Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Cabat; Cabebe; Cabestaing; Cabet; Cabildo; Cabinda; Cabinet; Cabĭnet

819

Cabat - Cabinet

Cabat (spr. -bah), Nicolas Louis, franz. Landschaftsmaler, geb. 24. Dez. 1812 zu Paris, Schüler von Camille Flers, gehörte zu der Künstlergruppe, welche um 1830 die realistische Richtung in der franz. Landschaftsmalerei einleitete. Den Grundsätzen dieser Richtung gemäß folgte er zunächst in seinen landschaftlichen Darstellungen dem einfachen Vorbilde der heimischen Natur, zumal der Umgegend von Paris und der Normandie. Seine ersten Bilder sind durch Feinheit des Naturgefühls, Wärme der Färbung, treffliche Wirkung von Licht und Schatten sehr ansprechend. Nach einer Reise im südl. Frankreich (1838) begab er sich nach Italien, um sich weiter auszubilden. Die dortige Natur führte ihn einer strengern, dem Poussin verwandten Richtung zu, die er, nach seiner Rückkehr 1860 zugleich durch den Realismus beeinflußt, zu Gunsten einer schlichtern Naturauffassung wieder ablegte. Eine vortreffliche Probe der letztern ist der Teich von Ville d’Avray bei Paris (1834). C. war 1877‒85 Direktor der franz. Akademie in Rom und starb 13. März 1893 in Paris.

Cabebe, s. Kabebe.

Cabestaing (spr. -stäng), Cabestanh, Guillem von, Troubadour, aus der Grafschaft Roussillon, lebte noch 1212. Er besang Margareta oder Sormonda, die Gemahlin Raimons von Castel-Roussillon; dieser tötete ihn aus Eifersucht und setzte das Herz des Dichters seiner Gattin vor. Nachdem sie es gegessen hatte, erklärte sie, nach so edler Speise keine andere berühren zu wollen, und stürzte sich, als der Gatte mit dem Schwerte auf sie eindrang, vom Balkon herab. Weiter wird berichtet, daß König Alfons Ⅱ. von Aragon Raimon gefangen nahm und im Kerker verhungern ließ. Diese romantisch ausgeschmückte Geschichte ist wie die vom Kastellan von Coucy (s. d.) eine an bestimmte Persönlichkeiten angelehnte Sage. Von Guillem de C. sind sieben Lieder erhalten (hg. von H. Hüffer, Berl. 1869). – Vgl. Beschnitt, Die Biographie des Trobadors C. und ihr histor. Wert (Marb. 1879).

Cabet (spr. kabbeh), Etienne, franz. Kommunist, geb. 1. Jan. 1788 zu Dijon, studierte Medizin, später die Rechte und ließ sich in seiner Vaterstadt als Advokat nieder. Darauf wandte er sich nach Paris, wo er Mitglied der Carbonaria (s. Carbonari) und des obersten Ausschusses dieser Gesellschaft ward. Im Juli 1831 trat C. in die Kammer und schloß sich hier der äußersten Linken an. Sodann veröffentlichte er eine Geschichte der «Révolution de 1830» (Par. 1832), stiftete 1833 das radikale Sonntagsblatt «Le Populaire», wurde aber im März 1834 wegen eines Artikels in dieser Zeitschrift zu zweijähriger Haft verurteilt, der er sich durch die Flucht nach London entzog. Von dort griff er die Juliregierung in heftigen Flugschriften an. Infolge der Amnestie von 1839 nach Frankreich zurückgekehrt, veröffentlichte er seine «Histoire populaire de la Révolution française de 1789 à 1830» (4 Bde., Par. 1840; 2. Aufl. bis 1845, 5 Bde., 1845‒47). C.s gleichzeitig erscheinende «Voyage en Icarie, roman philosophique et social» (ebd. 1842; 5. Aufl. 1848; deutsch von Wendel-Hippler, ebd. 1847), eine kommunistisch-philanthropische Idylle, führte seinen Bruch mit dem polit. Republikanismus herbei. Als Organ seiner kommunistischen Tendenzen ließ er den «Populaire» wieder erscheinen, gab jedoch diesem Blatte eine gemäßigtere Haltung und geriet deshalb mit den entschiedenen Kommunisten, den Babouvisten, in heftigen Streit, die ihrerseits nun den «Humanitaire» gründeten, während C. mit 150 Aktionären des «Populaire» den Namen Communistes Icariens annahm. 1847 veröffentlichte C. im «Populaire» die Statuten eines Vereins zur Stiftung einer Ikarischen Kolonie, zeigte an, daß er in Texas am Red-River eine Million Acker Landes verliehen erhalten habe, und forderte seine Anhänger zur Auswanderung nach diesem Ikarien sowie zum gemeinschaftlichen Zusammenlegen ihres Vermögens auf. Nach der Niederwerfung der socialistischen Revolutionäre in der Pariser Junischlacht 1848 schiffte er sich mit 44 seiner Genossen nach Texas ein. Die Ankömmlinge fanden jedoch nicht das vorgespiegelte Glück, sondern nur Elend und Enttäuschung, und überhäuften C. mit Verwünschungen. Mehrere Exkolonisten klagten sogar den Meister betrügerischer Prellerei in Bezug auf das zusammengeschossene Vermögen von mehr als 200000 Frs. an, und das Zuchtpolizeigericht der Seine verurteilte ihn während seiner Abwesenheit 30. Sept. 1849 zu zweijähriger Haft und fünfjährigem Verlust des Bürgerrechts. C. kehrte indessen nach Frankreich zurück und brachte seine Sache vor das Appellationsgericht, das ihn 26. Juli 1851 freisprach. Nach dem Staatsstreiche vom 2. Dez. ging er nach Nauvoo in Illinois zurück, wo er eine ikarische Niederlassung gegründet hatte, deren Diktatur er Anfang 1856 übernahm. Ein Aufstand nötigte ihn jedoch alsbald, mit einigen seiner Anhänger (etwa 180 an der Zahl) sein Ikarien zu verlassen. Er floh nach St. Louis in Missouri, wo er 8. Nov. 1856 starb. Seine Getreuen gründeten eine neue ikarische Gemeinde in Cheltenham, die 1864 zu Grunde ging. Außer einer großen Anzahl polit. Schriften von kommunistischer Tendenz gab er auch von 1843 bis 1848 den «Almanach Icarien» heraus. – Vgl. A. Shaw, Ikaria. Ein Beitrag zur Geschichte des Kommunismus (deutsch von M. Jacobi, Stuttg. 1886). (S. auch den Artikel Kommunismus.)

Cabildo (span.), Kapitelhaus, Domkapitel; in Südamerika Ratssaal, Ratsversammlung, Senat.

Cabinda, s. Kabinda.

Cabĭnet, in England Bezeichnung für das Kollegium, welches thatsächlich als Staatsministerium funktioniert, wenn es auch rechtlich nicht Organ des Staatswesens ist. Im Mittelalter war die Exekutive in den Händen der großen Staatsbeamten, welche zusammen im Privy Council (s. d.) den König berieten. Nachdem es üblich wurde, die Würde eines Privy Councillor ohne Staatsamt zu erteilen, vergrößerte sich diese Körperschaft so, daß sie als beratendes Organ nicht mehr brauchbar war. Das heutige C. ist ein Ausschuß des Privy Council für die Zwecke der Exekutive, ebenso wie das Judicial Committee ein Ausschuß für gerichtliche Zwecke ist, nur mit dem Unterschied, daß dieses gesetzlich anerkannt ist, jenes nicht. Nach der Restauration der Stuarts bildete sich ein engerer Rat, mit 6 Mitgliedern des Privy Council besetzt, der den König über auswärtige Angelegenheiten beraten sollte, aber thatsächlich alle wichtigern Angelegenheiten besprach, ehe sie dem Privy Council vorgelegt wurden. Ein ähnliches Kollegium bildete sich nach Clarendons Fall und ist unter dem Namen Cabalministerium (s. d.) berüchtigt geworden. Das System entwickelte sich unter Wilhelm Ⅲ., und der Grundsatz, daß der mit der Regierung betraute engere Rat aus Mitgliedern der im House of Commons vorwiegenden Partei bestehen solle, kam immer

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]