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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Cagnacci; Cagniardelle; Cagnola; Cagnoli

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Cagnacci - Cagnoli

1743 zu Palermo von armen Eltern, kam früh in ein Priesterseminar seiner Vaterstadt, entwich mit 13 Jahren, wurde nun von seinen Vormündern in das Kloster der Barmherzigen Brüder zu Caltagirone gethan und war hier Gehilfe eines Apothekers, der ihm einige physik. Kenntnisse beibrachte und ihn eine Menge Geheimmittel lehrte. Seines sittenlosen Betragens halber entlassen, kehrte er heim und war 1768 bereits so berüchtigt, daß er einen andern Schauplatz suchen mußte. In Begleitung eines seiner Herkunft nach unbekannten Mannes, Alhotas genannt, besuchte er Griechenland, Ägypten und einen Teil Asiens. Um 1770 kam er aus der Türkei, wo er als Arzt aufgetreten war, nach Malta, stellte sich hier dem Großmeister des Ritterordens als Graf C. vor und wußte diesen so einzunehmen, daß er ihm glänzende Empfehlungen an ital. Große gab. Er ging nun nach Italien, hielt sich in Rom teils als Kammerdiener eines Prälaten, teils abenteuernd auf und heiratete hier die schöne Tochter eines Gürtlers, das Dienstmädchen Lorenza Feliciana. 1771 gingen sie, er mit preuß. Offiziersausstattung, durch Oberitalien und Westdeutschland nach London, von da nach Paris, von wo ihn eine neue Betrügerei vertrieb. Während sie mit ihren Reizen wucherte, verschafften ihm Elixir- und Goldmacherei, Mystik und Geisterbeschwörung ansehnliche Summen. Nach vorübergehendem Aufenthalt am Rhein erschienen sie plötzlich in Sicilien, wo sie nur die Hilfe eines von Lorenza umstrickten Prinzen aus dem Gefängnis zog. Dann ging C. als Pilger verkleidet nach Spanien. Durch kupplerische Prellereien kam er an mehrern Orten in Verlegenheit und wechselte unter dem Namen Tischio öfters den Aufenthalt. Später wandte er sich wieder nach London, wo er in eine Loge aufgenommen wurde, die aus Leuten niedern Standes gebildet war, und begann jetzt als freimaurerischer Reformator aufzutreten. Ein eigenes System, ägypt. Maurerei genannt, wollte er einführen; er spielte dabei die Rolle eines Sendlings des Propheten Elias oder des (Groß-) Kophta (s. d.), dann die des letztern selbst, vorgeblich um als Sprößling eines Engels und einer sterblichen Frau das körperliche und geistige Leben der Bekehrten zu erneuern. Er ging durch die Niederlande nach Deutschland, wo er in der feinen Welt durch teilweise glückliche Kuren Ansehen erlangte und vom Grafen Saint-Germain (s. d.) in die Alchimie eingeführt wurde. Besonders gute Geschäfte machte er überall bei Damen durch ein Elixir, dessen Gebrauch langes Leben und dauernde Jugend bewirken sollte. 1779 begab er sich nach Kurland, gewann in Mitau mehrere vornehme Familien und stiftete auf das angebliche Geheiß geheimer Obern eine Freimaurerloge, in die auch Frauen aufgenommen wurden; auch hielt er Vorträge, in denen religiöser Spuk und angebliche Wunderthäterei verquickt waren, gab vor, tiefe und überirdische Kenntnisse in den Naturwissenschaften zu besitzen, und citierte Geister. Auch die Gräfin Elisa von der Recke (s. d.) ward Anhängerin C.s. Nachdem er Geld und Ruf gewonnen hatte, reiste er nach Warschau, dann nach Petersburg, wo es ihm nicht glückte, die Kaiserin Katharina, die später ein satir. Lustspiel auf ihn und seine Anhänger schrieb, für sich einzunehmen. Er ging 1780 über Frankfurt a. M. und Straßburg nach Paris, kündigte sich als Begründer der ägypt. Maurerei an und machte durch Scheinvisionen gewaltiges Aufsehen; dann reiste er nach England, wo er Anhänger Swedenborgs (s. d.) zu sich bekehrte. Als er 1785 nach Paris zurückkehrte, war sein Ruf so groß, daß die vornehmsten Personen des Hofs mit ihm in Verkehr traten. Er kam mit Kardinal Rohan (s. d.) in genaue Verbindung, spielte in der berüchtigten Halsbandgeschichte (s. d.) eine Hauptrolle und wurde bei dem Prozeß durch die Aussagen der Gräfin Lamothe (s. d.) so belastet, daß man ihn in die Bastille setzte. Hier verfaßte er ein Mémoire, das seine Nichtteilnahme am Raube nachzuweisen suchte und die Bankiers nannte, die ihm beträchtliche Summen ausgezahlt hatten. Hierauf aus der Haft entlassen und aus Frankreich verwiesen, ging er 1786 wieder nach England und 1787 durch die Schweiz und Oberitalien nach Rom. Unterdessen war, namentlich in Deutschland, in der öffentlichen Meinung ein vollständiger Umschwung zu Ungunsten C.s eingetreten; die Gräfin von der Recke klärte in der "Nachricht von des berüchtigten C. Aufenthalt in Mitau" (Berl. 1787) das Publikum über die Schwindeleien C.s auf. Man hielt ihn nun in Deutschland allgemein für einen Jesuitenpriester, der die Aufgabe hätte, die Gemüter durch Aberglauben und Schwärmerei zu verwirren. Auch in Rom beschäftigte er sich, um seinen bedrängten Verhältnissen aufzuhelfen, mit Errichtung einer Maurerloge. Verraten und auf Befehl des Papstes verhaftet und zum Tode verurteilt, wurde er zwar begnadigt, jedoch 1791 zu lebenslänglicher Haft auf das Fort San Leone bei Urbino gesetzt, wo er 20. Aug. 1795 starb. Seine Frau mußte ihr Leben in einem Strafkloster beschließen. Die "Mémoires authentiques", die 1785 unter dem Namen C.s in Paris herauskamen und viele Unrichtigkeiten und Übertreibungen enthalten, sind erdichtet. - Vgl. C. in Warschau 1780, von einem Augenzeugen (aus dem Französischen von Bertuch, Königsb. 1786); Borowski, C., einer der merkwürdigsten Abenteurer unseres Jahrhunderts (anonym; ebd. 1790); Compendio della vita e delle gesti di G. Balsamo denominato il conte C. (Rom 1791; deutsch von Jagemann, Weim. 1791); Bülau, Geheime Geschichten und rätselhafte Menschen, Bd. 1 (2. Aufl., Lpz. 1863); Sierke, Schwärmer und Schwindler zu Ende des 18. Jahrh. (ebd. 1874); Schiller benutzte C.s Gestalt in seinem "Geisterseher" (1789) und Goethe im "Großkophta" (1791).

Cagnacci (spr. kanjattschi), ital. Maler, s. Canlassi.

Cagniardelle (spr. kannjar-), ein nach dein Erfinder Cagniard de la Tour (geb. 1777 zu Paris, gest. 1859) benanntes Gebläse (s. d.).

Cagnola (spr. kanjohla), Luigi Marchese, ital. Architekt, geb. 9. Juni 1762 zu Mailand, studierte die Baukunst zu Rom und kehrte später nach Mailand zurück. Er schuf den Arco del Sempione zu Mailand, dessen Vollendung (1838) er aber nicht erlebte. Außerdem ist von seinen Werken die Kapelle der heil. Marcellina in San Ambrogio zu Mailand und der Glockenturm von Urgnano zu nennen, den er 1824 begann, sowie die Villa Zurla in Creniasco. C. starb 14. Aug. 1833 zu Inverigo.

Cagnoli (spr. kanjohli), Andrea, ital. Astronom, geb. 29. Sept. 1743 auf Zante, war zuerst Diplomat in venet. Diensten, wurde in Paris durch Lalande für astron. Studien gewonnen und arbeitete seit 1788 auf seiner Privatsternwarte zu Verona. C. wurde 1797 Direktor der Sternwarte zu Mailand, 1802 Professor der Mathematik an der Kriegsschule