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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

813

Byzantinisches Reich

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Byzantinisches Reich'

brachte. Leontius und Tiberius wurden enthauptet, ihre Anhänger mit furchtbarer Grausamkeit verfolgt; die Chersoniten aber, an denen sich Justinianus wegen der Geringschätzung, die er bei ihnen erfahren hatte, zu rächen gedachte, stellten ihm Philippikos Bardanes als Gegenkaiser entgegen. Von seinem Heer und den Bulgaren verlassen, ward Justinianus 711 ermordet. Mit ihm erlosch Heraklius’ Stamm. Philippikos machte sich durch Begünstigung der seit 680 verdammten Lehren der Monotheleten verhaßt und wurde schon 3. Juni 713 abgesetzt und geblendet. Sein Nachfolger Anastasios II. (713–716) begab sich zu Anfang des J. 716 in ein Kloster, da das gegen die Araber bestimmte Heer sich gegen ihn empört und Theodosius III. als Kaiser ausgerufen hatte. Dieser legte nach einigen Monaten die Krone nieder, als der gewaltige Leo, ein Isaurier und Feldherr der Truppen des Orients, ihn nicht anerkannte und gegen Konstantinopel anrückte. Leo III. (s. d.; 717–741) behauptete sich auf dem Throne gegen einen furchtbaren Angriff der Araber und trieb sie im Aug. 718 siegreich von Konstantinopel zurück. Leo trat mit energischen Reformen auf, namentlich in Stärkung der Centralgewalt, in der Verwaltung, der Rechtspflege, der Finanzwirtschaft und als Schöpfer einer neuen, sehr kriegstüchtigen Armee. Dagegen gab sein Auftreten (seit 723 und noch mehr seit 725) gegen den zu krassem Aberglauben ausgearteten kirchlichen Bilderdienst Anlaß zum Bruch mit den Italienern wie zum Ausbruch erbitterter innerer Streitigkeiten und zur Entstehung der Parteien der Ikonodulen und Ikonoklasten (s. Bilderdienst und Bilderverehrung). Das Exarchat von Ravenna ging darüber verloren. Die morgenländ. Provinzen wurden gegen die Raubzüge der Araber, gegen die er 739 bei Akroinon in Phrygien eine große Schlacht gewann, kraftvoll geschützt. Sein Sohn Konstantin V. (741–775), als bilderstürmender Kaiser mit dem Schimpfnamen Kopronymos («mistnamig») bezeichnet, ein tapferer und energischer Fürst, bezwang seinen aufrührerischen Schwager Artabasdos, einen Bilderfreund, 743 in Kleinasien, entriß den Arabern einen Teil Syriens und Armeniens und überwand zuletzt auch die Bulgaren seit 755 in harten Kämpfen. Ihm folgte sein Sohn Leo IV. (775–780), der mild herrschte und durch seine Feldherren die Grenzen gegen die Araber sicherte; diesem sein unmündiger Sohn Konstantin VI., dessen herrschsüchtige Mutter Irene als Vormünderin und Mitregentin sich 787 durch Wiedereinführung des 754 durch ein Konzil verdammten Bilderdienstes eine mächtige Partei machte. Konstantin strebte in reifern Jahren umsonst, sich von ihrem und ihres Lieblings Staurakios’ Einfluß zu befreien; endlich wurde er auf Befehl seiner Mutter 797 geblendet und vom Thron verdrängt. Eine Empörung, die infolge der gewaltthätigen Regierung Irenes ausgebrochen war, erhob 802 den Finanzminister Nikephoros auf den Thron. Irene starb 803 auf Lesbos. Der Krieg gegen die Araber und Bulgaren hatte indes fortgedauert; Nikephoros fiel in einer Schlacht gegen die letztern 25. Juli 811. Sein Sohn Staurakios verlor schon nach wenigen Monaten die Krone an seinen Schwager Michael I. Rhangabé. Dieser mußte 813 seinem Feldherrn Leo V., dem Armenier (813–820), weichen. Leo war ein kräftiger Regent und siegreich gegen die Bulgaren; er fiel aber 820 durch eine ↔ Verschwörung, die sich wegen seines Eifers gegen den Bilderdienst wider ihn gebildet hatte. Michael II., der Stammler (820–829), früher Freund und Feldherr Leos, ward aus dem Kerker auf den Thron gehoben. Er überwand 824 in Kleinasien den abtrünnigen Feldherrn Thomas, den die Araber unterstützten; aber Kreta (seit 824) und seit 827 auch Sicilien gingen unter ihm an diese verloren. Unter der Regierung seines Sohnes, des vielfach ausgezeichneten Theophilos (829–842), kämpften die Feldherren Manuel und Theophobus siegreich, aber doch im ganzen fruchtlos gegen die Araber. Theodora (s. d.), Theophilos’ Gemahlin, beendete als Vormünderin (bis 856) Michaels III. (842–867) den Streit über den Bilderdienst, der nunmehr durch ein Lokalkonzil zu Konstantinopel 842 wieder eingeführt wurde. Während man die Paulicianer verfolgte, verwüsteten die Araber asiat. Provinzen.

Nachdem Theodora von der Regentschaft zurückgetreten war, führte für ihren grausamen und ausschweifenden Sohn bis 866 ihr Bruder Bardas die Regierung, und nach dessen Ermordung Michaels Günstling, der Oberkammerherr Basilius, der Macedonier. Dieser ließ Michael töten und herrschte hierauf als Basilius I. (s. d.) mit Weisheit und Kraft (867–886). Gegen die Paulicianer und gegen die Araber war er siegreich, doch ging Syrakus 878 an die letztern verloren. Seine Dynastie, die der macedon. Kaiser, erhielt sich mit wenigen Unterbrechungen bis 1056 auf dem byzant. Throne. Die Regierung seines gelehrten Sohnes, Leos VI., des Philosophen (886–912), war nicht glücklich. Die Einfälle der Bulgaren und Araber, deren Korsarenflotte 904 Thessalonich plünderte, häuften sich und dauerten auch unter seinem Sohne Konstantin VII. Porphyrogennetos (912–959) fort, über den anfangs sein Oheim Alexander, früher Leos VI. Mitregent, gest. 913, dann seine Mutter Zoe die Vormundschaft führte. Romanos I. Lekapenos, Konstantins Großadmiral und Schwiegervater, zwang diesen 920, den Thron mit ihm und seinen Söhnen zu teilen; doch bemächtigte sich Konstantin desselben gegen Ende 944 wieder allein und regierte mild, aber schwach. Unter seinem Sohne Romanos II. (959–963) ward Kreta 961 den Arabern durch Nikephoros Phokas entrissen. Diesen erhob nach des Kaisers Tode dessen Witwe Theophano auf den Thron als Nikephoros II., ließ ihn aber 969 ermorden, um seinem Neffen Johannes I. Tzimiskes ihre Hand zu geben, welcher bis 976 regierte, wie sein Vorgänger siegreich gegen die Araber in Kleinasien war und mit Erfolg gegen die Bulgaren sowie gegen die Russen kämpfte, die zuerst unter Michael III. als Feinde des B. R. erschienen waren. Johannes' I. Nachfolger Basilius II. (s. d.; 976–1025), Romanos’ II. Sohn, wußte sich gegen zwei rebellische Feldherren, Bardas Skleros und Bardas Phokas, zu behaupten. Das bulgar. Reich ward durch ihn nach langem Kampfe 1018 byzant. Provinz und blieb es bis 1186, wo die Bulgaren sich wieder unabhängig machten. Sein Bruder Konstantin VIII. (1025–28) glich ihm nicht. Durch dessen Tochter Zoe (s. d.) gewann 1028 Romanos III. Argyros den Thron, welcher, in seinen Kriegen gegen die Araber meistens unglücklich, einige Erfolge nur seinen Feldherren Maniakes, Theoctistus und Karandenos verdankte. Kaiserin Zoe reichte nach Romanos’ Tode 1034 dem fallsüchtigen Michael IV. ihre Hand,

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 814.