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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Byzantinismus

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Byzantinismus

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Byzantinisches Reich'

sich noch bedeutend vermehrte, waren vom Kaiser gänzlich abhängig und vermöge einer strengen Rangordnung in viele Klassen geschieden, die sich durch Tracht, Titel und mancherlei Vorrechte voneinander abgrenzten. Unter ihnen selbst aber standen am höchsten die Hofbeamten, worunter sich viele Eunuchen, namentlich für den persönlichen Dienst des Kaisers befanden. Das Ansehen der Curopalates, denen die Aufsicht über die vier Hauptpaläste des Kaisers anvertraut war, wurde später durch das des Protovestiarius verdunkelt, dessen Würde sich zur ersten unter allen Beamten erhob. Domestici erhielten den Oberbefehl über das Heer; unter ihnen war der Domesticus des Ostens, vorzugsweise Megas Domesticus genannt, der ausgezeichnetste, der endlich während der Herrschaft der Paläologen als der oberste Staats- und Kriegsbeamte galt. Die Provinzen wurden von Statthaltern, die verschiedenen Ranges waren, verwaltet. Assessoren für die Rechtspflege standen ihnen zur Seite; dem Kaiser mußten sie eine bestimmte Summe einliefern. Außer diesen Geldern bildeten eine Menge verschiedenartiger Steuern, Domänen, Regalien und Monopole, deren Anzahl sich mehrte, den Zufluß in den Staatsschatz, der von dem Privatschatz des Kaisers nicht verschieden war. Aus ihm wurden bestritten: die Besoldung und der Unterhalt des Heers, soweit dies nicht auf Landdistrikte verteilt ward, um von den Einwohnern (Anmerkung des Editors: e fehlt ) rhalten zu werden; ferner die Ausgaben für die Beamten, Spiele, Spenden an das Volk, besonders der Hauptstadt, die Tribute an übermächtige Feinde u. s. w. Für die Verwaltung und Aushebung zum Kriegsdienst war das Land seit der Regierung der Nachfolger Justinianus’ I. in Distrikte, Themata (s. d.) geteilt, bis in den spätern Zeiten das mobile Heer größtenteils aus fremden Mietstruppen bestand. Bevorzugt vor dem übrigen Heere waren die Garden des Kaisers, namentlich die eigentlichen Leibwächter, Spatharii; sie wurden schon früh vorzugsweise aus Fremden, besonders german. Stammes, gebildet, unter denen seit der Zeit der macedon. Kaiser namentlich die normann. Waräger, Waranger, sich auszeichneten. An der Spitze der Flotte, die seit Andronikos II. aus Mangel an Geld vernachlässigt wurde, stand der Megas Dux. Die Pflege des Rechts, hinsichtlich deren der Kaiser als oberste Instanz galt, konnte bei den fortdauernden Kriegen und innern Unruhen, die der Beamtenwillkür freien Raum gestatteten, nicht gedeihen, wenn auch einzelne Kaiser sich ihrer und der Gesetzgebung mit Ernst annahmen. (S. Justinianus I. und Basilika.)

Litteratur. Dufresne du Cange, Historia Byzantina (2 Bde., Par. 1680; Vened. 1729); Tillemont, Histoire des empereurs etc. (6 Bde., Par. 1690–1738; 16 Bde., Brüss. 1707–39); Le Beau, Histoire du Bas-Empire (27 Bde., Par. 1757–1811; deutsch, 22 Bde., Nürnb. 1765–83; neue Aufl. von Saint-Martin und Brosset, 21 Bde., Par. 1824–36); Gibbon, History of the decline and fall of the Roman Empire (6 Bde., Lond. 1774–88; 8 Bde., ebd. 1854–55; deutsch, 4. Aufl., 12 Bde., Lpz. 1862); Royou, Histoire du Bas-Empire depuis Constantin jusqu’à la prise de Constantinople (4 Bde., Par. 1804; 2. Aufl. 1814); Schlosser, Geschichte der bilderstürmenden Kaiser des oström. Reichs (Frankf. 1812); Fallmerayer, Geschichte des Kaisertums Trapezunt (Münch. 1827); ders., Geschichte der Halbinsel Morea während des ↔ Mittelalters (2 Bde., Stuttg. 1830–36); Zinkeisen, Geschichte Griechenlands, Bd. 1, 3 u. 4 (Lpz. 1832–40); Buchon, Recherches et matériaux pour servir à une histoire de la domination française dans l'Empire grec (Par. 1840); ders., Recherches historiques sur la principauté française de Morée (2 Bde., ebd. 1845) und Histoire des conquêtes et de l'établissement des Française dans les États de l'ancienne Grèce (Bd. 1, ebd. 1846); Clinton, Fasti Romani, the civil and literary chronology of Rome and Constantinople from the death of Augustus to the death of Justin II. (2 Bde., Oxf. 1845–50); ders., History of the Byzantine and Greek empires 716–1453 (Bd. 1–3, Lond. 1853–54; neue Ausg., Oxf. 1877); Muralt, Essai de chronographie byzantine 395–1057 (Petersb. 1855), mit der Fortsetzung 1057–1453 (2 Tle., Genf 1871); Tafel und Thomas, Urkunden zur ältern Handels- und Staatsgeschichte der Republik Venedig mit besonderer Beziehung auf Byzanz und die Levante (3 Bde., Wien 1856–57); Finlay, History of Greece under the Romans (Lond. 1857; deutsch, Lpz. 1861); Hopf, Geschichte Griechenlands vom Beginn des Mittelalters bis auf unsere Zeit (im 85. und 86. Band der «Encyklopädie» von Ersch und Gruber, Lpz. 1867–68); Rambaud, L'Empire grec au X{e} siècle (Par. 1869); Krause, Die Byzantiner des Mittelalters in ihrem Staats-, Hof- und Privatleben (Halle 1869); Gfrörer, Byzant. Geschichten (aus seinem Nachlaß hg. von Weiß, 2 Bde., Graz 1872–74); Hirsch, Byzant. Studien (Lpz. 1876); Hertzberg, Geschichte Griechenlands seit dem Absterben des antiken Lebens (4 Bde., Gotha 1876–80); Bikelas, Die Griechen des Mittelalters (deutsch von Wagner, Gütersl. 1878); Harnack, Das Karolingische und das B. R. (Gött. 1880); Sathas, Documents inédits relatifs à l'histoire de la Grèce au moyen âge (9 Bde., Par. u. Venedig 1880–90); Hertzberg, Geschichte der Byzantiner und des Osman. Reichs (Berl. 1883); Gasquet, L’Empire Byzantin et la monarchie Franque (Par. 1888); Bury, History of the later Roman Empire 395–800 (2 Bde., Lond. 1889); Lambros, Ἱστορία τῆς Ἑλλάδος, Bd. 3 (Athen 1891); Byzantinische Zeitschrift (Lpz., seit 1892, hg. von Karl Krumbacher, jährlich 4 Hefte).

Byzantinismus, das im Oströmischen Reiche seit Konstantin d. Gr. ausgebildete Verhältnis von Staat und Kirche, dessen typische Vertreter Theodosius II. und Justinian sind, und das in der Gesetzgebung dieser Kaiser seinen welthistor. Niederschlag gefunden hat. Es beruht auf dem Gedanken innigster Verbindung von Staat und Kirche derart, daß einerseits der Staat der Kirche als einer Staatsanstalt bedeutende Privilegien gewährt, die Unterthanen der Kirche anzugehören zwingt und Andersgläubige verfolgt; daß andererseits aber der Staat auch einen beherrschenden Einfluß auf die Dinge der Kirche, auch die dogmatischen ausübt und die Würdenträger und Diener der Kirche als Staatsbeamte auffaßt. Dieses System, im 4. bis 6. Jahrh. in Byzanz ausgebildet (der Kaiser ist danach oberster Bischof), ist dann mehrfach wiedergekehrt,so daß das Wort B. die charakteristische Bezeichnung einer welthistor. Erscheinung wurde; Gallikanismus (s. Gallikanische Kirche), Josephinismus, Cäsaropapismus (s. diese Artikel) sind analoge Erscheinungen. – In einem andern Sinne nennt man heute B. oder byzantinisches Wesen nach dem am Hofe von

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 817.