of the great distresses etc. of John B.» (Lond. 1748 u. ö.; deutsch, Lpz. 1793). In dem Kriege gegen Frankreich gab er sodann als Kommodore einer kleinen Flotille so viel Beweise seiner Geschicklichkeit und seines Mutes, daß Georg Ⅲ. ihn zum Befehlshaber der beiden Schiffe Dolphin und Thamar ernannte, die 1764 zu einer Entdeckungsreise in die Südsee gesandt wurden. Die Expedition wurde in der «Voyage round the world» (Lond. 1767; deutsch, Stuttg. 1769) und in Hawkesworths «Account of the voyages undertaken for making discoveries in the southern hemisphere» (3 Bde., Lond. 1773; deutsch von J. F. Schiller, Bd. 1, Berl. 1774) beschrieben. Später lieferte B. als Admiral während des amerik. Krieges 1779 den Franzosen unter D’Estaing bei Granada ein unentschieden gebliebenes Treffen. Nach London zurückgekehrt, starb er daselbst 10. April 1786.

Byronstraße (spr. beir’n-), die westliche der beiden Meeresstraßen zwischen den Inseln Neu-Hannover und Neu-Mecklenburg des Bismarck-Archipels, ist durch die Inseln Neuwerk, Mausoleum und Durchfahrtsinseln von dem östl. Meereskanal, der Steffenstraße, geschieden. Die Durchfahrt ist wegen der vielen Riffe beschwerlich und nicht ohne Gefahr.

Byssacēen (Byssacĕae), Familie aus der Gruppe der Gallertflechten, kleine algenähnliche braungrüne Pflänzchen an feuchten Felsen und Baumstämmen (s. Gallertflechten).

Byssolīth, Mineral, s. Asbest.

Byssus, im Altertum wahrscheinlich die Baumwolle, welche am frühesten aus Ägypten und zu Herodots Zeit aus Indien ausgeführt wurde. Die aus B. gefertigten feinen Zeuge hießen Sindones. Sehr oft wird byssus für linum gebraucht, da beide Stoffe viel Ähnlichkeit hatten. Die teuerste Art von B. war die gelbe, welche in Achaja und Elis wuchs. S. auch Muscheln.

Byssusdrüse, s. Muscheln.

Bystré, czech. Name der Stadt Bistrau (s. d.).

Bystritz, czech. Bystřica, Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Neustadtl im westl. Teile von Mähren, im Hügellande des böhm.-mähr. Grenzgebirges, an einem Seitenbach der zur Thaya gehenden Schwarzawa, hat (1890) 2712, als Gemeinde 2852 slaw. E., Post, Telegraph, Bezirksgericht