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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Camborne; Cambrai; Cambrasines; Cambray; Cambray-Digny; Cambrésines; Cambrésis; Cambrĭa; Cambrian-Eisenbahn; Cambric; Cambridge

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Camborne - Cambridge (Grafschaft in England)

die Verschleuderung der Kommissare und das Raubsystem der Schreckensmänner erklärte. Von Robespierre heftig angegriffen, verband sich C. mit einigen Gleichgesinnten im Konvent zu dessen Sturz; als er aber Billaud, Collot und andere Mitglieder der Ausschüsse verteidigte, zog er sich den Haß der Partei Talliens zu, die in ihm einen der Urheber des Aufstandes vom 12. Germinal verfolgte und ihn aus dem Finanzausschuß vertrieb. In contumaciam zur Deportation verurteilt, durfte er erst nach der Amnestie vom 26. Okt. 1795 sich auf sein Landgut bei Montpellier zurückziehen. Die Ämter, die ihm Napoleon 1805 antrug, wies er zurück. Während der Hundert Tage nahm er ein Mandat für die Kammer an, wo er gegen die Rückkehr der Bourbonen protestierte. 1816 mußte C. als "Königsmörder" nach Brüssel flüchten, wo er 15. Febr. 1820 starb.

Camborne (spr. kämmborn), Stadt in der engl. Grafschaft Cornwall, 19 km im NO. von Penzance, hat (1891) 14700 E. und Verhüttung der ergiebigen Kupfer-, Blei- und Zinnminen der Umgebung.

Cambrai (spr. kangbräh). 1) Arrondissement im franz. Depart. Nord, hat 893,34 qkm, (1891) 197535 E., 118 Gemeinden und zerfällt in die 7 Kantone: Cambrai-Est (88,91 qkm, 23175 E.), Cambrai-Ouest (78,92 qkm, 26924 E.), Carnières (101,78 qkm, 30980 E.), Le Cateau (159,18 qkm, 31052 E.), Clary (137,31 qkm, 34749 E.), Marcoing (199,59 qkm, 24932 E.), Solesmes (127,65 qkm, 25723 E.). - 2) C., Cambray, deutsch Camerik oder Kambryk, Hauptstadt des Arrondissements C., Festung und Kriegsplatz zweiter Klasse, 72 km südöstlich von Lille, in 53 m Höhe, an der Schelde, welche in drei Armen die Stadt durchzieht, am Anfange des Kanals von St. Quentin und an den Linien Busigny-Somain, C.-Belg. Grenze (56 km), St. Just-Epehy-Douai der Franz. Nordbahn und der Lokalbahn C.-Catillon (36 km), ist ein schöngebauter Ort mit Giebelhäusern, hat (1891) 14360, als Gemeinde 24122 E., in Garnison das 1. Infanterie- und 4. Kürassierregiment, ein schönes Stadthaus, feste, von alten runden Türmen flankierte Mauern, eine Citadelle und eine jetzt restaurierte Kathedrale mit dem Grabmal Fénélons. C. ist Sitz eines 1841 wiederhergestellten Erzbistums, eines Handels- und zweier Friedensgerichte, einer Gewerbekammer, einer Filiale der Bank von Frankreich und des Kommandos der 2. Infanteriebrigade, hat ein Kommunal-Collège, 2 bischöfl. Seminare, 7 Klöster, Museum, Bibliothek (35000 Bände, 1230 Manuskripte), eine Statue von Baptiste, dem Erfinder der Batistgewebe, ein Militärhospital, Theater, mehrere gelehrte Gesellschaften und drei Zeitungen. Die Industrie ist seit alter Zeit sehr bedeutend, namentlich in Batistleinwand, den sog. Cambricstoffen oder Kammertuch, feinen Baumwollgeweben, baumwollenen Spitzen und Tülls (jährlich für 8½ Mill. Frs.), Lederwaren, Zucker und Seife. Außerdem bestehen Leinen- und Baumwollspinnerei, Salz- und Ölraffinerie, Bierbrauerei, Brennerei; Handel mit Getreide, Ölsaat, Hanf, Hopfen, Wolle, Rindvieh, Butter, Steinkohlen und den eigenen Fabrikaten.

C., das alte Cameracum, unter den Römern eine der bedeutendsten Städte Galliens, besaß Amphitheater, Paläste und Wasserleitungen. Es kam im 5. Jahrh. in den Besitz der Franken, deren König Ragnachar 481 - 509 hier herrschte. Später bildete es mit seinem Gebiet (Cambrésis) eine Grafschaft, welche König Heinrich I. nach dem Erlöschen des gräfl. Geschlechts an den Bischof von C. verlieh, und die bis zum 17. Jahrh. zum Deutschen Reiche gehörte, obwohl die Diöcese im Erzbistum Reims lag. Unter Ludwig XIV. erfolgte 1679 nach dem Frieden von Nimwegen die Vereinigung C.s mit Frankreich. In C. wurde 10. Dez. 1508 zwischen Papst Julius II., Kaiser Maximilian I., Ludwig XII. von Frankreich und Ferdinand dem Katholischen das Bündnis (die Ligue von C.) gegen Venedig, und 5. Aug. 1529 zwischen Frankreich und Spanien der sog. Damenfriede (durch Margareta, die verwitwete Herzogin von Savoyen, Statthalterin der Niederlande, und Luise, die verwitwete Herzogin von Angoulême, Mutter Franz' I.) abgeschlossen, in welchem Frankreich gegen Verzicht auf Italien sowie auf Artois und Flandern das Herzogtum Burgund wieder erhielt.- Vgl. Bouly, Histore-de C. et du Cambrésis (2 Bde., Cambrai 1843); Lécluselle, Histoire de C. depuis 1789 (2 Bde., ebd. 1875); E. Hoeres, Das Bistum C. und die Entwicklung der Kommune (Lpz. 1882).

Cambrasines (spr. kangbrassihn), Leinwand, s. Cambrésines.

Cambray, s. Cambrai.

Cambray-Digny (spr. kangbrä dinji), Luigi Guglielmo, Graf, ital. Minister, geb. 8. Aug. 1820 zu Florenz, wo seine Familie 1740 aus der Picardie eingewandert war, studierte zu Paris und Pisa die Rechte, erwarb sich das Vertrauen des Großherzogs Leopold II. und trat 1848 Guerrazzi entgegen. Nach der Herbeirufung der Österreicher durch Leopold II. aber zog er sich zurück; später riet er Leopold vergeblich zu liberalen Maßregeln und Loslösung von Österreich. Nach dem Abzug des Großherzogs verhandelte er 1859 für die Provisorische Regierung unter Ricasoli in Turin und betrieb in der Kammer von Toscana den Anschluß an Piemont. In die ital. Kammer und in den Senat 1860 getreten, übernahm er die Verwaltung der königl. Civilliste und der Krongüter in Toscana, leitete nach Verlegung des Regierungssitzes nach Florenz als dessen Bürgermeister (1864 - 66) die verderblich rasche Vergrößerung und Verschönerung der Stadt und war Okt. 1867 bis Dez. 1869 unter Menabrea Finanzminister, in welcher Eigenschaft er das Salz- und Tabaksmonopol (sog. Regia) schuf, das sowohl von der Linken wie von einem Teil des rechten Centrums aufs schärfste angegriffen wurde. Er veröffentlichte finanzpolit. Abhandlungen und 1853 die "Ricordi della Commissione governativa toscana del 1849".

Cambrésines (spr. kangbressihn), auch Cambrasines, feine levant. und bengal. Leinwand, so genannt wegen der Ähnlichkeit des Gewebes mit der ursprünglich in der franz. Stadt Cambrai erzeugten Batistleinwand, s. Batist.

Cambrésis (spr. kangbressih), s. Cambrai.

Cambrĭa, lat. Name für Wales.

Cambrian-Eisenbahn (spr. kämmbrĭänn), s. Großbritannische Eisenbahnen.

Cambric (spr. kehm-), Stoff, s. Cambrai und Kammertuch.

Cambridge (spr. kehmbridsch). 1) C. (Cambridgeshire oder Cambs), Grafschaft im südöstl. England, zwischen Lincoln im N., Northampton, Huntington und Bedford im W., Hertford im S., Essex, Suffolk und Norfolk im O., zählt auf 2124 qkm (1891) 188862 E. Die Hauptflüsse sind die kanalisierte Nene an der Nordgrenze und die von W. nach O. fließende Ouse mit Cam und Lark. Der nördl. Teil gehört zum flachen korn- und viehreichen Fenn-Distrikt, ist fast durchweg drainiert und wird